fructus dulces http://fructusdulces.blogsport.de Sprachliches, Literarisches, Musikalisches und mehr Wed, 08 Nov 2017 11:08:12 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Jemand zu Hause? http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/#comments Wed, 08 Nov 2017 11:01:30 +0000 Fiammetta de Bornelh Dies und jenes http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/ window.document.getElementById('post-255').parentNode.className += ' adhesive_post';

In den letzten Monaten habe ich auf diesem Blog immer weniger Posts bzw. immer seltener etwas veröffentlicht. Dies liegt kurz gesagt zum einen daran, dass mir die Themen ausgehen, und zum anderen daran, dass ich weniger Zeit habe. Als ich angefangen habe, hier zu schreiben, habe ich mir gar kein Ziel gesetzt, wie viel es werden oder wie lange es gehen sollte, insofern finde ich das selbst gar nicht so tragisch.
Gelegentlich wird in Zukunft sicherlich noch etwas kommen. Kommentare werden auch weiterhin freigeschaltet und E-Mails beantwortet, ich habe meine virtuellen Zelte hier nicht abgebrochen, nur halte ich mich meistens anderswo auf.

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Zwei neue asexy Blogs http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/23/zwei-neue-asexy-blogs/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/23/zwei-neue-asexy-blogs/#comments Mon, 23 Oct 2017 16:31:41 +0000 Fiammetta de Bornelh QueeresAsexual Awareness WeekAsexualität http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/23/zwei-neue-asexy-blogs/ Es ist wieder Asexual Awareness Week!
Meine gute Tat anlässlich dieser Woche soll es gewesen sein, in der Rubrik „Über Asexualität“ meine Blogroll ein wenig zu aktualisieren – Neuzugänge sind Gedankengänge eines Asses und Lass uns reden….
Ich sehe, dass einige Menschen, die auf diesen Blog gelangen, hier Texte zu meiner Orientierung suchen (zumal wenn sie von meinem mittlerweile schon drei Jahre alten Brigitte-Artikel kommen, der vor einigen Monaten nochmal hochgepusht wurde – ja ja, Mademoiselle de Bornelh ist inzwischen schon 32 und nicht mehr 29) und so viel Interessantes habe ich da sicherlich gar nicht zu bieten. Klickt lieber auf die Links in diesem Post, da findet ihr jede Menge frischer Gedanken.

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Küsse wie Brandzeichen http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/18/kuesse-wie-brandzeichen/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/18/kuesse-wie-brandzeichen/#comments Wed, 18 Oct 2017 13:26:41 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturStefan ZweigZitate http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/18/kuesse-wie-brandzeichen/ In den letzten Tagen habe ich wieder einmal Ungeduld des Herzens von Stefan Zweig gelesen, den einzigen Roman des Autors, der zu dessen Lebzeiten erschien. Es geht, kurz gesagt, um einen jungen Leutnant, der sich mit der reichen Familie eines gelähmten Mädchens anfreundet. Sie verliebt sich in ihn, er ist von ihren Gefühlen überfordert und kann sie auch deshalb nicht erwidern, weil er Edith aufgrund ihrer Behinderung nicht als vollwertige Frau wahrnimmt. Von ihrer Zuneigung erfährt er ganz plötzlich, als sie ihn mit einem Kuss überrumpelt. An dieser Stelle heißt es:
„Nie in meinem Leben hab ich mehr einen derart wilden, einen so verzweifelten, einen so durstigen Kuß empfangen wie von diesem verkrüppelten Kind.“ (S. 269 in der Ausgabe vom Fischer Taschenbuch Verlag von 2000).
Das hat mich an die Novelle Verwirrung der Gefühle erinnert. In diesem Text haben wir einen jungen Studenten, der seinen Professor verehrt, von dessen abwechselnd herzlichem und abweisendem Verhalten irritiert ist und am Ende erfährt, dass er von dem Älteren leidenschaftlich geliebt wird. Beim endgültigen Abschied bittet sich der Lehrer ebenfalls einen Kuss aus, den der junge Roland folgendermaßen empfindet:
„Es war ein Kuß, wie ich ihn nie von einer Frau empfing, ein Kuß, wild und verzweifelt wie ein Todesschrei. Der zitternde Krampf seines Leibes ging in mich über. Ich schauerte von einem fremd-furchtbaren Empfinden zwiefältig gefaßt – hingegeben mit meiner Seele und doch zutiefst erschreckt von einem widrigen Wehren des männlich berührten Körpers – unheimliche Verwirrung des Gefühls, die mir verpreßte Sekunde zu betäubender Dauer zerdehnend.“ (S. 321 in der Ausgabe der „Meisternovellen“ vom Fischer Taschenbuch Verlag von 2001).
In beiden Fällen haben wir eine einseitige Passion, die aus der Sicht des Objekts geschildert wird. Beide Texte sind so konzipiert, dass der Ich-Erzähler viele Jahre später in fortgeschrittenem Alter auf eine bestimmte Phase seines Lebens zurückblickt (was für Stefan Zweig ganz typisch ist). Geliebt worden zu sein, ohne diese Liebe erwidern zu können, hat auf beide letztendlich einen stärkeren Eindruck gemacht als alle erfüllten Liebesbeziehungen, die sie je erlebt haben.
Was die Wortwahl angeht, springen einem die Parallelen sofort ins Auge, wir haben in beiden Textausschnitten „nie“, „empfangen“, „wild“ und „verzweifelt“. Beide Texte kenne ich seit vielen Jahren, aber ihre Nähe in dieser Hinsicht ist mir früher nie aufgefallen. Zigmal das Gleiche lesen ist manchmal doch gar nicht so schlecht …

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Undercover in der Schlossbibliothek http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/07/undercover-in-der-schlossbibliothek/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/07/undercover-in-der-schlossbibliothek/#comments Sat, 07 Oct 2017 12:22:52 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturRezension/KritikStefania Bertola http://fructusdulces.blogsport.de/2017/10/07/undercover-in-der-schlossbibliothek/ Ich war ja vor Kurzem wieder einmal in Torino und natürlich bin ich dort auch (wie immer in Italien und Frankreich) auf Bücherjagd gegangen. Zu meiner großen Überraschung fand ich in einem Laden Luna di Luxor von Stefania Bertola. Von der Existenz dieses Frühwerks (erschienen 1989) wusste ich immer, hielt es aber für nicht mehr erhältlich. Nun ist es neu aufgelegt worden, natürlich musste ich es haben, natürlich habe ich es längst gelesen und natürlich habe ich etwas dazu zu sagen.
Worum geht es? Wir haben eine junge Journalistin namens Miranda, die von einer Karriere bei einem berühmten Klatschmagazin träumt. Ihre große Stunde schlägt, als sie als Bibliothekarin bei einer Adelsfamilie eingeschleust wird, um exklusiv über die Liebesbeziehung der Tochter mit einem bekannten Rockstar zu berichten. Natürlich kommt alles ein wenig anders als geplant.
In den Romanen der Autorin gibt es ja immer Chaos und Verwirrung mit zahlreichen Protagonist_innen und das ist hier auch so. Das Buch ist vielleicht noch chaotischer als die späteren, ich hatte teilweise Probleme, der Handlung zu folgen, und habe den roten Faden vermisst. Typische Schwächen eines Erstlings?
Natürlich wirkt das Ganze auch wegen des großen zeitlichen Abstands etwas fremd, es ist noch von der Tschechoslowakei und von Charles und Diana die Rede und von Handys hat natürlich noch nie jemand etwas gehört, dafür wird von öffentlichen Apparaten aus telefoniert. Was mir auch aufgefallen ist, ist die größere sexuelle Freizügigkeit und Brutalität, da geht es in den späteren Werken von Stefania Bertola doch zahmer zu.
Und ich habe das Buch ja in der Heimatstadt der Autorin gekauft und die Stadt im Buch gar nicht wiedergefunden, dafür geht es munter zwischen der Toskana, der Côte d‘Azur und Schottland hin und her. Auch das ist in den anderen Büchern anders, da sind wir immer ganz klar in Sichtweite der Mole Antonelliana.
Wir bewegen uns unter Adligen und Rockstars, alle sind prominent, leben im Luxus und haben mehr oder weniger abgedrehte Namen: Das hat mich irgendwie an den Romanzo rosa erinnert, das Buch könnte glatt in dem dort beschriebenen Workshop entstanden sein – wobei es für einen klassischen Groschenroman nach Schema F andererseits viel zu chaotisch ist. Einen entzückenden Bezug zu einem späteren Roman der gleichen Autorin habe ich auch auf Seite 87 entdeckt: Miranda soll ja angeblich die Bibliothek der adligen Familie ordnen und stößt da u. a. auf einen Band mit dem Titel Biscotti e sospetti, einen Ratgeber zum Thema Untreue in der Ehe. Genau so heißt auch eins der Bücher von Stefania Bertola. Und Claudia, Mirandas beste Freundin (in Wahrheit eine falsche Schlange), ist Autorin und auf Seite 156 erfahren wir über sie, dass sie Zitate liebt und in ihrem ersten Roman sehr viele verwendet hat. Dies trifft nun auch auf Frau Bertola zu, wobei ich sicherlich in all den Jahren noch nicht alle Anspielungen entschlüsselt habe.
Fazit? Ein interessantes Puzzleteil, um das Gesamtwerk besser zu verstehen, und darf im Bücherregal eines echten Fans nicht fehlen. Die Autorin hat sich später allerdings noch gesteigert.

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Ansichten aus dem Piemont http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/24/ansichten-aus-dem-piemont/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/24/ansichten-aus-dem-piemont/#comments Sun, 24 Sep 2017 14:59:11 +0000 Fiammetta de Bornelh Dies und jenesDialekteFotosGraffitiTorino http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/24/ansichten-aus-dem-piemont/ Nach fünf Jahren habe ich es zumindest für ein paar Tage wieder in das seit langer Zeit von mir geliebte Torino geschafft.
Manches mag sich geändert haben, anderes ist mir früher nicht aufgefallen, deshalb habe ich auch diesmal noch ein wenig fotografiert. Im Folgenden ein paar nette Details:


Muuuh! Das Wappentier der Stadt ist ja der Stier (toro) und dieser findet sich u. a. an den Trinkwasserbrunnen


Diese viersprachigen Schilder (Italienisch, Piemontesisch, Englisch, Französisch) findet man jetzt vor vielen Läden.


Wie heißt die Stadt nochmal? Ach ja …


Ich liebe Wandschmierereien, wenn sie sprachlich interessant sind, und am Fluss standen schon früher immer die lustigsten Sachen. In einem englisch-italienischen Mischmasch steht hier: „Ricky (?), ich liebe dich, du bist mein Halleluja, komm zurück, deine Fra“. Ganz abgesehen davon, dass ich bisher noch nie gehört habe, dass eine Person eine andere als „mein Halleluja“ titulierte, amüsiert mich auch die Schreibung.

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Wer übersetzt, hat wenigstens was zu lachen http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/09/wer-uebersetzt-hat-wenigstens-was-zu-lachen/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/09/wer-uebersetzt-hat-wenigstens-was-zu-lachen/#comments Sat, 09 Sep 2017 13:48:23 +0000 Fiammetta de Bornelh SpracheÜbersetzerdaseinFranzösischSprachpannen http://fructusdulces.blogsport.de/2017/09/09/wer-uebersetzt-hat-wenigstens-was-zu-lachen/ Ich zähle die Tage bis zu meinem wohlverdienten Urlaub, serviere heute aber trotzdem mal wieder ein paar Anekdoten rund um meinen Beruf.
Schon vor einiger Zeit erschien dieser Artikel über die diesjährige beste Absolventin der Übersetzer- und Dolmetscherschule Köln. Was mir beim Lesen auffiel, ist die Tatsache, dass die junge Frau gar nicht als Übersetzerin arbeitet, sondern als Projektmanagerin in einer Übersetzungsagentur (zugegebenermaßen eine verwandte Tätigkeit). Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass die Absolvent_innen des Studiengangs Literaturübersetzen an der Uni Düsseldorf (war früher ein Diplom-Studiengang, der heute als Master weiter existiert) meistens als Lektor_innen in Verlagen und sowas in der Art arbeiten und selbst gar keine Literatur übersetzen. Ich frage mich, wie das kommt – da gibt es extra Studiengänge und Ausbildungen und als (freie) Übersetzer_innen arbeiten dann doch Leute aus der Romanistik etc.
Und apropos Arbeitsleben als Übersetzer_in. Eine Bekannte von mir hat sich damals, als wir uns kennenlernten, mir gegenüber als Fremdsprachenkorrespondentin bezeichnet, aber als wir jetzt eine neue Person kennenlernten und diese R. nach ihrem Beruf fragte, sagte sie, sie sei Übersetzerin (sie hat, wie ich weiß, in einem Energieunternehmen mit Texten in mehreren Sprachen zu tun). Interessant war, was F. darauf fragte: „Bist du da in einem Verlag angestellt?“ Ich bin in Gelächter ausgebrochen. Nicht nur, dass Menschen häufig beim Stichwort Übersetzen zunächst an literarische Übersetzungen denken, obwohl das übersetzte Volumen bei Fachtexten viel größer ist und viel mehr Personen in diesem Bereich tätig sind – bei Verlagen fest angestellte Übersetzer_innen gibt es überhaupt nicht und ich wäre davon ausgegangen, dass das der Allgemeinheit bewusst ist.
Zum Schluss mein gestriger Lacher des Tages: Ich übersetze derzeit Beschreibungen von Wanderwegen in einem großen Naturschutzgebiet aus dem Französischen – es sind sehr viele Wanderwege und es ist daher ein größeres Projekt. Gestern fiel mir keine gute Übersetzung für „sentier du patrimoine“ ein und ich gab den Begriff in der Hoffnung auf Inspiration bei linguee ein. Ich glaube, gleich der erste Treffer war irgendeine schlecht übersetzte Website, auf der es im Deutschen „Erbschaftspfad“ hieß. Das habe ich dann doch nicht genommen, sondern mich für „Geschichtslehrpfad“ entschieden.

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Der König und seine Geliebte http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/27/der-koenig-und-seine-geliebte/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/27/der-koenig-und-seine-geliebte/#comments Sun, 27 Aug 2017 16:34:37 +0000 Fiammetta de Bornelh FilmLebewohl meine KonkubineOstasienRezension/Kritik http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/27/der-koenig-und-seine-geliebte/ In einem Kino in meiner Nähe sind gerade Hongkong-Filmtage angesagt und ich habe die Gelegenheit genutzt, um mir Lebewohl, meine Konkubine (Regisseur Chen Kaige, 1993) anzuschauen. Den Film hatte mir viele Jahre zuvor ein chinesischer Freund ans Herz gelegt, wobei ich erst kurz vor dem Gucken erfahren habe, dass es sich um eine Literaturverfilmung handelt, das Buch soll sehr lang und komplex sein.
Lang ist nun auch der Film, 170 Minuten gilt es durchzuhalten. Könnte der längste Film sein, den ich je gesehen habe – wie viele Minuten dauert Stalker von Tarkowski? Während der ersten Stunde geht es nur um die Kindheit der beiden männlichen Hauptpersonen, wie sie in dieser strengen Schule für künftige Opernsänger aufwachsen und von ihrem Meister misshandelt werden. Ich hätte ja gedacht, in der Oper gehe es hauptsächlich ums Singen und an einer Opernschule werde Gesang gelehrt, vielleicht noch Theorie und Instrumente, aber das Entscheidende scheint die körperliche Biegsamkeit zu sein, damit man später akrobatische Kunststücke vorführen kann. Die jungen Körper werden wie angedeutet unter Qualen gedehnt, nebenbei werden Texte aus traditionellen Stücken gelernt.
Kurz gesagt geht es im Film um eine Dreiecksgeschichte: Der eine Sänger, ein recht tuntiger Typ, ist in seinen langjährigen Freund und Kollegen verschossen, der aber nur Frauen mag, insbesondere eine, eine Prostituierte, die er heiratet und zu einer ehrbaren Frau macht. Die drei erleben den Aufstieg und Fall verschiedener Regimes und drehen ihr Fähnchen oft nach dem Wind, damit die Herren ihrer Tätigkeit weiter nachgehen können. Wenigstens die Oper soll immer gleich bleiben, aber im Kommunismus wird das dann sehr schwierig. Ich persönlich finde die Frau (die übrigens von Gong Li gespielt wird, die ich aus 2046 kenne, während Leslie Cheung, der den schwulen Cheng spielt, auch in Happy together von Wong Kar-Wai zu sehen ist) sympathischer als den Schwulen, er hat doch einen ziemlichen Schuss weg und verliert immer mehr den Bezug zur Realität. Mir tat es leid, dass das Heteropaar am Ende nicht mehr zusammen ist. Cheng hätte sich doch diesen reichen Opernliebhaber (Name vergessen) krallen können, der genau so tuntig und abgedreht wie er ist.
Was man im Film häufig sieht: Zum einen langsam fließende Tränen (oder auch langsam fließendes Blut) und zum anderen Gegenstände, die von einem Tisch gefegt werden. Kann man bei Letzterem einen Bezug zu den wechselnden Regimes sehen, die jeweils versuchen, alles Vorherige ungeschehen zu machen? Gerade im kommunistischen Staat, der zum Schluss gezeigt wird, ist man ja nicht gerade zimperlich. Und „Lebewohl“ bzw. „Auf Wiedersehen“ sagen die Leute häufiger (ich habe den Film auf Deutsch gesehen, kann kein Chinesisch und weiß nicht, was für Abschiedsformeln es in dieser Sprache gibt). Natürlich gibt es Parallelen zwischen der beliebten Oper, die dem Film ihren Titel gibt und so oft aufgeführt wird, und dem, was im Film außerhalb der Oper geschieht – auch der Sänger Duan trennt sich am Ende unter Druck von seiner „Konkubine“, der ehemaligen Prostituierten.
Ich kann nun sagen, dass Lieder aus der Pekingoper zu den wenigen Musikrichtungen gehören, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann. Ist das ein Gequietsche – da spricht mich die tänzerische Ebene noch eher an. Ist aber durchaus ein sehenswerter Film und ich kann nachvollziehen, warum er so berühmt ist.

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Klappe halten http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/20/klappe-halten/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/20/klappe-halten/#comments Sun, 20 Aug 2017 07:54:00 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturAltfranzösischChrétien de TroyesFranzösischMittelalter http://fructusdulces.blogsport.de/2017/08/20/klappe-halten/ Ich habe die CSD-Saison hinter mich gebracht und mein Lesepartner hat jetzt auch wieder mehr Zeit, also haben wir uns wieder den Cligès geschnappt. Der Titelheld verhindert die Entführung seiner Angebeteten Fenice und nimmt sich jeden der zwölf Sachsen, die sie eskortieren, einzeln vor. Nur einer der Feinde überlebt diese Aktion und das auch nur, weil Cligès möchte, dass der Herzog von Sachsen von ihm erfährt, was geschehen ist. In dem Abschnitt ist mir was Bestimmtes aufgefallen: Es wird immer wieder betont, dass die Toten nicht mehr sprechen können. Da hätten wir „Si li tolt l‘ame et la parole“ (Vers 3682 – So nimmt er ihm die Seele und die Rede), „Mes ainz que mot dire li loise“ (Vers 3687 – Aber bevor er ihn ein Wort sagen lässt [tötet er ihn]) und „De cels nus ne se contretint / Que touz nes laist taisanz et muz“ (Vers 3694 f. – Von denen kann sich keiner behaupten / Er lässt sie alle schweigend und stumm zurück).
Das muss mit einer Passage zusammenhängen, die ich nicht richtig verstanden habe (und mein Mitleser auch nicht). Die Ausgangssituation ist so: Die zwölf, die Fenice begleiten, halten Cligès zunächst für ihren Herrn, den Herzog von Sachsen, weil er dessen Pferd erbeutet hat. Sie reiten auf ihn zu, um ihm stolz zu berichten, dass sie das Mädchen haben. Cligès töten den ersten, der zweite nähert sich und es heißt in Vers 3674 ff.:
Au secont fait une envaïe
Qui le cuidoit de son contraire
Noveles dire et joie faire,
Si com li premiers avoit fait
Mais Cligès n‘a cure de plait
Ne de sa parole escouter […]

Das heißt so ungefähr: Er stürzt auf den zweiten los, der ihm Neues berichten und mit dem erfreuen wollte, was ihn doch ärgert, so wie es schon der erste wollte. Aber Cligès kümmert sich nicht um seine Rede […].
Dem Autor muss die Rede und Botschaft in dieser Passage irgendwie besonders wichtig gewesen sein, zumal die Szene ja damit endet, dass Cligès den letzten Überlebenden nur deshalb verschont, damit dieser seinem Herrn von der Niederlage berichtet. Unwillkürlich musste ich auch an das „Und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte“ aus der Geschichte von Hiob in der Bibel denken, aber da denke ich vielleicht zu weit. Nee, so richtig verstehe ich es nicht.

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Romanischer Gemüsesalat http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/27/romanischer-gemuesesalat/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/27/romanischer-gemuesesalat/#comments Thu, 27 Jul 2017 13:29:15 +0000 Fiammetta de Bornelh SpracheEtymologieFranzösischItalienischPiemontesischWortsalat http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/27/romanischer-gemuesesalat/ Da ich momentan etwas mehr Zeit habe, nutze ich diese, um wieder einmal einen Wortsalat auf den Tisch zu bringen.
Zunächst sind mir einmal eine deutsch-italienische und einmal eine französisch-italienische Gemeinsamkeit aufgefallen: Schon als Kind habe ich häufiger gehört und gesagt „da lachen ja die Hühner“. Nun habe ich in einer Erzählung von Primo Levi die Formulierung „fa ridere i polli“ gelesen, d. h. „das bringt die Hühner zum Lachen.“ Bis dahin war mir nicht klar, dass es die gleiche Wendung in beiden Sprachen gibt.
Der italienische und der französische Sprachraum reichen sich in Bezug auf Gemüse die Hände: Aus meiner Schulzeit in Italien kenne ich die Aufforderung „fatti i cavoli tuoi“, also „kümmere dich um deinen eigenen Kohl“. In Bezug auf die Verwendung von „cavolo“ im Italienischen ist allerdings zu sagen, dass man dieses Wort ausspricht, um ein anderes, vulgäres nicht auszusprechen, das ebenfalls mit ca- anfängt und sich in der Mitte mit zwei z schreibt (ein ähnliches Phänomen wie unser „Scheibenkleister“). Seit Kurzem weiß ich nun, dass man auf Französisch sagen kann „occupe-toi de tes oignons“, also „kümmere dich um deine Zwiebeln“. Jetzt stelle ich mir die romanischsprachigen Völker in ihren Gärten vor, wie sie nur auf ihr eigenes Gemüse schauen und ganz sicher nicht auf das der Nachbarin.
Ebenfalls bei Primo Levi (ja ja, in meiner Lieblingsbibliothek gibt es sämtliche Erzählungen in einem Band und ich habe mir den Schinken gerade reingezogen, wobei ich einiges schon kannte) bin ich auf den piemontesischen Begriff gagnô gestoßen. Erklärt wird er folgendermaßen (ich übersetze mal gleich): „Das Wort ist voll von Spott. Schüler der zweiten Klasse bezeichnen die aus der ersten Klasse so“. Ins Italienische übersetzt wird er mit „bambino“, also „Kind“. Ich wurde sofort hellhörig (sofern man das beim Lesen werden kann), da ich mich aus meiner schon weiter oben erwähnten Schulzeit in Italien an das Wort „gagna“ erinnern kann – ich kenne es nur in der weiblichen Form, was aber nicht heißt, dass es damals nicht auch in der männlichen verwendet wurde. Die Bedeutung war in unserem Munde etwa „unreifes Ding“, d. h. 17 Jahre alte Personen konnten 14-Jährige so nennen. Ich dachte immer, das sei damals eben Jugendsprache gewesen; dass das Wort piemontesisch ist, war mir nicht klar.
Noch was Kurzes, das ich im Französischen kürzlich neu gelernt habe: cartonner in der Bedeutung „großen Erfolg haben“, man kann das z. B. über einen Film sagen. Laut Petit Robert kommt das von „carton“ im Sinne von „Pappscheibe, auf die man schießt“. Ein erfolgreicher Film ist also ein Volltreffer.
Pappscheiben weichen allerdings bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen leicht durch. Ich hoffe, niemand der hier Mitlesenden hat sich selbst nasse Füße geholt oder steht mit dem eigenen Haus im Nassen.

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Polyglotter CSD http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/23/polyglotter-csd/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/23/polyglotter-csd/#comments Sun, 23 Jul 2017 15:44:16 +0000 Fiammetta de Bornelh Sprache QueeresÖffentlichkeitsarbeitAsexualitätCSD BerlinFranzösischItalienisch http://fructusdulces.blogsport.de/2017/07/23/polyglotter-csd/ Wir haben’s wieder getan – am CSD Berlin teilgenommen. Einen kleinen Bericht findet ihr auf der Website unseres Vereins AktivistA.
Das Besondere für mich: In unserer Gruppe liefen zwei frankophone Mädels mit und irgendwann traf ich noch eine mir bekannte Italienerin. Auf diese Weise kam ich dazu, drei Sprachen an einem Tag zu sprechen, was mir normalerweise eher nicht passiert.
Nächstes Jahr gern mit etwas weniger Regen, aber ansonsten war’s schon ein schöner Tag.

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