fructus dulces http://fructusdulces.blogsport.de Sprachliches, Literarisches, Musikalisches und mehr Sat, 30 Jun 2018 07:59:19 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Jemand zu Hause? http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/#comments Wed, 08 Nov 2017 11:01:30 +0000 Fiammetta de Bornelh Dies und jenes http://fructusdulces.blogsport.de/2017/11/08/jemand-zu-hause/ window.document.getElementById('post-255').parentNode.className += ' adhesive_post';

In den letzten Monaten habe ich auf diesem Blog immer weniger Posts bzw. immer seltener etwas veröffentlicht. Dies liegt kurz gesagt zum einen daran, dass mir die Themen ausgehen, und zum anderen daran, dass ich weniger Zeit habe. Als ich angefangen habe, hier zu schreiben, habe ich mir gar kein Ziel gesetzt, wie viel es werden oder wie lange es gehen sollte, insofern finde ich das selbst gar nicht so tragisch.
Gelegentlich wird in Zukunft sicherlich noch etwas kommen. Kommentare werden auch weiterhin freigeschaltet und E-Mails beantwortet, ich habe meine virtuellen Zelte hier nicht abgebrochen, nur halte ich mich meistens anderswo auf.

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Deine Finger schreiben an den Himmel http://fructusdulces.blogsport.de/2018/06/30/deine-finger-schreiben-an-den-himmel/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/06/30/deine-finger-schreiben-an-den-himmel/#comments Sat, 30 Jun 2018 07:45:16 +0000 Fiammetta de Bornelh MusikJiddischSephardischSpanischWeltmusik http://fructusdulces.blogsport.de/2018/06/30/deine-finger-schreiben-an-den-himmel/ Ich kenne da ein jiddisches und ein sephardisches Lied, deren Texte sich in einem Punkt ähneln.
In Oj dortn, dortn heißt es:

Oy, dayne oygelech, vi di shwartse karschelech
Oy, dayne lipelech, vi rosene papir
Un dayne fingerlech, vi tint un vi feyder
Oy, schraybn solstu ofte briv tsu mir (Quelle)

Übersetzung:
O deine Augen, wie schwarze Kirschen
O deine Lippen, wie rosa Papier
Und deine Finger, wie Tinte und wie Feder
O schreiben sollst du mir oft einen Brief (Quelle)

In Esta montanya d‘enfrente hören wir:

Sekretos kero deskuvrir,
Sekretos de mi vida,
El sielo kero por papel
La mar kero por tinta.
Los arvoles por pendolas,
Para ’skrivir mis males […] (Quelle: Booklet zu Yasmin Levys Album Romance & Yasmin)

Eigene Übersetzung:
Geheimnisse möchte ich offenbaren,
Geheimnisse meines Lebens,
Der Himmel soll mein Papier sein
Und das Meer meine Tinte.
Die Bäume sollen meine Federn sein,
Um meine Leiden aufzuschreiben […]

Gemeinsam ist den beiden Texten die Vorstellung, Dinge als Schreibgeräte nutzen zu können, die eigentlich keine sind – in einem Falle sind das Körperteile, im anderen Teile der Natur. Dabei frage ich mich bei dem jiddischen Text, was die Kirschen mit dem Folgenden zu tun haben sollen, und stelle mir bei dem sephardischen unwillkürlich vor, dass das Leid sehr groß sein muss, wenn der ganze Himmel benötigt wird, um es zu schildern.
Irgendwo habe ich schon einmal etwas Ähnliches gehört und wenn ich mich nicht irre, war das ein arabischer Text. Handelt es sich hier um ein häufiger auftretendes Motiv? Wenn jemand noch mehr Beispiele hat: her damit! Tippen in das Kommentarfeld reicht auch völlig aus, niemand muss Bäume ausreißen.

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Geträller in Lissabon http://fructusdulces.blogsport.de/2018/05/14/getraeller-in-lissabon/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/05/14/getraeller-in-lissabon/#comments Mon, 14 May 2018 18:49:38 +0000 Fiammetta de Bornelh MusikESC 2018PopmusikSingstimmen http://fructusdulces.blogsport.de/2018/05/14/getraeller-in-lissabon/ Dieses Jahr konnte ich das ESC-Finale gar nicht sehen, hatte mir aber im Vorfeld alle Musikvideos angeschaut und habe mir auch im Nachhinein die Aufnahmen der Live-Auftritte meiner Lieblinge angesehen, was das Bild nochmal ein wenig zurechtgerückt hat. Hier nun meine Favoriten in aufsteigender Reihenfolge nach Platzierung beim ESC:
Cláudia Pascoal mit O Jardim für Portugal. Ich verstehe nicht, warum dieses Lied auf dem letzten Platz gelandet ist. Es hat für mich einen stacheligen Charme und der Gesang ist absolut nicht schlecht (und außerdem gefallen mir die rosa Haare und die beiden Mädels sind zusammen so süß).
Amaia y Alfred mit Tu Canción für Spanien. Hätte auch mehr als Platz 23 verdient. Das Ganze ist ein wenig kitschig, aber die Melodie gefällt mir sehr gut und die Zweistimmigkeit sagt mir auch zu, wobei die Dame meiner Meinung nach stimmlich mehr draufhat als der Herr, er quäkt ein wenig.
AWS mit Viszlát Nyár für Ungarn. So hart bin ich normalerweise nicht unterwegs, aber unter all den süßlichen Stücken, die bei der Veranstaltung vorgetragen wurden, kann es ruhig mal ein wenig krachen. Der Sänger trifft allerdings nicht jeden Ton, weswegen es bei mir persönlich für das Siegertreppchen nicht gereicht hätte.
Waylon mit Outlaw In ‚Em für die Niederlande. Wirkt wie ein Gruß aus einem anderen Jahrzehnt und zwar ein cooler Gruß. Der Sänger kam schon im Vorab-Video sehr routiniert und abgeklärt rüber, da sitzt jeder Ton, und Ausstrahlung hat der Mann auch.
Ermal Meta e Fabrizio Moro mit Non mi avete fatto niente für Italien. Gehört zu den Stücken mit einer starken Botschaft und gut gesungen, aber ich frage mich, was der eine Typ da für eine komische Perücke trägt. Die Vorab-Version gefiel mir von der Instrumentierung auch etwas besser.
Den Siegersong aus Israel finde ich musikalisch schrecklich, Tiergeräusche und so ein Zeug kann ich mir überhaupt nicht anhören. Deutschland fand ich nicht so schlecht, auch etwas kitschig, aber singen kann der Kandidat definitiv. Enttäuscht war ich über das Ausscheiden Belgiens im Halbfinale, das Lied fand ich super, aber es stimmt schon, dass die Sängerin live nicht wirklich überzeugen konnte, im Refrain war sie stimmlich zu schwach.
Wenn Leute in ihrer Muttersprache singen, gibt das bei mir durchaus Bonuspunkte, aber das alleine ist es dann auch nicht, Slowenien gefällt mir z. B. gar nicht.
Man sieht sich nächstes Jahr, dann mal wieder außerhalb Europas!

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Neues aus dem Orient http://fructusdulces.blogsport.de/2018/04/08/neues-aus-dem-orient/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/04/08/neues-aus-dem-orient/#comments Sun, 08 Apr 2018 07:53:13 +0000 Fiammetta de Bornelh MusikArabischTürkischWeltmusik http://fructusdulces.blogsport.de/2018/04/08/neues-aus-dem-orient/ Einige Bands/Einzelkünstler_innen, die ich hier irgendwann früher schon einmal erwähnt habe (im Zweifelsfalle einfach den Namen im Suchfeld eingeben, so kommt ihr zu den alten Posts), haben inzwischen neue Musik rausgehauen, die Erwähnung verdient.
Von Kent Coda aus Köln (zwei Mitglieder stammen aus der Türkei und eines aus Österreich) ist Kafası güzel durchaus anhörenswert – ein lustiges Musikvideo, das Lust auf die kommende Badesaison macht, gibt es obendrauf.
Den Namen von Youssra El Hawary aus Ägypten habe ich gerade gestern auf einem Plakat gelesen, offenbar wird sie demnächst in Berlin auf einem Akkordeon-Festival auftreten. Die Produktion ihres aktuellen Albums No‘oum Nasyeen wurde durch Crowdfunding ermöglicht und das Geld wurde eindeutig gut investiert – hier eine Kostprobe.
Das Neueste von Mashrou‘ Leila aus dem Libanon gefällt mir im Grunde weniger gut als frühere Werke, die Musik ist mir inzwischen etwas zu elektronisch. Dieses Stück und Video hier kann ich aber durchaus empfehlen.
Mal sehen, ob ich mir etwas davon kaufe. Ich bin ja eher von der Fraktion „Ich gehe in den CD-Laden und kaufe mir eine Scheibe, die ich ins Regal stellen kann“, mit dem ganzen Download-Gezeugs bin ich wenig vertraut, nur auf YouTube hänge ich viel rum – wie man sieht.

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Von Verben und Substantiven http://fructusdulces.blogsport.de/2018/03/26/von-verben-und-substantiven/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/03/26/von-verben-und-substantiven/#comments Mon, 26 Mar 2018 16:40:03 +0000 Fiammetta de Bornelh SpracheÜbersetzerdaseinItalienischKatalanisch http://fructusdulces.blogsport.de/2018/03/26/von-verben-und-substantiven/ Heute haben mir romanische Sprachen gleich zweimal Anlass zum Kopfzerbrechen gegeben.
Erstens übersetze ich gerade einen Artikel über eine Whistleblowerin aus dem Italienischen. Im Originaltext werden abwechselnd whistleblower und lanciatrice d‘allerta verwendet. Lanceur / lanceuse d‘alerte sagt man auch im Französischen, der Sprache, die Anglizismen bekanntermaßen gar nicht mag. Das Italienische hat sich drangehängt und leistet sich zwei Wörter, wodurch die Autorin meines Originalartikels ein Synonym hat, auf das sie ausweichen kann. Ich habe in meiner Sprache nicht die gleiche Möglichkeit und muss sehen, wie ich die zu häufige Wiederholung von „Whistleblowerin“ vermeide. Tücken des Alltags.
Zweitens verfolge ich aus aktuellem Anlass die katalanische Presse. Katalanisch kann ich einigermaßen lesen (und einige Lieder von Maria del Mar Bonet halbwegs sicher mitsingen), verfüge aber nicht über profunde Kenntnisse. Was ich mich heute fragte: Was hat diese Sprache denn für komische Tempora? In diesem Artikel heißt es: „Segons diu la seva esposa Marcela Topor a ElPunt Avui, que va poder parlar per telèfon amb ell abans d’ingressar al centre penitenciari de Neumünster (Alemanya), Puigdemont va demanar-li que transmetés el següent missatge als catalans, conscient de les manifestacions al carrer: ‘Ara no hi ha d’haver violència.’“ (Fett von mir) Wenn ich Formen von „gehen“ + Infinitiv sehe, rechne ich wie im Französischen und Spanischen mit einer futurischen Bedeutung, aber das kommt ja wohl nicht hin. Puigdemonts Frau hat mit ihm gesprochen, kurz bevor er das Gefängnis betrat, oder etwa nicht?

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Kurzes mit viel Reiz http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/10/kurzes-mit-viel-reiz/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/10/kurzes-mit-viel-reiz/#comments Sat, 10 Feb 2018 17:19:44 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturItalienischNatalia GinzburgRezension/Kritik http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/10/kurzes-mit-viel-reiz/ Mit dem letzten Schwung von Büchern aus der Bibliothek ist auch Un‘assenza von Natalia Ginzburg bei mir gelandet, erschienen 2016 bei Einaudi in Turin, eine Sammlung von einerseits Kurzgeschichten und andererseits Essays und autobiographischen Skizzen, herausgegeben von Domenico Scarpa. Von der Autorin habe ich vor vielen Jahren mal das Lessico famigliare gelesen, eine Geschichte ihrer Familie, die sich an Aussprüchen der Familienmitglieder entlangrankt. Fand ich damals eine originelle Herangehensweise, kann mich an das Buch aber nicht mehr gut erinnern. Gefesselt hat mich vor einigen Jahren È stato così, das ich seitdem mehrmals gelesen habe (immer mal wieder aus der Bibliothek ausgeliehen). Ich meine, dass ich auch noch ein anderes längeres Buch von Natalia Ginzburg gelesen habe, meine Erinnerungen sind aber extrem schwach und vermischen sich mit irgendwelchen Geschichten von Giorgio Bassani. Gut, nun hatte ich also zweimal kurze Formen in einem Band.
Die fiktiven Geschichten fand ich allesamt sehr spannend. Schauplatz ist meistens die Familie, oft erleben wir Ereignisse aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen, die unter Streit und ungerechter Behandlung leiden, aber noch hoffen, dass es besser wird. Die Erzählung Mio marito hat mich sehr an den schon erwähnten kurzen Roman È stato così erinnert, der später entstanden ist: In beiden Fällen geht eine weibliche Ich-Erzählerin eine Beziehung mit einem Mann ein, ohne ihn zu lieben, eher aus Langeweile, Mangel an Alternativen und dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard, wird aber eifersüchtig, als sich herausstellt, dass der Mann eine andere Frau liebt. Am Ende fällt dann ein Schuss … Die autobiographischen Texte habe ich auch gern gelesen, mit den Essays konnte ich zum Teil nicht so viel anfangen, weil mir das Hintergrundwissen fehlte.
Die Texte über die Verbannung nach Süditalien und das Leben dort auf dem Dorf haben mich an Cristo si è fermato a Eboli von Carlo Levi denken lassen – berühmtes Buch, aber es ist noch nicht so lange her, dass ich es gelesen habe, ein Jahr vielleicht. Natalia Ginzburg und ihrer Familie wurde während des Faschismus das gleiche Schicksal zuteil wie dem ebenfalls aus Turin stammenden Maler und Autor, Verbannung im eigenen Land und Gebundensein an ein kleines Dorf in einer fremden Region. Das bedeutete Kulturschock und inspirierende Erweiterung des Horizonts zugleich. Ich erinnere mich, dass ich mich beim Lesen von Levis Buch gewundert habe, dass Menschen im 20. Jahrhundert in Europa noch so gelebt haben, arm, ungebildet und von Krankheiten geplagt. Von dem Leben bessergestellter Familien im Norden muss es extrem weit weggewesen sein.
Von Natalia Ginzburg gibt es noch einiges zu lesen und ich denke, dass Dranbleiben sich lohnt.

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Wiederentdeckt http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/01/wiederentdeckt/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/01/wiederentdeckt/#comments Thu, 01 Feb 2018 16:15:41 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturItalienischSandro PennaZitate http://fructusdulces.blogsport.de/2018/02/01/wiederentdeckt/ Wenn ich mich nicht irre, habe ich mir Sandro Pennas Poesie (Milano 2000) gekauft, als ich Ostern 2004 mit einer Freundin in Florenz war. Den Dichter hatte mir eine italienische Freundin ans Herz gelegt. Nun habe ich das hellblaue Buch nach einiger Zeit wieder in die Hand genommen und ein wenig darin herumgeblättert und viele Texte sind wirklich schön, weswegen ich wenigstens einen zitieren möchte.
Wer war Sandro Penna überhaupt? Geboren wurde er 1906 in Perugia, gestorben ist er 1977 in Rom. Er hat kurze Prosatexte verfasst, die ich nicht kenne, und dann eben Gedichte, ziemlich viele und größtenteils ziemlich kurz, oft sind es nur vier Verse, manchmal auch nur zwei. Ich würde sie als Momentaufnahmen bezeichnen, wir werden Beobachter einer kurzen Szene, in der Natur, auf der Straße oder auch im Zug. Um die deutsche Wikipedia zu zitieren: “ Es mag an Pennas Vorliebe für Knaben als Sujet seiner Gedichte liegen, dass die öffentliche Rezeption seines Werks bisher nur zurückhaltend erfolgt, obwohl Penna als einer der bedeutenden italienischen Lyriker des 20. Jahrhunderts gilt.“ Auf Deutsch kann man ein bisschen was von ihm lesen, aber nur ausgewählte Texte. Ob der folgende dabei ist, weiß ich nicht – und entschuldige mich für das Fehlen einer Übersetzung, ich fühle mich zum Anfertigen einer solchen wenig berufen.

La mia poesia non sarà
un giuoco leggero
fatto con parole delicate
e malate
(sole chiaro di marzo
su foglie rabbrividenti
di platani di un verde troppo chiaro).
La mia poesia lancerà la sua forza
a perdersi nell‘infinito
(giuochi di un atleta bello
nel vespero lungo d‘estate).

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Szczęśliwego Nowego Roku! http://fructusdulces.blogsport.de/2018/01/15/szczesliwego-nowego-roku/ http://fructusdulces.blogsport.de/2018/01/15/szczesliwego-nowego-roku/#comments Mon, 15 Jan 2018 12:17:47 +0000 Fiammetta de Bornelh SpracheEtymologiePolnisch http://fructusdulces.blogsport.de/2018/01/15/szczesliwego-nowego-roku/ Der erste Monat des neuen Jahres ist bereits halb vorbei und es könnte für mich nach Abschluss eines größeren altfranzösischen Brockens wieder ein eher polnisches Jahr werden. Als ich neulich eigentlich auf CD-Jagd war, kam ich an einem Stand mit so Sprachlern-Abreißkalendern vorbei und bemerkte zu meiner großen Freude, dass auch welche für Polnisch dabei waren. Ich hätte gedacht, dass es so etwas für diese Sprache gar nicht gibt, weil es nicht so sehr viele Lernende gibt – vor Jahren hatte ich mal gesucht und nichts gefunden.
Nun bekomme ich also jeden Tag eine kleine Portion polskiego und gleich zu Beginn des Jahres habe ich wieder eine neue, lustige Lehnprägung kennengelernt: „Feuerwerk“ heißt auf Polnisch fajerwerki.
Schon vor einiger Zeit habe ich mir auch wieder polnische Liedtexte genauer angeschaut und da auch jeweils etwas Interessantes entdeckt.
Renata Przemyk beruft sich in Jakby nie miało być auf Heraklit: Mówią, że nie warto wchodzić / Do tej samej rzeki drugi raz (Sie sagen, es lohnt sich nicht / ein zweites Mal in den gleichen Fluss zu steigen).
Marek Grechuta besingt in Ocalić od zapomnienia „oczu twoich chmurność“, also wörtlich „die Wolkigkeit deiner Augen“. Chmurność bedeutet etwa „Melancholie“, chmura ist aber die Wolke. Aber nun gut, gibt es nicht auch eine „umwölkte Stirn“?

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Kleiner Nachtrag zum letzten Post http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/19/kleiner-nachtrag-zum-letzten-post/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/19/kleiner-nachtrag-zum-letzten-post/#comments Tue, 19 Dec 2017 12:44:46 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturAltfranzösischChrétien de TroyesFranzösischMittelalter http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/19/kleiner-nachtrag-zum-letzten-post/ … Ich hätte meinen letzten Text vielleicht nicht veröffentlichen sollen, ohne den Cligès bis zum Ende gelesen zu haben. Zwei kleine Dinge habe ich noch gefunden, die zum Thema Herzenstausch bzw. zum Thema „Städte nicht gegen das eigene Glück eintauschen wollen“ passen.
Gegen Ende des Romans nimmt Fenice ein Mittel, das sie scheintot macht, um ihrer Ehe mit Cligès‘ Onkel zu entkommen. Cligès holt sie wie vereinbart aus dem Grab, hält sie jedoch zunächst für tatsächlich tot und trauert um sie. In seiner Klage heißt es:

„Amie, donc sui je la mort
Qui vos ai morte, n‘est ce tort ?
Que ma vie vos ai tolue,
Et s‘ai la vostre retenue.
Donc n‘estoit moie, dolce amie,
Vostre santez et vostre vie,
Et dum n‘estoit vostre la moie ?
Car nule rien fors vos n‘amoie,
Une chose estions andui.
Or ai je fait ce que je dui !
Que vostre ame gart en mon cors,
Et la moie est del vostre fors,
Et l‘une a l‘autre, ou qu‘ele fust,
Compainnie faire deüst,
Ne riens nes deüst departir.“

(Vers 6171 ff. – Meine Freundin, bin ich also der Tod,
Der euch getötet hat, ist dies nicht unrecht?
Mein Leben habe ich euch genommen
Und das eure behalten.
Liebste Freundin, waren eure Gesundheit und euer Leben
Etwa nicht mein
Und war das meine nicht euer?
Denn ich habe niemanden als euch geliebt,
Wir beide waren eins.
Nun habe ich getan, was ich nicht hätte tun sollen!
Eure Seele behalte ich in meinem Körper
Und meine hat euren verlassen,
Dabei hätte doch eine der anderen, wo immer sie sei,
Gesellschaft leisten sollen
Und nichts hätte sie trennen sollen.

Übersetzung wie immer nach bestem Wissen und Gewissen von mir.)

Die Seelen und die Leben haben die beiden Liebenden also getauscht und Cligès glaubt, sein Leben und seine Seele seien mit Fenice gestorben. Sie lebt jedoch noch und erholt sich bald wieder. Ihr Geliebter freut sich in Vers 6250 ff. sehr darüber:

„S‘or fust Cligès duc d‘Aumarie
O de Maroc o de Tudele,
Nel prisast il une cenele
Envers la joie que il a.“

(Wenn Cligès nun Herzog von Almería
Oder von Marokko oder von Tudela wäre,
Wäre es ihm im Vergleich zu der Freude, die er hat,
Nicht einmal eine Mehlbeere wert.)

Hier werden Städte und Länder ein wenig durcheinandergewürfelt. Sowohl Almería als auch Tudela liegen im Süden von Spanien und waren einst maurisch, passend zu Marokko. Warum der Autor gerade an dieser Stelle gerade diesen Kulturkreis erwähnt, ist mir wie immer unklar.

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Wie die Rinde ohne Stamm http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/13/wie-die-rinde-ohne-stamm/ http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/13/wie-die-rinde-ohne-stamm/#comments Wed, 13 Dec 2017 12:23:17 +0000 Fiammetta de Bornelh LiteraturAltfranzösischChrétien de TroyesFranzösischMittelalter http://fructusdulces.blogsport.de/2017/12/13/wie-die-rinde-ohne-stamm/ In Bezug auf den Chevalier de la Charette von Chrétien de Troyes habe ich ja schon einmal von der Vorstellung gesprochen, dass sich das Herz eines Menschen vom Körper trennen und bei der geliebten Person aufhalten kann. Im Cligès des gleichen Autors, den ich ja gerade (na gut: immer noch) lese, zieht sich das Motiv durch weite Teile des Texts und erreicht an der Stelle, wo Cligès und Fenice einander endlich ihre Gefühle gestehen, sozusagen seinen Höhepunkt. Weil mich die Sache so interessiert, möchte ich meine Erkenntnisse hier festhalten.
Als Cligès und Fenice einander zum ersten Mal sehen, geschieht gleich etwas Auffälliges zwischen ihnen (nachzulesen in den Versen 2754-2808): Er schickt seine Augen und sein Herz zu ihr und sie tut dasselbe.

[…] Ses eulz et son cuer i a mis,
Et cil li ra li suen promis.
Promis ? Mais doné quitement !
Doné ? Non a, par foi, je ment,
Car nus son cuer doner ne puet,
Autrement dire le m‘estuet.

(2771 ff. – […] Ihre Augen und ihr Herz hat sie in ihn gelegt,
Und er hat ihr das seine versprochen.
Versprochen? Eher ganz und gar gegeben!
Gegeben? Das hat er sicher nicht, ich lüge,
Denn niemand kann sein Herz fortgeben,
Ich muss es anders sagen.)
(Hier und im Folgenden übersetzt von mir, so wie es mir gerade einfiel)

Es folgt eine theoretische Überlegung, wie denn zwei Herzen zusammenkommen können oder wie ein Herz an zwei Orten gleichzeitig sein kann, und die ist so verstiegen, dass ich ihr auch nicht ganz folgen kann.

In Vers 4288 ff. (Fenice ist nach Griechenland übergesiedelt und Cligès hat sich an den Artushof begeben) heißt es kurz:

[…] Mais ses cuers et ses esperiz
Est a Cligès, quel part qu‘il tort,
Ne ja ne quiert qu‘a lui retort
Ses cuers, se cil nel li raporte […]

([…] Aber ihr Herz und ihr Geist
Sind bei Cligès, wohin auch immer er geht,
Und sie wünscht sich nicht, dass ihr Herz
Zu ihr zurückkehrt, wenn er es ihr nicht bringt […])

In Vers 4398 ff. bezichtigt Fenice Cligès, ihr Herz gestohlen zu haben:

Morte sui quant celui ne voi,
Qui de mon cuer m‘a desrobee,
Tant m‘a losengiee et lobee.
Par sa lobe et par sa losenge,
Mes cuers de son hostel s‘estrange
Ne ne velt o moi remanoir,
Tant het mon estre et mon manoir.

(Ich bin tot, wenn ich denjenigen nicht sehe,
Der mir mein Herz gestohlen hat,
So sehr hat er mir geschmeichelt.
Durch seine Schmeicheleien
Entfernt sich mein Herz von seinem Wohnort
Und möchte nicht bei mir bleiben,
So sehr hasst es mich und meine Wohnung.)

Ab Vers 4428 entwirft Fenice ein Bild, in dem ihr Herz Diener und Cligès‘ Herz Herr ist. (Li suens est sire et li miens sers, 4440).

Ab Vers 5025 fragt sich Cligès, der sich auf dem Rückweg nach Griechenland befindet, ob wirklich ein Herzenstausch stattgefunden hat. Fenice hat seines, das steht fest, aber hat er auch ihres? N‘onques n‘i ot plait ni covent (5033), niemals hat es eine Übereinkunft oder ein Versprechen gegeben.

Alle Zweifel werden in der sehr poetischen Passage Vers 5114-5170 beseitigt. Cligès erklärt, er sei wohl in Britannien, sein Herz jedoch in Griechenland gewesen. Fenice wiederum war zwar in Griechenland, ihr Herz jedoch in Britannien, solange Cligès sich dort aufhielt. Daraus schließen nun die beiden jungen Leute, dass ihre beiden abgängigen Herzen sich jetzt mit ihnen im Raum befinden müssen, und gestehen einander endlich: Car li miens est vostre toz quites / – Ami, et vos ravez le mien (5168 f.: Denn das meine ist ganz und gar euer /- Freund, und ihr habt eurerseits das meine).
In dieser Passage sind mir noch zwei Dinge aufgefallen. Erst einmal wird das etwas merkwürdige Bild von Baumstamm und Rinde wiederaufgenommen, bei dessen erstem Auftauchen ich mich gewundert habe, was das heißen soll. An der Stelle, an der Cligès und Fenice einander zum ersten Mal sehen, wird die Schönheit des jungen Mannes beschrieben und es heißt: Cist ot le fust o tout l‘escorce (2742), er hatte den Stamm mit der ganzen Rinde. In Vers 5116 f. sagt Cligès nun: „Qu‘ausi come escorche sanz fust / Fu mes cors sanz cuer en Bretaigne“ (Denn so wie die Rinde ohne Stamm / War mein Körper ohne Herz in Britannien). Fenice antwortet in Vers 5140 f. „En moi n‘a rien fors que l‘escorce / Car sanz cuer vif et sanz cuer sui“ (In mir ist nichts als die Rinde / Denn ohne Herz lebe ich und ohne Herz bin ich“.
Und ich hatte doch schon einmal von der im Mittelalter offenbar beliebten Formulierung geschrieben, das eigene Liebesglück nicht gegen diese oder jene Stadt eintauschen zu wollen. Auch diese findet sich im Abschnitt des Geständnisses der gegenseitigen Liebe: Fenice sagt in Vers 5134 ff.

„[…] mes or me naist
Une joie et une plaisence
Por Pavie ne por Plaisence
Sachiez, ne la voldroie perdre“

([…] aber nun verspüre ich
Eine Freude und ein Vergnügen
Nicht gegen Pavia oder Piacenza
Möchte ich sie eintauschen, dessen seid gewiss“)

Wiederum frage ich mich: Warum gerade diese Städte? Pavia und Piacenza liegen nicht so weit voneinander entfernt, die eine gehört heute zur Lombardei, die andere zur Emilia-Romagna und der französische Name von Piacenza lädt natürlich zu Spielereien ein, aber sonst …?
Wahrscheinlich steckt in den zitierten und genannten Abschnitten noch viel mehr, das mir vielleicht in zehn Jahren beim dritten Lesen auffallen wird.

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