Archiv der Kategorie 'Literatur'

Wenn Chrétien Science Fiction geschrieben hätte

Ich lese immer noch zusammen mit jemand anderem den Cligès von Chrétien de Troyes, mittlerweile sind wir ungefähr in der Mitte angekommen. Unser Titelheld hat inzwischen Fenice kennengelernt, die ihm auf den ersten Blick ebenso gefallen hat wie er ihr. Die beiden sind die Auserwählten ihres jeweiligen Volks, das spüren sie und das bemerken auch alle anderen – wie zwei Sonnen erleuchten sie bei ihrer ersten Begegnung den großen Raum. Fenice weiß nicht recht, wie ihr geschieht, und vertraut sich ihrer zauberkundigen Amme Thessala an (Vers 3024 ff.): (mehr…)

Wovon Bücher sprechen

Vor ein paar Monaten habe ich mit Notre-Dame de Paris einen ziegelsteinigen, mir bisher unbekannten Klassiker gelesen und nun war Der Name der Rose von Umberto Eco dran. Ja, auf Deutsch – die Person, die mir das Buch ausgeliehen hat, kann selbst kein Italienisch. Die Übersetzung ist von Burkhart Kroeber (der Stammübersetzer dieses Autors, soweit ich weiß) und die Ausgabe, aus der ich im Folgenden zitieren werde, ist eine uralte von 1989 für die DDR.
Wir befinden uns in einer Abtei unter lauter bibliophilen Menschen, das hat mir gut gefallen – wenngleich auch nicht verschwiegen wird, welche Folgen übertriebene Liebe und Eifersucht haben können. Zwei Stellen möchte ich hier abtippen: (mehr…)

Ein lustiges und ein lehrreiches Zitat

Dass ich mich gerade durch den Cligès arbeite, haben inzwischen sicherlich alle Mitlesenden mitbekommen. Nun habe ich auch endlich mal das Vorwort zu meiner Ausgabe gelesen, in dem der Herausgeber Charles Méla erklärt, auf welchen überlieferten Handschriften sie basiert und wie übersetzt wurde. (mehr…)

Wie Stefania noch einmal mein Mittagessen rettete

Wie ich vor längerer Zeit schrieb, verdanke ich die Idee, mit Knoblauch in Olivenöl gebratene Zucchini zu Nudeln zu essen, dem Roman Ne parliamo a cena (wörtlich „Wir sprechen beim Abendessen darüber“, deutscher Titel „Nur nichts anbrennen lassen“) von Stefania Bertola. Heute hat mich genau dieses Buch noch einmal gerettet. (mehr…)

Die Stadt will ich nicht, die ist doof

Das artet hier echt in Bloggen über Chrétien de Troyes aus. Aber was soll’s.
Ich lese ja bekanntermaßen gerade zusammen mit jemand anderem den Cligès, eine Stelle hat mich an andere mittelalterliche Texte erinnert und ich habe diese tatsächlich in meinen Unterlagen aus der Studienzeit wiedergefunden (Ordentlichkeit und ein gutes Gedächtnis zahlen sich doch aus).
Es muss im 12. und 13. Jahrhundert irgendwie Mode gewesen sein, zu sagen, dass man sein Liebesglück gegen nichts würde eintauschen wollen, nicht einmal gegen die und die Stadt. (mehr…)