Deine Finger schreiben an den Himmel

Ich kenne da ein jiddisches und ein sephardisches Lied, deren Texte sich in einem Punkt ähneln.
In Oj dortn, dortn heißt es:

Oy, dayne oygelech, vi di shwartse karschelech
Oy, dayne lipelech, vi rosene papir
Un dayne fingerlech, vi tint un vi feyder
Oy, schraybn solstu ofte briv tsu mir (Quelle)

Übersetzung:
O deine Augen, wie schwarze Kirschen
O deine Lippen, wie rosa Papier
Und deine Finger, wie Tinte und wie Feder
O schreiben sollst du mir oft einen Brief (Quelle)

In Esta montanya d‘enfrente hören wir:

Sekretos kero deskuvrir,
Sekretos de mi vida,
El sielo kero por papel
La mar kero por tinta.
Los arvoles por pendolas,
Para ’skrivir mis males […] (Quelle: Booklet zu Yasmin Levys Album Romance & Yasmin)

Eigene Übersetzung:
Geheimnisse möchte ich offenbaren,
Geheimnisse meines Lebens,
Der Himmel soll mein Papier sein
Und das Meer meine Tinte.
Die Bäume sollen meine Federn sein,
Um meine Leiden aufzuschreiben […]

Gemeinsam ist den beiden Texten die Vorstellung, Dinge als Schreibgeräte nutzen zu können, die eigentlich keine sind – in einem Falle sind das Körperteile, im anderen Teile der Natur. Dabei frage ich mich bei dem jiddischen Text, was die Kirschen mit dem Folgenden zu tun haben sollen, und stelle mir bei dem sephardischen unwillkürlich vor, dass das Leid sehr groß sein muss, wenn der ganze Himmel benötigt wird, um es zu schildern.
Irgendwo habe ich schon einmal etwas Ähnliches gehört und wenn ich mich nicht irre, war das ein arabischer Text. Handelt es sich hier um ein häufiger auftretendes Motiv? Wenn jemand noch mehr Beispiele hat: her damit! Tippen in das Kommentarfeld reicht auch völlig aus, niemand muss Bäume ausreißen.


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