Wer übersetzt, hat wenigstens was zu lachen

Ich zähle die Tage bis zu meinem wohlverdienten Urlaub, serviere heute aber trotzdem mal wieder ein paar Anekdoten rund um meinen Beruf.
Schon vor einiger Zeit erschien dieser Artikel über die diesjährige beste Absolventin der Übersetzer- und Dolmetscherschule Köln. Was mir beim Lesen auffiel, ist die Tatsache, dass die junge Frau gar nicht als Übersetzerin arbeitet, sondern als Projektmanagerin in einer Übersetzungsagentur (zugegebenermaßen eine verwandte Tätigkeit). Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass die Absolvent_innen des Studiengangs Literaturübersetzen an der Uni Düsseldorf (war früher ein Diplom-Studiengang, der heute als Master weiter existiert) meistens als Lektor_innen in Verlagen und sowas in der Art arbeiten und selbst gar keine Literatur übersetzen. Ich frage mich, wie das kommt – da gibt es extra Studiengänge und Ausbildungen und als (freie) Übersetzer_innen arbeiten dann doch Leute aus der Romanistik etc.
Und apropos Arbeitsleben als Übersetzer_in. Eine Bekannte von mir hat sich damals, als wir uns kennenlernten, mir gegenüber als Fremdsprachenkorrespondentin bezeichnet, aber als wir jetzt eine neue Person kennenlernten und diese R. nach ihrem Beruf fragte, sagte sie, sie sei Übersetzerin (sie hat, wie ich weiß, in einem Energieunternehmen mit Texten in mehreren Sprachen zu tun). Interessant war, was F. darauf fragte: „Bist du da in einem Verlag angestellt?“ Ich bin in Gelächter ausgebrochen. Nicht nur, dass Menschen häufig beim Stichwort Übersetzen zunächst an literarische Übersetzungen denken, obwohl das übersetzte Volumen bei Fachtexten viel größer ist und viel mehr Personen in diesem Bereich tätig sind – bei Verlagen fest angestellte Übersetzer_innen gibt es überhaupt nicht und ich wäre davon ausgegangen, dass das der Allgemeinheit bewusst ist.
Zum Schluss mein gestriger Lacher des Tages: Ich übersetze derzeit Beschreibungen von Wanderwegen in einem großen Naturschutzgebiet aus dem Französischen – es sind sehr viele Wanderwege und es ist daher ein größeres Projekt. Gestern fiel mir keine gute Übersetzung für „sentier du patrimoine“ ein und ich gab den Begriff in der Hoffnung auf Inspiration bei linguee ein. Ich glaube, gleich der erste Treffer war irgendeine schlecht übersetzte Website, auf der es im Deutschen „Erbschaftspfad“ hieß. Das habe ich dann doch nicht genommen, sondern mich für „Geschichtslehrpfad“ entschieden.


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