Klappe halten

Ich habe die CSD-Saison hinter mich gebracht und mein Lesepartner hat jetzt auch wieder mehr Zeit, also haben wir uns wieder den Cligès geschnappt. Der Titelheld verhindert die Entführung seiner Angebeteten Fenice und nimmt sich jeden der zwölf Sachsen, die sie eskortieren, einzeln vor. Nur einer der Feinde überlebt diese Aktion und das auch nur, weil Cligès möchte, dass der Herzog von Sachsen von ihm erfährt, was geschehen ist. In dem Abschnitt ist mir was Bestimmtes aufgefallen: Es wird immer wieder betont, dass die Toten nicht mehr sprechen können. Da hätten wir „Si li tolt l‘ame et la parole“ (Vers 3682 – So nimmt er ihm die Seele und die Rede), „Mes ainz que mot dire li loise“ (Vers 3687 – Aber bevor er ihn ein Wort sagen lässt [tötet er ihn]) und „De cels nus ne se contretint / Que touz nes laist taisanz et muz“ (Vers 3694 f. – Von denen kann sich keiner behaupten / Er lässt sie alle schweigend und stumm zurück).
Das muss mit einer Passage zusammenhängen, die ich nicht richtig verstanden habe (und mein Mitleser auch nicht). Die Ausgangssituation ist so: Die zwölf, die Fenice begleiten, halten Cligès zunächst für ihren Herrn, den Herzog von Sachsen, weil er dessen Pferd erbeutet hat. Sie reiten auf ihn zu, um ihm stolz zu berichten, dass sie das Mädchen haben. Cligès töten den ersten, der zweite nähert sich und es heißt in Vers 3674 ff.:
Au secont fait une envaïe
Qui le cuidoit de son contraire
Noveles dire et joie faire,
Si com li premiers avoit fait
Mais Cligès n‘a cure de plait
Ne de sa parole escouter […]

Das heißt so ungefähr: Er stürzt auf den zweiten los, der ihm Neues berichten und mit dem erfreuen wollte, was ihn doch ärgert, so wie es schon der erste wollte. Aber Cligès kümmert sich nicht um seine Rede […].
Dem Autor muss die Rede und Botschaft in dieser Passage irgendwie besonders wichtig gewesen sein, zumal die Szene ja damit endet, dass Cligès den letzten Überlebenden nur deshalb verschont, damit dieser seinem Herrn von der Niederlage berichtet. Unwillkürlich musste ich auch an das „Und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte“ aus der Geschichte von Hiob in der Bibel denken, aber da denke ich vielleicht zu weit. Nee, so richtig verstehe ich es nicht.


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