Geträller in Kiew

Ich weiß ja auch nicht, wie es so weit kommen konnte – gestern Abend bzw. heute Nacht habe ich mir echt den gesamten ESC bis zur Verkündung des Siegers angeschaut. An sich interessiert mich diese Art von Musik zu wenig und außerdem bin ich von der Fraktion Lerche, d. h. es fällt mir schwer, so lange wach zu bleiben. Ich hatte mir aber im Vorfeld ein paar Videos von Teilnehmenden angeschaut und es reizte mich doch, mitzuerleben, wo die Stücke auf der Rangliste landen würden. Nun steht das Ergebnis fest und ich habe noch ein paar Kommentare. Hier findet ihr eine Playlist mit allen Titeln in der Reihenfolge ihrer Platzierung, klickt euch durch.
Erst einmal zu den Top 5:
Portugal hat für mich verdient gewonnen. Wer in der Sprache des vertretenen Landes singt, bekommt von mir ohnehin Bonuspunkte und das Lied hebt sich wirklich angenehm von den ganzen Krachern ab, die bei der Veranstaltung immer so vorgetragen werden. Wie der Sänger am Ende nochmal mit seiner Schwester und Komponistin im Duett gesungen hat, war wirklich rührend.
Bulgarien auf Platz zwei – ich weiß nicht, warum das Stück sich so weit oben platziert hat, es ist in meinen Ohren recht belanglos.
Moldau auf Platz drei – das Lied fand ich eher nervig, aber der Saxofonist (der ja offenbar seit Jahren berühmt ist) fetzt wirklich.
Belgien auf Platz vier – hat definitiv Ohrwurmqualitäten. Der Anfang erinnert mich sehr an Video Games von Lana del Rey, das vor ein paar Jahren so berühmt war (was ist aus der jungen Dame eigentlich geworden?) So eine tiefe Stimme in so jungen Jahren ist schon auffällig, aber einen sonderlich großen Tonumfang scheint die Sängerin nicht zu haben; wenn sie nach zwei Minuten eine Oktave höher steigt, hat sie ganz schön zu kämpfen.
Schweden auf Platz fünf – siehe Bulgarien, das Lied ist für mich nichts Besonderes.
Weiterhin meinen Senf ablassen möchte ich zu:
Italien auf Platz sechs – war ja einer der Favoriten für den Sieg und auch einer meiner persönlichen Favoriten, ich mag das Lied wirklich.
Ungarn auf Platz acht – dass ein Roma das Land vertreten hat, ist schon toll und passend zum Motto „Celebrate Diversity“. Ich persönlich finde den Gesang und die Geige etwas nervig und angesichts der Tänzerin auf der Bühne glaubte ich, Esmeralda aus Notre-Dame de Paris vor mir zu haben, so muss man sich die Schöne aus Hugos Roman wahrscheinlich vorstellen.
Niederlande auf Platz elf – drei Schwestern, die für ihre kranke Mutter singen, das ist doch ein schönes Beispiel für familiäre Liebe. Der mehrstimmige Gesang hat mir auch wirklich gut gefallen.
Frankreich auf Platz zwölf – schöne Melodie (da erinnert mich der Anfang wiederum an Lieder von Zaz, aber wirklich nur der Anfang) und dass man „aimes“ auf „requiem“ reimen kann, hätte ich auch nicht gedacht, aber mit dem e instable (so hat es ein muttersprachlicher Dozent von uns immer genannt) am Wortende ist man ja heute recht großzügig.
Kroatien auf Platz dreizehn – was die Belgierin an Stimmumfang nicht hat, hat der Sänger hier reichlich. Genauso wie zwischen den Lagen und den Stilen wird zwischen den Sprachen herumgesprungen; der tiefe Operngesang erklingt in der klassischen Opernsprache Italienisch. Finde ich sehr einfallsreich, aber das Lied ist insgesamt doch recht kitschig.
Weißrussland auf Platz siebzehn – hätte ich den Sieger bestimmen müssen, hätte ich zwischen dem Italiener und den beiden hier geschwankt. Ja wirklich, ich finde das Lied klasse, wobei das im Voraus aufgenommene Video etwas besser ist als die Liveversion.
Armenien auf Platz achtzehn – wäre bei mir weiter vorn gelandet, ist doch ein schönes Stück (und das Outfit der Sängerin gefällt mir auch).
Deutschland auf dem vorletzten Platz – so schlecht fand ich den Beitrag jetzt wirklich nicht, ein bisschen weiter oben hätte es schon sein können.
Noch jemand den Contest geguckt? Wen fandet ihr so gut?


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