Eine Übersetzerin liest Bücher und anderes

Ich lese ja bekanntlich ziemlich viele Bücher auf Italienisch und ziemlich selten deren deutsche Übersetzungen. In den Originaltexten finde ich immer irgendwelche interessanten neuen Wendungen und wenn ich mich dann mal dazu durchringen kann, die entsprechende Übersetzung zu lesen (falls überhaupt eine existiert), ist die auch interessant, entweder als Fundgrube für gute Ideen oder als Vorlage für Lästereien, je nachdem. Also, was habe ich in letzter Zeit so gelesen?
Im Original hatte ich vor ein paar Wochen einen eigentlich recht platten Liebesroman unter den Augen, aus dem ich aber ein paar Ausdrücke gelernt habe, die es zu der Zeit, als ich in Italien lebte, noch nicht gab bzw. sie waren noch nicht so wichtig. „Googeln“ heißt offensichtlich googolare und eine faccina (wörtlich „Gesichtchen“) muss sowas wie ein Emoji sein. Im gleichen Buch kam auch ständig x fa strada a y vor und ich habe mich gefragt, wie ich das übersetzen würde, wenn ich müsste. „X bahnt y einen Weg“ passt eher nicht, sofern die Geschichte nicht irgendwo im Dschungel spielt. X geht vor, y geht hinterher? X zeigt y den Weg? Im Grunde ist es eine ziemlich überflüssige Wendung und ich glaube, im Deutschen haben wir nichts Vergleichbares.
Vor einiger Zeit hatte ich mal in einem Wortsalat den Begriff trombonismo als Zutat verwendet, weil ich ihn lustig fand. In dem Buch, in dem er vorkommt, bezieht er sich auf ein junges Mädchen, deren Leben sich hauptsächlich darum dreht, permanent gegen irgendetwas zu protestieren, auf Demonstrationen zu gehen usw. Nun habe ich zur Zeit die deutsche Übersetzung des entsprechenden Romans bei mir zu liegen, weil ich sie einer Freundin schenken möchte, und habe ein wenig darin geblättert. „Moralpaukerei“ ist es, was eine gute Freundin der jungen Aktivistin unterstellt, und die Lösung finde ich nicht schlecht, weil ebenfalls ein Musikinstrument darin steckt. Was ich an der Übersetzung zu bemängeln habe, ist übrigens die Verwendung von „studieren“ an einer Stelle, an der im Original studiare steht – ein (anderes) junges Mädchen möchte nach der Mittelschule nicht weitermachen, non vuole studiare, und fängt eine Ausbildung an, aber nach der Mittelschule kommt noch nicht die Uni, sondern erst einmal die fünfjährige Oberschule. Studieren möchte sie wohl nicht, aber vor allem hat sie keine Lust zu lernen oder Bildung ist ihr nicht wichtig, so etwas in der Art hätte ich wohl geschrieben.
Ungelenke Übersetzungen findet man aber nicht nur in Büchern. Im Januar hatten ja Teile Italiens mit viel Schnee und dann auch noch mit Erdbeben zu kämpfen, es muss für die Betroffenen furchtbar gewesen sein. In einem deutschen Online-Artikel wird ein Bürgermeister mit den Worten „Die Leute sind terrorisiert“ zitiert. La gente è terrorizzata hat er wahrscheinlich gesagt. Im Italienischen kann man das sagen, im Deutschen meiner Meinung nach nicht. Menschen können andere terrorisieren, aber können Menschen auch terrorisiert sein? „Die Leute sind völlig in Panik“ wäre eine Möglichkeit gewesen.
Als nächstes werde ich endlich Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson lesen. Zum Glück kann ich kein Schwedisch. ;)


3 Antworten auf „Eine Übersetzerin liest Bücher und anderes“


  1. 1 trippmadam 12. Februar 2017 um 3:29 Uhr

    „Googolare“ ist schön. Ich muss mal schauen, wie das auf Spanisch heißt.

  2. 2 Cleaulem 01. März 2017 um 0:00 Uhr

    Oh, das ist aber schade, dass du kein Schwedisch kannst. Ich habe schon viele Bücher auf Schwedisch gelesen und finde es immer wieder schön. Ich mag es vor allem, wie im Schwedischen einige Sachen ausgedrückt werden. Manchmal muss ich bei bestimmten Ausdrücken auch ein bisschen schmunzeln. Andere Sprachen haben auch immer eine andere Herangehensweise an bestimmte Situationen, das hat auch immer ein bisschen was mit Mentalität zu tun. Das Schwedische wirkt für mich zum Beispiel in vielen Dingen pragmatischer, aber auch gleichzeitig offener als das Deutsche. Funfact: Das Personalpronomen für „Mensch“ ist im Schwedischen „hon“ (sie).

    Und googlen heißt auf Schwedisch „googla“.

  3. 3 Fiammetta de Bornelh 01. März 2017 um 8:48 Uhr

    Tja, man kann halt nicht alles können und die Sprachen Skandinaviens haben auf mich nie einen großen Reiz ausgeübt. Dafür habe ich ja vor vielen Jahren mit Polnisch angefangen und da waren einige Leute „entsetzt“, weil sie selbst slawische Sprachen nicht mochten. Ist wohl ungefähr so wie mit Lieblingsfarben.

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