Zurück nach Hongkong

Im November oder Dezember (wahrscheinlich eher November) habe ich mir die 1960er-Trilogie von Wong Kar-Wai (d. h. Days of being wild, In the mood for love und 2046) in der richtigen Reihenfolge und vollständig zu Gemüte geführt. Gestern habe ich aus einer Laune heraus Fallen Angels eingelegt, den ich noch nicht sehr oft gesehen hatte. Bei dem ganzen Geglotze haben sich noch ein paar neue Gedanken eingestellt.
Zunächst einmal zu der Frage, welche von den Filmen ich mehr mag und welche weniger: Ich hatte in Erinnerung, dass sowohl Days of being wild als auch Fallen Angels nicht sooo toll sind und im ersten Fall würde ich das immer noch sagen, jedoch nicht im zweiten. Da sind doch eine Menge schöne Details dabei. Allein der Spruch „Warum willst du ihn heiraten? Weil du einmal seine Stromrechnung bezahlt hast?“ ist Gold wert, ich warte jetzt auf eine Gelegenheit, ihn bringen zu können. Eine wunderbare Figur ist auch der stumme Taiwanese (die Namen der Figuren merke ich mir einfach oft nicht), der den Leuten so gern Eis, neue Frisuren und mehr aufdrängt. Er könnte glatt der verlorene Zwillingsbruder von Faye aus Chunking Express sein – irgendwo einbrechen tun sie ja beide gern und außerdem schaukelt er gegen Ende in der Imbissbude die großen Flaschen mit den Soßen auf die gleiche Weise in seinen Händen wie sie.
Was mir in den Filmen generell aufgefallen ist: Wie viel die Leute rauchen (sogar beim Zubereiten von Speisen oder beim Aufräumen), wie oft es regnet (hat der Regisseur das wegen der Wirkung so gemacht oder hat Hongkong einfach so ein Klima?) und wie heruntergekommen die Häuser und Wohnungen sind. Vielleicht qualmen die Figuren ja deshalb so viel, weil es überall nach Schimmel riecht und sie den Zigarettenrauch angenehmer finden, wer weiß.
Was die 60er-Trilogie angeht, bin ich der Meinung, dass die ganze Geschichte um die von Gong Li gespielte professionelle Spielerin viel besser in In the mood for love als in 2046 gepasst hätte. Im letzten Film der Trilogie, in dem sie letztendlich gelandet ist, nimmt sie sich doch etwas fremd aus. Was ich über diesen letzten Teil, der einer meiner Lieblingsfilme überhaupt ist, jetzt nach nochmaligem Gucken sagen würde, wenn mich jemand fragte, worum es da geht: um Resignation und Verzicht. Und die Figur des Chow Mo-Wan reift im Laufe des Films, er ist am Ende nicht mehr so leichtfertig.
Kennt von denjenigen, die hier mitlesen, überhaupt jemand die Filme von WKW oder mag sie gar?


2 Antworten auf „Zurück nach Hongkong“


  1. 1 trippmadam 04. Januar 2017 um 6:27 Uhr

    Ich habe nur einen Film von ihm gesehen und weiß nicht mehr, welcher es war. Ich erinnere mich an Dunkelheit, Regen, Gong Li und ja, Zigarettenrauch. Außerdem erinnere ich mich dunkel an eine Rezension, deren Autor irgendetwas über die Bedeutung des Rauchens in den Filmen sagte, aber ich bringe es nicht mehr zusammen.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 04. Januar 2017 um 9:10 Uhr

    Wenn Gong Li mitgespielt hat, kann es nur „2046″ gewesen sein – es sei denn, sie war auch in einem der beiden frühen Filme mit von der Partie, die ich noch nicht gesehen habe, das wären „As tears go by“ und „Ashes of time“. „2046″ ist der mit den Androiden im Zug.

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