Bleiben oder gehen?

Es ist Advent, an meinen Ohren baumeln wieder die Lebkuchen-Ohrringe und Plätzchen habe ich auch schon gebacken. Da man aber bekanntlich von Süßem allein nicht leben kann, gibt es heute mal wieder einen schönen herzhaften Wortsalat. ;)
In einem französischen Internetforum las ich neulich das schöne Substantiv internaufragé. Gerade habe ich es probeweise im französischen Google eingegeben, keine Treffer, also hat der Schreiber es wohl selbst erfunden. Ein internaute ist eine Person, die im Internet surft, ein naufragé ist jemand, der Schiffbruch erlitten hat. Mit dem internaufragé war eine Person gemeint, die fiese Kommentare abließ, ohne recht verstanden zu haben, worum es überhaupt ging. Ich finde, so ein Wort braucht man.
Ich meinerseits hätte an einer bestimmten Stelle im Cligès ohne Wörterbuch Schiffbruch erlitten. Die Situation: Alixandre ist mit ein paar treuen Gefährten dem Feind nachgeschlichen und hat ihn in dessen Festung überrascht und besiegt. Seine Waffenbrüder und auch die ihn heimlich anschmachtende Soredamor glauben, er sei gestorben, plötzlich taucht er aber wieder auf (d. h. er schickt erst einmal seine Gefangenen vor, die sich dem König ergeben) und das allgemeine Jammern und Klagen schlägt in Freude um. In Vers 2171 f. heißt es „N‘en i a nul joie ne maint. / Por la joie li deus remaint“. Was ist da los, wegen der Freude bleibt der Schmerz? Ich dachte da gleich an das italienische rimanere. Remanoir kann tatsächlich „bleiben“ bedeuten, aber auch das Gegenteil, also „aufhören, enden“. Leuchtet mir absolut nicht ein.
Ich hatte mir nie Gedanken gemacht, woher das deutsche Wort Floskel kommt, aber nun weiß ich es (weil jemand in einem Vortrag nebenbei die Etymologie erklärt hat): Zugrunde liegt das lateinische flosculus, also „Blümchen“. Das finde ich irgendwie sehr niedlich.
Niedlich klingt auch der Lästling, ist es aber nicht. Ich habe das Wort aus einem Artikel über Schädlingsbekämpfung gelernt und es gibt eben nicht nur schädliche Tierchen und Tiere, sondern auch solche, die nichts zerstören oder verderben, aber nerven.
Möget ihr, falls ihr auch Plätzchen backen wollt, in eurem Mehl keine Motten finden!


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