Lässt du wohl die Kekse liegen

Mir war nicht klar, dass so vieles in L‘Œuvre von Émile Zola autobiographisch ist. Wir mussten das Buch damals an der französischen Uni lesen, ich habe es danach noch ein paarmal gelesen, weil es ziemlich cool ist. Nun also dieser Film, Cézanne et moi, und ich bin bzgl. der Hintergründe ein Stück schlauer. Das Grundtthema – lebenslange, schwierige Freundschaft zwischen zwei gleichaltrigen Menschen des gleichen Geschlechts – hat mich irgendwie an die Tetralogie von Elena Ferrante erinnert; ja genau, die Autorin, die derzeit in aller Munde ist, da nun bekannt ist, wie sie tatsächlich heißt. Vergesst darüber ihre Werke nicht, liebe Leute. Aber zurück zum Film. Bei der Frage „Inwiefern darf man das Schicksal nahestehender Menschen literarisch ausschlachten?“ musste ich auch an Thomas Mann denken, der hat das ja gern so gemacht.
Die Klamotten waren mal wieder toll. Filme, die in anderen Zeiten und/oder in anderen Kulturräumen spielen, könnte ich mir schon allein deswegen anschauen, ich gebe es zu. Auf der textilen Ebene besteht eine gewisse Nähe zu Die geliebten Schwestern, wobei das ja noch früher spielt. Eine Picknickszene gibt es da aber auch.
Die Umgebung von Aix-en-Provence muss ja wirklich traumhaft schön sein. Ich war da noch nicht, mein provencigstes Erlebnis war bisher Avignon und ein bisschen drumrum.
Der beste Spruch: Cézanne malt Zolas Frau Alexandrine (mit der er einst selbst was hatte), sie muss vor einem draußen gedeckten Tisch stehen und so tun, als gieße sie aus einer Kanne etwas in eine Tasse. Sie langweilt sich, zappelt rum und schnappt sich einen der Kekse vom Tisch. Da sagt er: „Bouffe pas ma nature morte !“ (oder so ähnlich), also „Nicht mein Stillleben mampfen!“


2 Antworten auf „Lässt du wohl die Kekse liegen“


  1. 1 Gerd Duerner 18. Oktober 2016 um 15:33 Uhr

    „natur morte“?
    Heisst „morte“ nicht „tod“? Wenn ich das ganze jetzt mal eben so von „Mort d‘Arthur“ herleite.
    Heisst das Stilleben im Französischen demnach wenn es man es 1:1 Übersetzt „Tote Natur“?

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 18. Oktober 2016 um 17:58 Uhr

    So ist es, ein Stillleben ist im Französischen eine „tote Natur“. Was tot ist, zappelt wenigstens nicht herum. ;)

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