Mit Feuer und Flamme

Wieder da und momentan keine Inspiration für irgendwelche längeren, tiefgründigen Artikel. Aber ich entdecke Chrétien de Troyes neu bzw. lerne sein Werk besser kennen.
Nach längerer Suche habe ich jemanden gefunden, der ebenfalls Lust auf altfranzösische Textlektüre hat, und nun arbeiten wir uns zusammen durch den Cligès. Inzwischen haben wir die ersten tausend Verse geschafft.
Mir ist früher nie aufgefallen, wie sehr der Autor Formulierungen wie „tant a a dire et a retraire“ liebt (Vers 829 – „so viel gibt es zu sagen und zu erzählen“, war das erste Beispiel, das ich beim Durchblättern gefunden habe). Was ist das eigentlich, ein Hendiadyoin?
Handlung gab es bis jetzt nicht so viel, dafür viel Gejammer der beiden Liebenden Alixandre und Soredamor (Spoiler: Diese beiden werden später die Eltern des Titelhelden Cligès). Mein Lesepartner fand das etwas nervig und natürlich stellen sich die zwei reichlich albern an, aber in ihren endlosen Ausführungen finden sich doch ein paar schöne Formulierungen – zum Beispiel:
„Adés croist lor amors et monte,
Mes li uns a de l‘autre honte,
Si se ceile et cuevre chascuns
Que il n‘en pert flambe ne funs
Dou charbon qui est souz la cendre.
Por ce n‘est pas la chalors mendre,
Einçois dure la chalors plus
Desouz la cendre que desus.“

(Verse 601-608 – Versuch einer Übersetzung:
„Unaufhörlich wächst ihre Liebe und wird stärker,
Aber einer schämt sich vor dem anderen,
So versteckt und verbirgt sich ein jeder,
Sodass weder Flamme noch Rauch zu sehen ist
Von der Kohle, die sich unter der Asche befindet.
[Doch] deswegen ist die Hitze nicht geringer,
Im Gegenteil, länger hält die Hitze
Unter der Asche als darüber.“


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