Klappernde Ikonen

Unter dem bleigrauen Himmel sitze ich und serviere euch ein paar neue interessante Wörtchen.
Ein Artikel von Hiltibold hat mir erklärt, warum der Kandidat so heißt: Die zur Wahl Stehenden trugen eine toga candida, eine schneeweiße Toga, an der man sie erkennen konnte.
Das Wort Brisanz kannte ich bisher immer nur im Zusammenhang mit Politik, das Thema gewinnt an Brisanz und so. Nun habe ich neulich wieder einmal ein Sicherheitsdatenblatt aus dem Italienischen übersetzt und dabei gelernt, dass man fachsprachlich die Explosivität eines Stoffs oder Gemischs so bezeichnet. Was ich mich jetzt frage: Hat das etwas mit dem französischen briser zu tun? Wenn etwas explodiert, geht es ja in Stücke.
Ebenfalls beim Übersetzen hatte ich immer Probleme mit dem französischen Adjektiv iconique bzw. mit dem Gebrauch von ikonisch im Deutschen, ich habe nie verstanden, was damit eigentlich gemeint ist. Nun fand ich neulich im Spiegel (32/2016) eine Glosse mit dem Titel Ein Wort im Maisfeld, die einiges erklärt: Im Deutschen bedeutet ikonisch „in der Art der Ikonen“ oder „bildhaft, anschaulich“, im Englischen kann iconic so etwas wie „kultig“ heißen. Wir haben es also mit einer Lehnbedeutung zu tun und wenn ich wieder einmal nicht verstehe, warum ein Wort in einer Sprache so gebraucht wird, werde ich nachschauen, ob es auch im Englischen existiert und was es bedeutet.
Aus meinem jüngsten Aufenthalt in Slowenien habe ich ein lustiges Wort mitgebracht: klopotec. So heißen laut klappernde Windräder, die in Weingärten stehen, um die Vögel zu verscheuchen. Mir wurde erklärt, dass klopotati genau das bedeutet, was ihr jetzt denkt, nämlich „klappern“. Ich möchte so ein Ding nicht ständig in Hörweite haben, sie sind doch ganz schön laut. Aber der Wein war gut.


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