Manche dürfen nicht, andere wollen nicht

Neulich hat Carmilla auf einen ungünstigen Gebrauch des Wortes „asexuell“ in einem Zeitungsartikel verwiesen, heute habe ich auch was.
Der betreffende Satz findet sich in der Ausgabe für den Juni und Juli von Indiekino Berlin, dem Magazin der unabhängigen Berliner Lichtspielhäuser (dessen Existenz mich ansonsten mit Freude erfüllt, zumal es kostenlos ist). Genauer gesagt steht er auf Seite 29, in der Kritik zu Sworn Virgin, einem Film, der das Phänomen der „eingeschworenen Jungfrauen“ (ich habe auch schon „Schwurjungfrau“ und auf Französisch „vierge sous serment“ gelesen) in Albanien behandelt.
Es heißt da: „SWORN VIRGIN erzählt die Geschichte von Hana/Mark, die/der hofft, in der erzwungenen Asexualität Freiheit zu finden.“ Hier ist Asexualität ganz offensichtlich nicht im Sinne von „kein Empfinden von sexueller Anziehung“ zu verstehen, wahrscheinlich wäre das Wort „Enthaltsamkeit“ oder „Abstinenz“ angebracht gewesen, denn der Satz davor lautet „Als ‚eingeschworene Jungfrau‘ kann eine Frau leben wie ein Mann, allerdings muss sie unter Todesandrohung auf sexuelle Beziehungen verzichten.“ „Asexualität“ und „verzichten“ auf engem Raum vertragen sich nicht, man trifft sie allerdings gelegentlich zusammen an, einander aus dem Augenwinkel finstere Blicke zuwerfend.


2 Antworten auf „Manche dürfen nicht, andere wollen nicht“


  1. 1 Gerd D. 14. Juni 2016 um 7:23 Uhr

    „Als ‚eingeschworene Jungfrau‘ kann eine Frau leben wie ein Mann, allerdings muss sie unter Todesandrohung auf sexuelle Beziehungen verzichten.“

    Ohne jetzt das Ganze politisieren zu wollen, aber der Satz ist ja mal ein Parade Beispiel für ein Oxymoron – oder?
    Denn es steht sicherlich außer Frage das Männer Sex haben dürfen ohne Todesandrohung… ansonsten erinnert mich das an das Prinzip der Römischen Vestalinen, denen wohl auch der Tod drohte sobald ihnen ihre Unschuld genommen wurde.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 14. Juni 2016 um 9:21 Uhr

    Das ist halt eine (mittellange) Filmrezension und keine Abhandlung über das Phänomen der Schwurjungfrauen an sich. Soweit ich mich erinnere, werden diese Frauen nach ihrem Schwur als Männer angesprochen und behandelt, machen alles, was sonst Männer machen, dürfen aber weder einen Partner noch eine Partnerin haben.

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