Rom, Mailand und Paris

Meine bevorzugte Bibliothek habe ich ja schon öfter gepriesen, weil es dort so viele französische und italienische Bücher im Original gibt und auch Neuerscheinungen relativ schnell ihren Weg dorthin finden. In den letzten Monaten habe ich einige interessante Druckwerke entdeckt…
Von Francesco Piccolo fiel mir zunächst Momenti di trascurabile infelicità in die Hände. Wollte man den Titel wörtlich übersetzen, käme so etwas wie „Momente unerheblichen Unglücklichseins“ heraus; das Buch ist eine Sammlung von Situationen, die den Autor unglücklich machen oder irgendwann unglücklich gemacht haben, teilweise sind es nur einzelne Sätze, teilweise längere Episoden von mehreren Seiten. Nachdem ich im Internet gelesen hatte, dass einige Jahre zuvor das Gegenstück Momenti di trascurabile felicità erschienen war, wollte ich das auch gern lesen und fand es in meiner Bibliothek auch, allerdings nur auf Deutsch, unter dem Titel Von Glücksmomenten (übersetzt von der inzwischen verstorbenen Birte Völker). Ich habe beide Bände gemocht, auch wenn es etwas verwirrend war, sie in zwei verschiedenen Sprachen zu lesen und ich mich in Rom nicht auskenne, wo sich viele der Episoden abspielen.
Noch ein Francesco: Francesco Recami. Auch von ihm habe ich zunächst eine Sammlung von Erzählungen gelesen, Piccola enciclopedia delle ossessioni. Da mir sein fieser Ton gefiel, wollte ich mehr und kenne inzwischen schon zwei seiner Romane, Il segreto di Angela und Gli scheletri nell‘armadio. Die Hauptpersonen sind die gleichen, die Bewohner eines bestimmten Hauses in Mailand, und es gibt noch mindestens ein weiteres Buch, das zu dieser Reihe gehört. Es handelt sich um haarsträubende Kriminalgeschichten mit überraschenden Wendungen und an Boshaftigkeit mangelt es auch in diesen Büchern nicht. Ins Deutsche scheint der Autor bisher nicht übersetzt zu sein – ich würde sagen, die des Italienischen nicht Mächtigen verpassen was.
Insgesamt lese ich weniger französische als italienische und deutsche Bücher, aber ab und zu kommt es schon vor. Gerade habe ich Re-vive l‘Empereur von Romain Puértolas in der Mache, was mir eine Art französische Antwort auf Er ist wieder da zu sein scheint – in diesem Falle ist „er“ Napoleon, der ebenfalls von den Toten aufersteht und feststellt, dass im heutigen Frankreich einiges schiefläuft. Er sucht den Präsidenten auf, um ihm einen Plan zur Bekämpfung des islamistischen Terrors zu unterbreiten, weiter bin ich aber noch nicht. Davor habe ich vom gleichen Autor La petite fille qui avait avalé un nuage grand comme la tour Eiffel gelesen – fantastisch, lustig und rührend. Monsieur Puértolas scheint in Deutschland nicht ganz unbekannt zu sein, vielleicht kennen ihn einige meiner Leser_innen schon länger als ich.
Nun muss ich aber zurück nach Paris, um zu erfahren, wie es mit Napoleon weitergeht!


2 Antworten auf „Rom, Mailand und Paris“


  1. 1 Gerd D. 20. April 2016 um 11:57 Uhr

    Dann wären die „Momenti di trascurabile felicità“ also eigentlich viel mehr „Momente unerheblichen Glücks/Glücklichseins“?
    Der Titel gefiele mir spontan besser als das deutsche „Von Glücksmomenten“ – klingt witziger, und auch sich selbst weniger ernstnehmend.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 20. April 2016 um 13:05 Uhr

    Ja, das siehst du richtig.
    „Trascurare“ ist „vernachlässigen“, „trascurabile“ ist etwas, das man vernachlässigen kann – „unerheblich“ finde ich als Übersetzung ganz passend. Meine Variante wäre einem Verlag als Titel aber sicherlich zu sperrig und „Glücksmoment“ ist eben ein geläufiges deutsches Wort, daher ist es schon nachvollziehbar, dass das Buch so genannt wurde.

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