Manche Sprachen sind schon harte Nüsse

Holt Essig und Öl, es gibt Wortsalat!
Mit Essig und Öl wurde jedenfalls bei meiner italienischen Gastfamilie der Salat zubereitet, für mich war es immer zu viel Essig und meine Lippen brannten. Aber ich lernte durchaus auch Positives kennen, z. B. Aldo, Giovanni und Giacomo. Von dem Trio habe ich hier ja schon mindestens einmal erzählt und vor einiger Zeit sah ich ein Video von ihnen, in dem entweder Giovanni oder Giacomo (beide aus Mailand) den Quoten-Sizilianer Aldo als diversamente lombardo bezeichnet. Ich fand das sehr lustig und sprachlich interessant; „diversamente abile“ ist heute der politisch korrekte Ausdruck für einen Menschen mit Behinderung, in Italien machen sich aber manche Leute darüber lustig und irgendwann las ich mal die Frage, ob man einen Schwulen jetzt als „diversamente etero“ bezeichnen müsse. Wer weiß, wie viele Neuschöpfungen mit „diversamente xyz“ es noch gibt.
Schön fand ich auch das Wort pressappochismo, das mir in einem Artikel begegnete und das noch nicht kannte. Es bedeutet etwa „Oberflächlichkeit, Schlamperei“ und kommt von „pressappoco“ (sind drei Wörter in einem, man kann auch press‘a poco schreiben) – „ungefähr, halbwegs, annäherungsweise“. Als Substantiv mit dem Suffix -ismo, das unserem -ismus entspricht, sieht es für meine Augen sehr witzig aus.
In letzter Zeit sind mir auch wieder zwei Wörter französischer Herkunft in Sprachen aufgefallen, von denen ich bereits wusste, dass sie einiges aus der Sprache Molières entlehnt haben: karnet im Polnischen und makyaj im Türkischen. Ersteres kommt von „carnet“, das ein Heft oder Büchlein bezeichnet, ein Zehnerpack Fahrkarten (in Lyon waren es damals zehn) heißt aber auch so. An der Polnischschule, die ich manchmal besuche, gibt es neben den wöchentlich stattfindenden Sprachkursen auch noch Veranstaltungsreihen am Samstag, man kann nur zu einem Termin hingehen und einen bestimmten Preis dafür bezahlen, oder eben alle mit einem Mal buchen und dadurch insgesamt weniger bezahlen. Wie wenn man einen Zehnerpack Fahrkarten kauft eben. Zweiteres entspricht dem französischen „maquillage“, „Schminke“ und wahrscheinlich gibt die Schreibung im Türkischen genau die Aussprache wieder.
Direkt im Französischen bin ich auf das Wörtchen titine gestoßen, das ist ein Kosename für ein Auto, so à la „mein liebes Töfftöff“. „Bagnole“ kannte ich schon, das geht aber wohl eher in Richtung „Karre“.
Zum Schluss noch ein Witz, den mir eine Spanisch und Katalanisch übersetzende Kollegin erzählte. Ein Spanier sagt zu einem Katalanen: „Wenn ihr redet, klingt es wie wenn man Nüsse knackt.“ Der Katalane antwortet: „No crec“ (Glaube ich nicht).


2 Antworten auf „Manche Sprachen sind schon harte Nüsse“


  1. 1 Francesca 27. April 2016 um 19:25 Uhr

    Danke, das war sehr unterhaltsam zu lesen! Ich lerne zur Zeit Italienisch und das mit „diversamente …“ kannte ich noch nicht.
    Im Türkischen gibt es übrigens viele Lehnwörter, aus dem Persisichen, Arabischen, Französischen… besonders schön fand ich immer die aus dem Französischen – kuaför, zum Beispiel. Auch schön: boyskavt. Und natürlich aysberg.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 27. April 2016 um 19:31 Uhr

    Freut mich, wenn ich wie Horaz sagt „prodesse et delectare“ konnte.
    Türkisch kann ich gar nicht, auch wenn ich in einer Gegend mit vielen türkischen Mitbürger_innen und Geschäften lebe. „Makyaj“ las ich im Vorbeigehen an einem Schönheitssalon und konnte mir gleich denken, was das heißt.

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