Mir ist beim Kämmen die Kerze in die Butter gefallen

So, nachdem an meiner Umfrage umwerfende 10 Personen teilgenommen hatten, habe ich sie jetzt deaktiviert. 80% der Teilnehmenden war weder ante litteram noch avant la lettre geläufig, woraus ich schließe, dass ich möglichst wenig klangvolle Fremdwörter benutzen sollte, wenn ich von meinen Leser_innen verstanden werden möchte.
Mit dem Raussieben des Fremden ist es aber gar nicht so einfach. Ich hatte ja schon einmal auf diesen Artikel verwiesen und angedeutet, dass ich ein ähnliches Problem habe, allerdings mit Italienisch und Französisch (mit anderen Sprachen eher selten). Bestimmte Redensarten, die es im Deutschen gar nicht gibt, hört man von mir gern mal…
Wenn etwas unverhältnismäßig aufwändig ist, scheint mir kein Satz passender als „Das Spiel ist der Kerze nicht wert.“ Das heißt auf Französisch le jeu ne vaut pas la chandelle und bedeutet eben das, das Ergebnis ist nicht so toll oder so wichtig, dass man sich dafür so anstrengen muss.
Ebenfalls aus dem Französischen habe ich die Umschreibung il_elle veut le beurre et l‘argent du beurre. Wenn jemand die Butter und das Geld für die Butter will, will sier zwei Dinge, die einander ausschließen oder verlangt generell zu viel.
Daraus können sich Konflikte ergeben, Konflikte können sich anstauen und wenn man sich ihnen schließlich stellen muss, sind die Knoten zum Kamm gekommen. Das sagt man jedenfalls in Italien, i nodi sono venuti al pettine.
Neulich habe ich überlegt, wie brouillon auf Deutsch heißt und es ist mir noch immer nicht eingefallen, bzw. was in den Wörterbüchern steht, befriedigt mich nicht. Ich glaube, es ist so etwas wie eine brutta copia. Ohne insomma und anzi komme ich beim Sprechen sowieso nicht aus und ich hätte in meiner Sprache auch gern einen Konditional, kann ich den irgendwo einfordern?
Sì, vorrei un condizionale anch‘io!


2 Antworten auf „Mir ist beim Kämmen die Kerze in die Butter gefallen“


  1. 1 trippmadam 17. Februar 2016 um 10:07 Uhr

    Ich erinnere mich an eine Dozentin, die mit todernster Miene sprach: „The jumping point is…“ und sich köstlich über die Mienen ihrer Zuhörer amüsierte.

    Meine spanische Kollegin und ich sagen z.B. „Cúenteselo a su abuela“ (Das können Sie Ihrer Großmutter erzählen), „la historia del caballo muerto“ (die Geschichte vom toten Pferd) oder „das kostet mich eine Niere!“ (me cuesta un riñon), wenn etwas sehr teuer ist. Auch beliebt: „Das interessiert mich nicht die Paprika“ (me importa un pimiento) oder „geh dahin, wo der Thymian wächst“ (vete al tomillo).

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 17. Februar 2016 um 10:17 Uhr

    Oh, eine Niere ist schon ein hoher Preis. Ein Auge aber auch und zwar eins aus dem Kopf (nicht etwa ein Hühnerauge ;) ): „mi costa un occhio dalla testa“ kann man auf Italienisch sagen.
    Ist eine Paprika weniger wert als eine trockene Feige? Ich kenne „non mi importa un fico secco“.

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