Es begann im Kaufhaus

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich Carol von Patricia Highsmith schon habe. Ich habe den ersten Roman mit glücklichem Ausgang über ein lesbisches Paar immer gemocht und als ich vor Monaten erfuhr, dass eine Verfilmung in die Kinos kommen würde, war ich sehr gespannt. Nun habe ich mir das Werk angeschaut…
Es hat sich gelohnt. Filme, die in anderen Zeiten spielen, schaue ich mir immer gern an, weil mich die Klamotten interessieren und hier wurde auf die Ausstattung sehr viel Sorgfalt verwandt. Carols Handschuhe, die auf Thereses Tresen vergessen werden und so als Vorwand für die Kontaktaufnahme dienen, sind später noch einmal deutlich zu sehen. In einer der Hotelszenen habe ich mich gefragt, ob ein Plattenspieler im Zimmer damals das war, was WLAN heute ist.
Cate Blanchett ist eine geheimnisvolle, verführerische Carol – im Kino wurde ab und zu gekichert, weil sie ziemlich schnell ziemlich deutlich macht, was sie will. Bei der mir bisher unbekannten Rooney Mara, die ihr als Therese verfällt, finde ich, dass sie Audrey Tatou ähnlich sieht. Noch stärker als im Buch wird deutlich, dass sich die beiden Frauen nicht auf Augenhöhe begegnen. Carol ist älter und hat schon mehr erlebt, außerdem steht sie sozial höher und hat mehr Geld. Einerseits die bessere Ausgangsposition, andererseits hat sie auch mehr zu verlieren (wobei ihr schwächster Punkt, der sie erpressbar macht, ihre Tochter ist). Sie ist weltgewandter und zeigt ihre Gefühle längst nicht so deutlich wie Therese, die sich schon in der ersten Szene – erst später wird aufgelöst, wie wichtig dieser Moment für ihre Beziehung ist – ihrer Geliebten förmlich entgegenstreckt, den Blick nicht von ihr wendet und Berührungen so lange wie möglich andauern lassen möchte. Die gleichwertige Gesprächspartnerin für Carol ist Abby, ihre langjährige Vertraute, mit der sie offenbar ihr erstes gleichgeschlechtliches Erlebnis hatte und auf die ich an Thereses Stelle auch eifersüchtig wäre.
Ja, viele Unterschiede, aber auch deutliche Gemeinsamkeiten. In einer Szene wird die eine von einem Mann bedrängt, der Anspruch auf sie erhebt, in der folgenden Szene passiert es der nächsten. Gemeinsam ist ihnen aber eben auch die Furchtlosigkeit – „Ich habe keine Angst“ sagen beide in unterschiedlichen Situationen und weil das so ist, wird ein glückliches Ende möglich.
Aufgefallen ist mir das Frauenpaar in der Szene, in der Therese die Platte für Carol kauft. Unsere Protagonistinnen wähnen sich vielleicht allein, aber sie sind es nicht.
Sehenswerter Film, nicht nur für Frauen, die Frauen lieben.


1 Antwort auf „Es begann im Kaufhaus“


  1. 1 Carmilla DeWinter 07. Januar 2016 um 23:32 Uhr

    Etwas verspätet: Danke für den Tipp.

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