Dreimal kurz

Ich habe in letzter Zeit einiges Interessante gesehen und gelesen und kann mich nicht recht entscheiden, auf was davon ich in einer ausführlichen Rezension eingehen soll. Da ich auf einem anderen Blog schon einmal Kurzrezensionen gesehen habe, versuche ich das heute auch mal.
Gesehen habe ich am vergangenen Wochenende im Kino He named me Malala (deutscher Titel Malala – ihr Recht auf Bildung). Protagonistin des Dokumentarfilms ist die heute 18-jährige Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai aus Pakistan, die mit ihrer Familie in England lebt, seit sie 2012 ein Attentat der Taliban nur knapp überlebte (ihr Gesicht ist heute teilweise gelähmt und auf einem Ohr hört sie nichts mehr). Wir erleben sie bei Auftritten und Terminen auf der ganzen Welt, sehen sie aber auch zuhause und in der Schule. Mich hat ihre Persönlichkeit sehr beeindruckt, ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind unglaublich. Zu sehen, wie nahe sie und ihr Vater sich stehen, ist rührend. Der Film handelt auch von der Macht, die dem Wort innewohnt.
Bleiben wir bei der Jugend: Ebenfalls vor ein paar Tagen habe ich von einer der Bücherbänke in meiner Nähe ein Werk von Gudrun Pausewang mitgenommen, an die ich mich aus meiner Kindheit noch erinnern kann; es trägt den Titel Das Tor zum Garten der Zambranos und erschien erstmals 1988. Die Geschichte spielt in einer größeren Stadt irgendwo in Lateinamerika (nicht Argentinien und nicht Uruguay, da Buenos Aires und Montevideo als Städte im Ausland genannt werden), die Hauptperson ist Simon, genannt Angelito, der seit dem Tod seiner Mutter wie viele andere Kinder auf der Straße lebt. Durch einen Zufall wird er in die Welt der Reichen katapultiert, die sich geschützt von Zäunen, Wächtern und scharfen Hunden abschotten, und bekommt einen neuen Bruder. Nach einiger Zeit wird er jedoch wieder herabstürzen und nach noch mehr Zeit auch von seinem brüderlichen Freund Gregorio vergessen werden; das Ganze endet in Verbitterung. Mir gefiel an dem Buch, dass auch die Armen nicht nur positiv und selbstlos dargestellt werden, dagegen vergingen mir die letzten paar Jahre der erzählten Zeit etwas zu schnell, überhaupt hätte das Ganze noch länger und ausführlicher sein können, aber es ist eben ein Jugendbuch.
Mit Anfang 20 schon ein wenig älter ist Daniel, der Ich-Erzähler in Das mit uns von Fabian Kaden (Hamburg, 2012). Es war, glaube ich, mein erstes von einem Mann geschriebenes „schwules“ Buch – Werke wie Splendore/Herrlichkeit von Margaret Mazzantini fallen doch in eine andere Kategorie. Dieser Daniel heiratet seinen Partner Martin, lernt erst auf der Hochzeitsfeier dessen Halbbruder Samir kennen und beginnt bald ein Verhältnis mit ihm. Es wimmelt nur so von expliziten Szenen, da Daniel sexuell kaum etwas auslässt, aber wenn man wie ich zu den asexuellen Menschen gehört, die so etwas zwar nicht interessiert, aber auch nicht schockiert oder anekelt, hat das Buch trotzdem seinen Reiz. Die Frage, ob man sich nicht zu früh im Leben schon zu viele Türen verschlossen hat, kann sich jedem Menschen stellen und gerade für Menschen in asexuell-allosexuellen Mischbeziehungen werden einige interessante Fragen gestellt: Muss Sexualität unbedingt nur mit dier Partner_in ausgelebt werden? Warum ist es so schwierig, diesem_dieser zu sagen, was man sich wünscht oder gern ändern würde? Mein Lieblingszitat (Seite 55): „Selbstmitleidige Leute hörten niemals zu, egal, was man ihnen sagte. Selbstmitleid war eine geschlossene Veranstaltung, da wurdest du höchstens als Zuschauer zugelassen, oder als Souffleuse.“


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