Kalte Schulter auf Altfranzösisch

Vorhin blätterte ich in einem in der DDR erschienenen Bändchen Altfranzösische Liebeslyrik und stieß auf einen echt guten Spruch.
Das Gedicht, in dem er enthalten ist, stammt von einem gewissen Jehans de Braine und ist eine typische pastorela. Solche Texte, die zum niederen Register zählen, gibt es auch in der altokzitanischen Lyrik. Die Story, die erzählt wird, läuft immer so ab, dass ein Ritter ein Hirtenmädchen trifft, sie anmacht und sie dann entweder darauf eingeht oder nicht. In dem Gedicht, das ich las, passiert zweiteres, die ärmlich gekleidete Blondine lässt sich von den Schmeicheleien und Versprechungen des sozial höher stehenden Herrn nicht beeindrucken. Gleich als Erstes sagt sie Folgendes:
Sire, traies vos en la,
Car tel plait oi je ja.
Ne sui pas abandonnee,
A chascun ki dist „vien cha“.

Eigene, wörtliche Übersetzung:
Herr, hebt euch hinweg von hier,
Denn diese Rede habe ich bereits [oft] gehört.
Ich gebe mich nicht jedem hin,
Der [zu mir] sagt „komm her“.

Wenn mir das nächste Mal jemand mit plumpem Gebagger auf den Wecker geht, werde ich mit „tel plait oi je ja“ antworten. Das wirkt bestimmt.


1 Antwort auf „Kalte Schulter auf Altfranzösisch“


  1. 1 trippmadam 07. September 2015 um 5:05 Uhr

    Mist, den Spruch hätte ich gestern Abend gebrauchen können. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

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