Neues Pflänzchen im Blätterwald

Beim Lesen, Links klicken und Weiterlesen im Internet erfuhr ich zufällig, dass es da ein neues Magazin für frauenliebende Frauen namens straight gibt. Ich hatte gerade sonst nichts zu tun, fand über MYKIOSK (praktische Seite, die ich noch nicht kannte) schnell heraus, in welchem Laden in meiner Nähe ich es kaufen konnte und machte mich auf die Socken. Nun habe ich das Heftchen gelesen und kann sagen, wie ich es finde.
Beginnen wir beim Titel, der sicherlich bei der einen oder anderen Person für Irritation sorgt, da genau dieses englische Adjektiv oft als Synonym für „heterosexuell“ gebraucht wird. Auf der Rückseite des Hefts erfahren wir, dass es noch so einiges mehr bedeutet, u.a. „klar“, „offen, direkt“ und „ehrlich“. Das passt zu Aufmachung und Stil des Magazins auch gar nicht schlecht.
Von den Textbeiträgen waren für mich persönlich das Interview mit einem schwulen Mann, der einem Frauenpaar per Samenspende zu einem Kind verholfen hat und selbst eine liebevolle Beziehung zu diesem Kind pflegt, sowie der Artikel über Lesbischsein am Arbeitsplatz am interessantesten. Den Inhalt der Rubrik „Lesben machen Spaß“ fand ich überhaupt nicht witzig, sondern eher langweilig. Unter der Überschrift „Schickimicki“ gibt es einiges zum Thema Mode und Körperpflege, solche Seiten überspringe ich in Zeitschriften generell, weil sie mich nicht interessieren, so auch hier. Im Bereich „Medien“ vermisse ich Filmkritiken (gut, es gibt einen längeren Text über die Serie „Orange is the new black“) und die Buchkritiken erscheinen mir recht oberflächlich.
Die Reihe „Lesbe international“ wird von einem Artikel von einer Schottin eröffnet, die darüber erzählt, wie sie in ihrem Land als homosexuelle Frau so lebt und zwar auf Englisch. Ich bin gespannt, was für Länder noch so vorgestellt werden sollen und wie dann das Sprachproblem gelöst wird.
Das Design gefällt mir angefangen beim Schriftzug, in dem sich der Name des Magazins schnörkelt, sehr gut – ein großes Minus sind dagegen die vielen Rechtschreib- und Satzbaufehler. Da sollte beim nächsten Mal noch ein Paar Augen drübergucken. Die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis stimmen teilweise auch nicht.
Wer ist die Zielgruppe? Lesbische, eventuell bisexuelle Frauen, die an sich gern „klassische“ Frauenzeitschriften lesen, sich von diesen aber nicht ausreichend repräsentiert/angesprochen fühlen, denen die L-MAG zu wenig feminin und die Preziöse zu kompliziert ist (sofern sie sie überhaupt kennen). Alter zwischen 30 und 50, Portemonnaie eher gut gefüllt würde ich sagen (es werden u.a. Hängevasen für 630 € empfohlen). Tiefschürfende Analysen und Systemkritik darf man nicht erwarten (und darum geht es auch gar nicht), wohl aber interessante Einblicke in dies und das.
Würde ich mir das Heft noch einmal kaufen? Ja. Ich habe die erste Ausgabe als unterhaltsam und vielseitig empfunden und das, was ich bemängelt habe, sind vielleicht Kinderkrankheiten, die sich noch auswachsen.


2 Antworten auf „Neues Pflänzchen im Blätterwald“


  1. 1 Carmilla DeWinter 17. August 2015 um 21:27 Uhr

    Statt der Preziöse, die ja nur einmal im Jahr erscheint, gäbe es noch vierteljährlich das Missy Magazine, das sich an alle Sorten Frauen und solche, die als Frauen wahrgenommen werden, wendet. Da ist dann auch Platz für Systemkritik und ordentliche Buchrezensionen.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 18. August 2015 um 8:18 Uhr

    Dieses Blättchen kenne ich bisher tatsächlich nur dem Namen nach. Vielleicht kaufe ich mir irgendwann mal ein Exemplar.
    Das mit der Systemkritik war übrigens gar nicht so gemeint, dass ich sie vermisse; ich finde, man darf sich auch als queere Frau mal einfach nur unterhalten lassen (aber gründliche Buchrezensionen sind schon was Feines).

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei × = vierundzwanzig