Von falschen Voraussetzungen

Vor ein paar Tagen habe ich eine irgendwie bizarre Unterhaltung geführt.
Nach einer Veranstaltung kam ich mit einer jüngeren Frau, ca. 18-20 Jahre alt, ins Gespräch. Irgendwann fragte sie mich nach meinem Beruf und ich sagte, ich sei Übersetzerin. Daran, dass die Leute dann automatisch denken, ich sei Literaturübersetzerin oder dass sie Übersetzen mit Dolmetschen gleichsetzen, bin ich inzwischen gewöhnt, aber der Vorrat an merkwürdigen Bemerkungen ist offenbar noch nicht erschöpft.
Meine Gesprächspartnerin sagte: „Oh, dann musst du ja richtig gut Englisch können.“
Auf meine Frage hin, wie sie darauf komme, dass ich aus dem Englischen übersetze, antwortete sie: „Na, weil das am einfachsten ist.“ Ich konnte gar nicht so verwirrt gucken, wie ich war.
Nun stimmt es, dass die Mehrzahl der Übersetzer_innen in Deutschland Englisch als Arbeitssprache hat. Oft wird das einfach vorausgesetzt – ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mir schon Agenturen, für die ich arbeite, englische Texte geschickt haben (manchen ist das auch mehr als einmal passiert). Die meisten Deutschen können gut Englisch, weil sie es als erste Fremdsprache in der Schule hatten, eine wichtige Sprache ist es auch usw. usf., aber am einfachsten?
Mir fiel ausgelöst durch die oben wiedergegebene Unterhaltung auch eine Frau ein, die ich mal beim Übersetzerstammtisch traf, sie war englische Muttersprachlerin (wenn ich mich recht entsinne, US-Amerikanerin). Sie fragte mich nach meinen Sprachkombinationen, ich sagte Italienisch und Französisch ins Deutsche, sie sagte irgendwas à la „Oh, gar kein Englisch“ und ich sagte, ich könne das halt nicht so gut, habe es nicht studiert etc. Da sagte sie: „Ach, den meisten Deutschen ist das egal.“


1 Antwort auf „Von falschen Voraussetzungen“


  1. 1 Carmilla DeWinter 27. Juni 2015 um 0:12 Uhr

    Jaa… Übersetzung aus dem Englischen ist eine Kunst, die nicht viele so gut beherrschen, wie sie glauben.

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