Kein Erdbeer, aber Cocos

Von Jan Weiler hörte ich zum ersten Mal zu Beginn meines Studiums vor etwa zehn Jahren. Unsere aus Genua stammende Dozentin für italienische Landeskunde fand sein Buch Maria, ihm schmeckt’s nicht so komisch, dass sie uns einen Auszug zum Lesen mitbrachte. Jetzt ist mir in der Bibliothek zufällig Mein neues Leben als Mensch in die Hände gefallen, eine Sammlung von Kolumnentexten aus den Jahren 2009 und 2010. Ich habe alles gelesen – Max Goldt ist cooler, aber grinsen musste ich hier auch ab und zu, vor allem über den Text Intuitive Seifenlösungen für integrierte Anwender, in dem der Autor über die Sprache der Werbung herzieht.
Am Ende steht ein kleiner Dialog…
Sie: „Ich könnte dir optional Marmelade mit integrierten Früchten reichen.“
Er: „Sehr gerne. Besitzt diese optional Erdbeeren?“
Sie: „Nein, aber sie beinhaltet innovative Kirsch-Lösungen, und sie ist butterkompatibel.“
Er: „Na, dann werde ich doch mal intuitiv darauf zurückgreifen.“
Sie: „Sag mal, hast du mit der inspirierenden Kakaobutter & Cocosöl-Duschcreme geduscht?“
Und so weiter und so weiter. Das Ganze nimmt dann eine sexuelle Wendung, der Geruch der Duschcreme scheint Madame ordentlich anzumachen.
Schon in diesen wenigen Zeilen erkenne ich einige Formulierungen wieder, die ich bei der Übersetzung von Werbetexten auch schon ge- (oder miss-?)braucht habe. Innovativ sind die Sachen bei mir (bzw. in den Originaltexten) auch gern mal, von Lösungen ist immer wieder die Rede und intuitiv zu bedienen ist technisches Spielzeug aller Art meistens. Erlebnis hätte noch vorkommen können, dieses Wort ist in der Werbung doch auch beliebt und auch ich muss mich schuldig bekennen.
Ich wünsche allen, die hier lesen, inspirierende Pfingsten und schließe mit einer kleinen Anekdote: Gerade habe ich gesehen, dass eine Person über den Suchbegriff Aggregatzustand von Ketchup auf meinem Post Aggregatzustand: flüssig? gelandet ist. Ich glaube nicht, dass das, was sie da las, sie glücklich gemacht hat.


4 Antworten auf „Kein Erdbeer, aber Cocos“


  1. 1 Trippmadam 23. Mai 2015 um 5:16 Uhr

    Gleichfalls inspirierende Pfingsten. Was den Aggregatzustand betrifft: manchmal stolpert man im Internet ganz zufällig über etwas, das den Horizont erweitert. Vielleicht ist das der Person, die sich nur über Ketchup informieren wollte, auch passiert. Man soll die Hoffnung nie aufgeben ;-)

  2. 2 Gerd D. 23. Mai 2015 um 15:36 Uhr

    Aggregatzustand von Ketchup?
    Wer googled den so etwas, das schlägt man doch besser gleich vor Ort in der nächsten Frittenbude nach. :)

    Ach ja, die Sprache der Werbung.
    Schade das die meist weniger innovativ daherkommt als die damit beworbenen Produkte versprechen zu sein, oder wenigstens auch nur halb so inspiriert. Aber dafür ist sie garantiert intiutiv zu begreifen, wenn schon kein Erlebnis.

  3. 3 Carmilla DeWinter 27. Mai 2015 um 21:32 Uhr

    So, meine Pfingsten haben inspiriert, danke der Wünsche.

    „spannend“ fehlt vielleicht noch in der Liste … aber das istein ziemliches Modewort, das war 2009 noch nicht in.

    Was Ketchup angeht, Ketchup läuft bei mir als halbfeste thixotrope Zubereitung: Nicht komplett flüssig, und fließt stärker, je mehr eins ihn schüttelt. (Pharmazeutin Ende.)

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 28. Mai 2015 um 8:32 Uhr

    „Spannend“ ist mir in dem Zusammenhang noch nie besonders aufgefallen.
    Über die Beschreibung von Ketchup musste ich lachen. Wenn die suchende Person jetzt noch einmal wiederkäme…

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