Sprachliche Impressionen aus Slowenien

Nach vielen Jahren war ich zum ersten Mal wieder in einem Land, dessen Sprache mir völlig unbekannt ist, die ich nie auch nur ein bisschen gelernt habe. Das Land war Slowenien, ich war mit einer dort geborenen Freundin unterwegs und musste mir keine Sorgen wegen der Verständigung machen (zumal die meisten Leute mehr oder weniger gut Deutsch können). Augen und Ohren habe ich offen gehalten und ein paar Dinge sind mir in der kurzen Zeit aufgefallen.
Lustig finde ich Wörter wie trg (Platz) und prst (Finger), die keinen einzigen Vokal enthalten. Silbische Liquide kenne ich auch aus anderen Sprachen und habe meine Freundin gefragt, ob es solche Beispiele auch mit [ḷ] und nicht mit [ṛ] gebe, denn wo eins ist, ist eigentlich immer auch das andere. Sie sagte nein.
Ich habe ja eine Vorliebe für lustig integrierte Wörter, die aus anderen Sprachen stammen, und da gab es wieder einiges für mich. Gesehen habe ich in der kurzen Zeit žanr, embalaža und sendvič, also genre, emballage (Verpackung) und sandwich. Wobei beim zweiten Beispiel „ambalaža“ doch logischer wäre, weil es der Aussprache im Französischen näher kommt.
Und dann hatte ich doch im Herbst erzählt, dass ich jagoda (Blaubeere) im Polnischen ein hübsches Wort finde und dass es glatt ein Frauenname sein könnte. Nun bin ich dem Wort wiederbegegnet, allerdings bezeichnet es im Slowenischen die Erdbeere, was mich in tiefe Verwirrung stürzte. Es kommt noch besser: In einem Museum sah ich einen Band mit Werken einer kroatischen Malerin namens Jagoda Buić, meine Gedanken waren also nicht völlig absurd.
Wie gesagt, ich habe nie Slowenisch gelernt, aber ein paar verwendbare Wörter habe ich jetzt doch aufgeschnappt, u.a. hvala, „danke“. Klingt für mich recht exotisch, auf Polnisch und Russisch sagt man anders, mich würde interessieren, woher das Wort kommt (meine Freundin sagt, im Kroatischen heiße es auch so). Krompir ist die Kartoffel und ich könnte schwören, dass ich das Wort schon einmal irgendwo gehört habe – wo sagt man noch so? In den mir bekannten slawischen Sprachen jedenfalls nicht.

So viel Stoff zum Nachdenken…

(Blick auf Ptuj mit See)


5 Antworten auf „Sprachliche Impressionen aus Slowenien“


  1. 1 Trippmadam 20. März 2015 um 18:58 Uhr

    Die in und um Triest ansässigen Slowenen sagten „pantalon“ zur Hose.Es gibt noch mehr italienische (französische) Lehnwörter im Slowenischen, aber mir fällt im Moment nichts mehr ein. Ein bisschen Slowenisch (oder vielmehr den Dialekt der Triestiner Slowenen) habe ich während meines Auslandssemesters aufgeschnappt, aber mir fällt gerade nichts mehr ein.

    Krompir -> Grumbeer („Grundbirne“) -> Kartoffel (Erdapfel)? Vielleicht ein österreichischer Einfluss. Ich bin mir aber nicht sicher, ob auch die Österreicher „Grumbeer“ sagen.

  2. 2 Gerd D. 20. März 2015 um 20:11 Uhr

    „Krompir“?
    Dann hat das Wort also die gleichen Wurzeln wie „Krombier“. (Wurzeln, ha! Sorry, da muss ein Clown im Frühstück gewesen sein.)

  3. 3 Fiammetta de Bornelh 20. März 2015 um 20:15 Uhr

    Sie waren Austauschstudi in Triest? Da waren wir dann am Ende noch, inkl. Miramare. Interessante Kartoffelidee, ein dt. Einfluss ist gut möglich.

  4. 4 Carmilla DeWinter 23. März 2015 um 22:49 Uhr

    Bissl verspätet… aber das Wort „Grumbiere“ für Kartoffel ist mir als Dialektausdruck ebenfalls geläufig.

    Hab mal schnell gegoogelt: http://retropedia.de/Wortgeschichte.12.0.html?&cHash=7a884d5f2c8689921a2128c0261c606a&tx_ttnews[tt_news]=950

  5. 5 Fiammetta de Bornelh 24. März 2015 um 10:05 Uhr

    Danke für den Link! Die Retropedia kannte ich noch nicht, muss ich mir mal genauer angucken.
    Als relativ weit im Norden Ansässige war mir „Grumbiere“ oder „Grumbeer“ als Wort für „Kartoffel“ völlig unbekannt.

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