Sprachliche Fragmente

Irgendwie kann ich mich zur Zeit nicht zu einem längeren Post aufraffen bzw. habe ich mehrere kleine Dinge im Kopf, die einzeln nicht viel hergeben. Daher wird das heute ein kleines Sammelsurium von sprachlichen Beobachtungen der letzten Zeit.
Aufgefallen ist mir vor ein paar Tagen die folgende Formulierung in einem Artikel: „In der westlichen Hemisphäre“. Ich wusste gar nicht, dass man die Kugel, auf der wir leben, auch vertikal und nicht nur horizontal durchschneiden kann, ich kenne nur den Äquator als Trennlinie.
Dann singen wir im Chor gerade ein Lied, in dem vorkommt: „Cloud, if as thou dost melt, and with thy rain of drops make soft the Earth […]“. Soft kenne ich als „weich“, aber wenn es regnet, wird die Erde doch in erster Linie nass. Mir ist ein anderes Beispiel von Vermischung von Weichheit und Nässe eingefallen, nämlich bei Petrarca, der spricht ab und zu von seinem petto molle und meint damit, dass seine Brust (wahrscheinlich der Stoff seiner Kleidung an dieser Stelle) von Tränen nass sei, molle heißt im Italienischen sowohl „weich“ als auch „nass“. Im Lateinischen ist mollis nur „weich“, das Gleiche gilt für mou im Französischen, allerdings ist mouiller „nass machen“… Ob wir es hier im Englischen mit einer Lehnprägung à la „wenn das Wort bei denen ‚weich‘ und ‚nass‘ bedeutet, muss es bei uns auch beides bedeuten“ zu tun haben oder ob ich nur zu viel Phantasie haben und Verbindungen sehe, wo keine sind?
Und vor ein paar Wochen habe ich einen Lesbenroman gelesen, den ich an sich nicht schlecht fand, Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an von Veneda Mühlenbrink. Eine uralte Dame erzählt einer jüngeren von ihrer Liebe zur Zeit der Weimarer Republik und in der Nazizeit und auch der Jüngeren wird es nicht langweilig, da sie mit einer Mitarbeiterin des Altenheims anbandelt. Was mich störte, war eine gewisse Überdramatisierung, insbesondere bei dem Frauenpaar in der Gegenwart waren beide ausgesprochen empfindlich, weinten schnell und warfen gern mit Gegenständen. Die Sprache des Romans war dementsprechend, ich fand in ihm ein paar meiner Hassphrasen wieder, nämlich „xyz (nicht) zulassen können“ (xyz ist meistens Nähe) und „das Gefühl, angekommen zu sein.“ „Sich fallen lassen (können)“ steht bei mir auf der gleichen Liste und kam, glaube ich, auch vor, „Achtsamkeit“ kam wohl nicht vor, hätte aber gut gepasst, da ich dieses Wort bzw. die Art, wie es häufig verwendet wird, auch nicht leiden kann. Ich weiß gar nicht so recht, woher meine Abneigung rührt – ich assoziiere diese Wörter/Formulierungen mit billiger Küchenpsychologie und übertriebener Gefühlsduseligkeit. Auf lesarion.de habe ich sie auch manchmal gelesen, als ich da noch öfter ins Forum und nach den literarischen Produktionen der Userinnen schaute – sind sie für Lesben typisch? Hinzu kommt wohl noch, dass Asexuellen manchmal vorgeworfen wird, sie könnten „sich nicht fallen lassen“ und „keine Nähe zulassen“, also wird das Tuch noch röter.
Na ja. Ich will Michael Buchinger seinen Titel als König der Hasslisten nicht streitig machen…


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