Wie Stefania mein Mittagessen rettete

Romane, in deren Anhang Rezepte aufgeführt sind, finde ich ein wenig albern. Ich habe mir ja schließlich einen Roman gekauft oder ausgeliehen und kein Kochbuch. Und einer der Gründe, warum ich nicht gerne in Italien gelebt habe, waren die vielen Gespräche über Essen, ich fand das langweilig. Heute möchte ich dennoch auch einmal ein wenig vom Essen reden.
Vor einigen Wochen stand ich in der Küche und wollte etwas Bestimmtes kochen, musste aber feststellen, dass ich eine Zutat zu kaufen vergessen hatte und meinen Plan daher nicht würde umsetzen können (wenn ich mich recht entsinne, war auch noch Sonntag). Vorhanden war u.a. eine Zucchini und mir fiel plötzlich eine Stelle aus Ne parliamo a cena von Stefania Bertola ein, an der so ein grünes Ding Thema eines Gesprächs zwischen der Ich-Erzählerin Costanza und ihrer Cousine Bibi ist.

Costanza ist gerade an der Arbeit, in dem Geschäft, dessen Mitinhaberin sie ist. Plötzlich klingelt das Telefon…
Carta e cuci, guten Tag.“
„Costanza? Hier ist Bibi. Kannst du was mit Zucchini machen?“
„Bibi? Was soll ich machen?“
„Was zu essen. Kannst du was Schnelles mit Zucchini machen, das man essen kann?“
„Ja. Hast du tiefgefrorenen Blätterteig?“
„Willst du mich veralbern?“
„Was hast du denn da?“
„Zucchini.“
„Und was noch?“
„Äh… Öl. Salz. Rohrzucker. Eine alte Knoblauchzehe, viele Zitronen, Rum, Kaffeecreme, Wodka und ich glaube, auch noch ein bisschen…“
„Okay, ich verstehe. Du hast bloß die Zucchini. Dann kannst du sie nur in ganz kleine Stücke schneiden und sie mit Knoblauch und Öl anbraten. Wenn sie weich sind, zerdrückst du sie ein bisschen mit der Gabel und nimmst das dann als Nudelsoße. Mit sehr viel Parmesan.“
„Habe ich von Nudeln gesprochen? Oder von Parmesan? Ich habe ‚Zucchini‘ gesagt und Schluss.“
„Und warum willst du sie zubereiten? Warum lässt du sie nicht im Kühlschrank vergammeln? Oder nein: Warum hast du sie überhaupt? Warum hast du Zucchini gekauft?“
„Ehrlich gesagt hat sie mir eine von der RAI* geschenkt, die wachsen bei ihr im Garten. Costy, ich muss kochen lernen. Wenigstens ein bisschen, um ein paar Wochen lang den Schein zu wahren. Erkläre ich dir später. Was kommt denn zuerst in die Pfanne? Der Knoblauch oder die Zucchini?“

* RAI = Italienische Rundfunkanstalt. Seite 48 f. in der Ausgabe von 2002, Übersetzung von mir.

Ich bin an jenem Tag vor ein paar Wochen Costanzas Anleitung gefolgt und das Ergebnis war nicht schlecht, so dass ich heute noch einmal mit voller Absicht Nudeln mit Knoblauch und Zucchini gemacht habe. Stefania Bertola ist nicht nur eine unglaublich coole Autorin, sie kann einen sogar aus kulinarischen Notsituationen retten.
Was halten meine Leser_innen denn von Büchern mit Rezepten drin? Habt ihr schon einmal etwas aus einem Roman nachgekocht oder -gebacken?


2 Antworten auf „Wie Stefania mein Mittagessen rettete“


  1. 1 Gerd D. 05. Februar 2015 um 11:27 Uhr

    Ich lese gerne über das Essen, und auch (kurze) Rezepte machen mit mir nichts aus – nur technisch verstehe ich da oft nur Bahnhof.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 05. Februar 2015 um 13:31 Uhr

    Aber das Nudeln-mit-Zucchini-Rezept ist doch wirklich einfach. :)

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei + zwei =