Zhang Ziyi ist hübscher als Goran Bregovic

Vor ein paar Tagen las ich diesen Text [en], in dem eine asexuelle und aromantische Frau über ästhetische Anziehung sinniert. Mir fiel dazu auch einiges ein…
Es kommt mir selbst vor, als hätte ich die Story schon tausendmal erzählt, aber da sie wahrscheinlich nicht allen Leser_innen meines Blogs bekannt ist, nochmal eine kurze Zusammenfassung: Als Kind und Jugendliche schwärmte ich für weibliche Personen und bezeichnete mich in Ermangelung eines treffenderen Wortes als lesbisch. Mit 20 verliebte ich mich in einen jungen Mann, mir fiel auf, dass er mich sexuell überhaupt nicht interessierte, mir fiel nach tieferem Nachdenken weiterhin auf, dass mich Frauen im Grunde auch nicht sexuell interessierten, ich fand glücklicherweise das deutsche AVEN-Forum, dachte noch ein bisschen nach und segle heute unter den Flaggen asexuell und biromantisch, die ich als für mich passend erachte.
Dass ich mich das letzte Mal in eine Frau verliebt habe, ist Jahre her, ich halte es aber für möglich, dass es irgendwann wieder passiert und kann mir eine Liebesbeziehung mit einer Frau vorstellen, obwohl ich so etwas bisher nicht erlebt habe (mit einem Mann dagegen ja). Ich neige nicht sehr stark zu Star-Schwärmereien, es gibt aber immer irgendwelche Sängerinnen, Schauspielerinnen etc., die ich süß finde und von denen ich mir gern Bilder anschaue (hier mal ein paar Beispiele).
Und das ist es eben: Während ich problemlos eine Liste weiblicher Stars erstellen könnte, die ich attraktiv finde, wäre es bei den Herren schwierig (der hier vielleicht noch, als er jünger war). Ich empfinde bei Männern einfach keine ästhetische Anziehung, was manchmal als „die findet alle Männer hässlich“ missverstanden wird. Wenn ich mich in einen Mann verliebe, sind es andere Dinge, die mir gefallen und die Herren werden allenfalls in meinen Augen hübsch, weil ich eben in sie verliebt bin. Ich habe, was das Aussehen betrifft, überhaupt keinen „Typ“ und gerate in Verlegenheit, wenn man mich fragt, welche Art Männer ich attraktiv finde – keine Ahnung, Hauptsache nicht zu groß, weil ich selber nicht so groß bin. Ich bin wohl homoästhetisch, wobei ich mich nie so bezeichnen würde, ist ein Etikett, das ich überflüssig finde.
Wie gesagt: In jungen Jahren hatte ich weibliche Schwärme, in den letzten zehn Jahren waren es vorwiegend Männer. Es ist für mich nicht wichtig, dafür eine Erklärung zu haben, es kommt wie es kommt, aber vielleicht war es mir als grünes Gemüse einfach nicht möglich, mich für eine Person stark zu interessieren, ohne dass ästhetische Anziehung im Spiel war, während es mir inzwischen mehr auf andere Dinge ankommt. Ich erinnere mich, dass ich bei meiner ersten männlichen Liebe lange nicht erkannte, dass ich mich romantisch zu ihm hingezogen fühlte. Da spielte sicher die Tatsache eine Rolle, dass ich es nicht erkennen wollte – es war eine Liebe, die nicht sein durfte, großes Drama – aber ich hatte auch einfach nie gedacht: „Oooh, sieht der gut aus“ und es kam mir zunächst nicht in den Sinn, dass romantische Anziehung diese Komponente nicht unbedingt braucht.
Ich war übrigens soweit ich weiß nie in eine Person mit nichtbinärer Geschlechtsidentität verliebt, daher eben bi und nicht pan. Und ich fühle mich von Männern und von Frauen auf unterschiedliche Weise angezogen und mich würde interessieren, ob das anderen biromantischen Asexis oder Bisexuellen auch so geht. Falls jemand einen Link zu einem Blogeintrag oder Forumsthread zum Thema für mich hat: Her damit. Über persönliche Statements freue ich mich natürlich auch, falls eine biromantische und/oder bisexuelle Person dies liest.


4 Antworten auf „Zhang Ziyi ist hübscher als Goran Bregovic“


  1. 1 Carmilla DeWinter 07. Dezember 2014 um 22:09 Uhr

    Also, ich finde einen Haufen Leute ästhetisch anziehend.

    Witzigerweise kann ich mehr Promi-Männer als -Frauen aufsagen, dafür passiert es mir häufiger, dass ich über eine hübsche Gelegenheitskundin oder eine andere Tänzerin innerlich seufze. Personen, die ein offensichtlich nicht binäres Gender haben, begegnen mir selten, aber da war auch schon eine Handvoll dabei. Grundsätzlich sehe ich gerne: Kleidung mit Stil (heißt nicht, dass sie teuer sein muss, nur gut kombiniert), ausgefallenes Styling, und Leute, die sich so bewegen, als würden sie sich wohl in ihrem Körper fühlen.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 08. Dezember 2014 um 10:24 Uhr

    Also du findest bei Stars mehr Männer hübsch und im normalen Alltag mehr Frauen, verstehe ich das richtig?
    Ich finde auch im Alltag seltenst irgendeinen Mann gutaussehend, Frauen dagegen häufiger. Schon in der Schule gab es verschiedene Mitschülerinnen und Lehrerinnen, die ich gern angeschaut habe.

  3. 3 tschellufjek 09. Dezember 2014 um 0:57 Uhr

    Mir ergeht es diesbezüglich ähnlich, obwohl ich bei Stars genauso viele Frauen wie Männer als „ästhetisch anziehend“ klassifizieren würde. Im Alltag treffe ich eher auf ästhetisch interessante bzw. anziehende Frauen. Ich frage mich schon seit längerer Zeit, ob dies nicht etwas mit gewissen Wesenszügen/Mimiken/Gestiken zu tun haben könnte, die bei Frauen vielleicht eher zu finden sind als bei Männern.
    Du hast ja auch in deinem Post geschrieben, dass manche Männer für dich erst dann optisch attraktiv wurden, als du in sie verliebt warst – irgendwas muss dich also davor zu diesen Menschen hingezogen haben… Spannend!

  4. 4 Carmilla DeWinter 10. Dezember 2014 um 23:03 Uhr

    Ich hab mittlerweile den leisen Verdacht, dass es zum einen daran liegen könnte, dass sich Frauen zum Anfassen durschnittlich sorgfältiger kleiden als Männer zum Anfassen, und zum anderen, dass ich wohl bei Frauen eher auf die Art anspringe, wie sie sich bewegen, und welche Körpersprache sie haben. Männliches Dominanzgehabe und Raumgreifen finde ich IRL zum Beispiel gar nicht attraktiv, bin dem aber häufig ausgesetzt.

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