Ich hab’s endlich getan!

… Meinen Wortpreis bei meiner langjährigen Lieblingsagentur erhöht nämlich. Die Reaktion war nicht ganz schlecht, wir werden sehen, wie es weitergeht.
Vorgeschichte und Erläuterungen:
Ihr wisst ja, freie Übersetzerin und so. Ich arbeite hauptsächlich für Agenturen, die in Deutschland, Frankreich und Italien sitzen. Direktkunden habe ich momentan überhaupt nicht (viele ältere und erfahrene Kolleg_innen würden an dieser Stelle schon die Nase rümpfen). Da ich hier nicht unter meinem richtigen Namen schreibe, kann ich offenlegen, was ich beim monatlichen Übersetzistammtisch niemals aussprechen würde: Ich habe mit 0,05 € pro Wort in der Ausgangssprache (oft auf Englisch als source language bezeichnet) angefangen, was für deutsche Verhältnisse recht wenig ist. Inzwischen gibt es schon Agenturen, bei denen ich 0,06 € berechne, das sind die, für die ich noch nicht so lange arbeite, die mich schon mit etwas mehr Erfahrung im Gepäck kennengelernt haben. Ein solcher Einstieg klappt aber nicht immer. Erst vor ein paar Monaten musste ich mit einer neuen italienischen Agentur verhandeln und das auch noch am Telefon. Der Herr, mit dem ich sprach, fragte mich, wie viel ich denn pro source word (was er so unmöglich aussprach, dass ich ihn kaum verstand) berechnen würde, ich sagte sei centesimi und er antwortete, mehr als cinque seien bei ihnen nicht drin. Ich ließ mich erweichen und schämte mich im gleichen Moment dafür, weil ich an einen Kollegen aus besagter Stammtischrunde dachte, der einmal gesagt hatte, Übersetzer_innen, die für niedrige Preise arbeiten, seien eine Last für alle anderen bzw. würden es später werden, weil sie nicht genug für die Altersvorsorge einzahlen können und im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen seien. Stimmt natürlich, traf mich aber doch irgendwie. Bei den Treffen schwebt die Frage, wer wie viel berechnet, immer über unseren Köpfen (Höhe variiert) und ich fühle mich deswegen manchmal schlecht, als Verräterin an der No-Peanuts-Bewegung oder so. Ich habe durchaus meine Grenzen – ebenfalls vor ein paar Monaten wollte mich jemand auf 0,04 € herunterhandeln, worauf ich mich nicht eingelassen habe –, aber im Grunde bin ich doch viel mehr Philologin als Geschäftsfrau.
Aber nun zu meiner Lieblingsagentur. Ich nenne sie so, weil ich für sie arbeite, seit ich überhaupt als freie Übersetzerin tätig bin, und mich an keinen Monat erinnern kann, an dem ich nicht irgendetwas für sie übersetzt habe. Sitzen tun sie in Frankreich unweit der italienischen Grenze, es ist ein französisch-italienisches Unternehmen. Sie haben mich schon mit vielen interessanten Projekten versorgt, die mein Formulierungsgeschick forderten und mein Fachwissen auf diversen Gebieten langsam wachsen ließen. Aber ach, die böse fünf. Schon so lange wollte ich zumindest eine sechs aus ihr machen und wagte es nicht, da ich Angst hatte, man würde mich verstoßen. Nun neigt sich wieder ein Jahr seinem Ende zu, also raffte ich mich endlich auf und teilte ihnen kurz und knapp die Erhöhung meines Wortpreises um einen Cent ab dem 1. Januar mit. Wie gesagt, knapp, aber ich führte das Argument ins Feld, inzwischen hätte ich einfach mehr Erfahrung als damals, als wir miteinander anbandelten. Ungefähr eine Viertelstunde später kam eine Antwort von einer meiner langjährigen Kontaktpersonen; sie schrieb, sie habe die Sache zur Kenntnis genommen, aber sie selbst würden ihre Preise zum kommenden Jahr nicht erhöhen, obwohl sie mittlerweile schon 10 Jahre Erfahrung hätten. Äpfel und Birnen, dachte ich, antwortete aber nichts darauf. Nun werden wir sehen, ob das murmelnde Bächlein der Aufträge ab Januar weniger Wasser führen wird, aber ich bin einigermaßen zuversichtlich.
Ob Angestellte ähnliche Probleme haben? Dass Leute Gehaltserhöhungen fordern, scheint ja ab und an vorzukommen.


4 Antworten auf „Ich hab’s endlich getan!“


  1. 1 tschellufjek 13. November 2014 um 15:39 Uhr

    Die Gehaltsfrage ist auch mir immer ein Grauen gewesen und mir war es ziemlich unangenehm, wenn Eltern meiner Nachhilfeschüler_innen mich nach meinem gewünschten Stundenlohn fragten. Da ich dem Geld noch nie eine wahnsinnig hohe Bedeutung beigemessen habe, lag es mir fern, als junge Schülerin, die ich damals war, mehr als 10 Euro zu verlangen. Mir kamen sogar 8 Euro schon viel vor (bei Thalia an der Kasse verdiente ich 7 Euro die Stunde und empfand dies als weitaus mehr Arbeit als das Nachhilfegeben). Mir sagten jedoch alle, dass ich mich unterm „Marktwert“ verkaufen würde, weil alle mindestens 10 Euro nehmen. Anscheinend muss mensch einen gewissen Geschäftssinn haben, um eine Gehaltserhöhung zu fordern bzw. ein Gehalt überhaupt festzulegen. Vielleicht hast du ja eines Tages das Privileg, eine_n Berater_in mit Geschäftssinn einzustellen, sodass du dich ganz auf die faszinierende Welt der Sprache fokussieren kannst! Ich träume davon seit dem ersten Gespräch über Gehalt in meinem Leben.

    Je te croise les doigts!

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 13. November 2014 um 18:24 Uhr

    Ach ja, Nachhilfe habe ich auch mal gegeben, keine Ahnung, wie viel ich damals verlangt habe (war auch noch Schülerin).
    Als ich als Studentin für einen Doktoranden übersetzte, war mein Preis sehr niedrig, allerdings hatte ich für die Sachen auch immer sehr lange Zeit. Ganz ohne Bezahlung hätte ich es damals nicht gemacht, aber im Grunde war mir der Zaster nicht so wichtig und ich war nicht darauf angewiesen (hatte damals noch Anspruch auf gewisse Unterstützungen). Jetzt muss ich damit meinen Lebensunterhalt bestreiten.
    Ach ja, eine Person, die sich um die finanzielle Seite kümmert, wäre nicht schlecht, aber die müsste ich ja auch erst mal bezahlen können. :)

  3. 3 tschellufjek 13. November 2014 um 22:08 Uhr

    Es gibt da ein Zauberwort: Praktikum!
    Schreibe einfach eine Praktikantenstelle aus :) Ich habe gestern von unserer Fachschaft ein paar Praktikumsangebote erhalten und mindestens zwei Stellen richteten sich an Absolventen eines Masters, deren Aufgaben sich nicht von den eines_r Festangestellten unterscheiden… Musst dann nur eine sehr eloquente schöne Jobbeschreibung verfassen, bei der du unterstreichst, wie viel der_die Praktikant_in an Erfahrungen gewinnen kann :D

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 13. November 2014 um 23:53 Uhr

    Nee nee, wer selbst einmal ausgebeutete Praktikantin war, macht so etwas nicht :-)

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