Sprachliche Impressionen aus Polen

Die Trippmadam war offenbar in Spanien – ich war in Polen. Nicht meine Idee und nicht von mir selbst organisiert, aber in sprachlicher Hinsicht natürlich super. Ich durfte / musste mich ab und zu in der Landessprache unterhalten und von überall sprangen mich Wörter auf Schildern etc. an. Im Folgenden ein Überblick über die Dinge, die mir aufgefallen sind…
Die Pol_inn_en verwenden in einem fort das Wort zapraszać; in Übersetzungen ins Deutsche wird dies meist mit einladen wiedergegeben, was in vielen Fällen nicht passt. Ein Ensemble wird bei uns nicht auf die Bühne eingeladen, sondern gebeten und wenn ein Laden für sich wirbt, sollte er lieber eine Formulierung wie „schauen Sie doch einmal herein“ verwenden.
Ich wusste im Grunde schon vorher, dass das Polnische so einiges aus dem Deutschen entlehnt hat, aber jetzt ist es mir noch stärker aufgefallen. Gmina ist die Gemeinde, burmistrz der Bürgermeister usw. Ich habe diesen Umstand gegenüber Mitreisenden erwähnt, um ihnen die Angst vor der polnischen Sprache ein wenig zu nehmen, hat aber nichts genutzt. ;) Polnischen Wörtern französischer Herkunft habe ich ja schon einmal einen eigenen Post gewidmet – jetzt sind mir zwei Wörter aufgefallen, bei denen ich einen italienischen Ursprung vermute, was ich aber mit dem mir derzeit zur Verfügung stehenden Material nicht beweisen kann. Skarpetka ist die Socke oder der Strumpf, was sofort an it. scarpa „Schuh“ bzw. eine Verkleinerungsform davon erinnert. Unter dem Schuh trägt man in Italien allerdings calze bzw. calzini. An Läden für Handarbeitsbedarf stand immer pasmanteria – klingt für mich sehr nach passamaneria. Unter diesem Begriff werden im Italienischen Borten, Quasten, Fransen und so ein Zeug zusammengefasst (der Zingarelli minore bietet alles erklärende Zeichnungen). In meinem zweisprachigen Wörterbuch steht als deutsche Übersetzung Posament – wieder ein neues Wort in meiner Muttersprache gelernt. Von der Bedeutung her würde alles passen (in meinem polnisch-deutschen Wörterbuch steht, pasmanteria seien Kurzwaren), aber das t irritiert mich doch. Wenn jemand mehr weiß: Bitte Senfglas aufschrauben, es interessiert mich wirklich.
Von den neuen Wörtern, die ich gelernt habe, sind die schönsten pióro und jagoda; das erste bedeutet „Feder“ (vom Vogel oder als Schreibgerät), das zweite „Blaubeere“. Jagoda könnte für mein Empfinden glatt ein Frauenname sein, aber vielleicht liegt das an der Ähnlichkeit zu Jadwiga.

Hach ja…

(Gdańsk, Binnenhafen)


2 Antworten auf „Sprachliche Impressionen aus Polen“


  1. 1 Carmilla DeWinter 27. Oktober 2014 um 22:31 Uhr

    „Posament“ war mir bis heute auch neu, beziehungsweise habe ich es schon mal irgendwo gesehen und war zu faul zum Nachschauen.

    „Posament“ scheint mir sehr viel enger gefasst als „Kurzwaren“ – Posamenten würde ich als Untergruppe von Kurzwaren sehen, und alles läuft bei mir mit Stoffen und derlei unter „Nähzeugs“.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 28. Oktober 2014 um 8:43 Uhr

    Ja, ist schon alles verflixt und zugenäht.:-)

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