Portugiesisch unter Wasser

Im Grunde war ich immer ein Mensch, der zu Sentimentalität neigt und gern seine Erinnerungen hervorholt und nun, da ich mich zielstrebig der 30 nähere, darf ich das vielleicht auch langsam ganz offen tun.
Manchmal wühle ich auf YouTube in Musik aus den 90er Jahren und höre mir Stücke an, die ich als späte Grundschülerin oder frühe Gymnasiastin (in dem Bundesland, in dem ich zur Schule gegangen bin, dauert die Grundschule 6 Jahre, ich verließ sie also mit 12) gern mochte. Ein eigenes Radio besaß ich, wenn ich mich nicht täusche, ab Weihnachten 1996. Musik aus anderen Zeiten und anderen Kulturräumen entdeckte ich erst nach und nach (wobei ich einiges Ältere schon als Kind durch meine Eltern kannte und interessant fand) – in den späten 90ern beschäftigte ich mich hauptsächlich mit der damals aktuellen Popmusik.
Im Folgenden nun eine kleine Liste von Songs, die mir damals gefielen und die ich mir noch heute gern anhöre und mich dabei auf eine kleine Zeitreise begebe. In der Liste werde ich mich auf solche beschränken, die für mich isoliert dastehen, d.h. deren Interpret_inn_en entweder echte „One-Hit-Wonder“ oder mir nicht näher bekannt waren. Von Mariah Carey legte ich mir damals einige Alben zu, von den Cranberries besitze ich seit ca. einem Jahr eins (Stars, The Best of 1992-2002) – das ist etwas Anderes. Für meine frühe Hörerinnenkarriere war gerade die Situation, dass ich ein Lied hörte, es mir gefiel und ich schon froh sein konnte, wenn ich Titel und Interpret_in wusste, so typisch. Manches fand ich tatsächlich erst viel später wieder, als YouTube und Google zu meinen täglichen Werkzeugen geworden waren.
Sonique – It feels so good (1998)
Nelly Furtado – Turn off the light (2000, eigentlich schon etwas zu neu, aber ein schöner Titel)
Sugababes – Overload (Ach was, der Song ist auch aus dem Jahr 2000? Hätte ihn früher eingeordnet.)
Garbage -Milk (1996 – musste ein wenig suchen, bis ich genau die Version fand, die ich in Erinnerung hatte)
Smoke City – Underwater love (1996 – die Kommentierenden scheinen alle verwirrt zu sein, was das nun für eine Version ist, aber es ist definitiv die, ich kannte. Habe mich damals jahrelang gefragt, was da neben Englisch für eine Sprache zu hören ist, da mir das Portugiesische völlig unbekannt war…)
Daniella’s Daze – 100% Jesus (1998)
Kann man aus dieser Auflistung irgendwelche Schlüsse ziehen? Offenbar war ich in jüngeren Jahren noch viel ohrensexistischer als jetzt, die Stimmen sind durch die Bank weiblich. Männliche Sänger waren damals entweder weichgespülte Bubis (gern im Rudel auftretend) oder knallharte Rapper, beides interessierte mich absolut nicht.
Was mir beim Stöbern auf YouTube auffiel, waren die vielen Kommentare à la „Hach, damals war die Musik noch so gut und jetzt ist sie so sch***“. In dieses Horn würde ich nicht blasen. Wahrscheinlich stellt die Menge der Songs aus den 90ern, die bei YouTube hochgeladen wurden, schon eine gewisse Auswahl dar und die richtig schlechten Stücke liegen vergessen irgendwo unter dem Tisch. Und mit dem, was jetzt gerade modern ist, kenne ich mich nicht so gut aus, aber zumindest Y‘Akoto erwähnte ich ja schon einmal, die gefällt mir sehr und scheint doch recht erfolgreich zu sein. Ich glaube, die Kommentarschreiber_innen sind nur einfach noch viel sentimentaler als ich. ;)


6 Antworten auf „Portugiesisch unter Wasser“


  1. 1 Carmilla DeWinter 24. September 2014 um 21:50 Uhr

    Sonique tät ich so unterschreiben. Cranberries auch. Ansonsten habe ich noch eine Handvoll Sampler prä-97 rumliegen, wo diverse Tracks drauf sind, die ich heute noch mag. Auch „Underwater Love“. Witzigerweise finde ich so im Nachhinein, ohne das Gekreische diverser Banknachbarinnen, manche Sachen von den Backstreet Boys gar nicht soo grauenvoll, da immerhin gut tanzbar.

    Da ich noch eine Handvoll Jahre mehr auf dem Buckel habe, gestehe ich einfach mal, dass ich in jenem Alter eine Techno-Phase inklusive Scooter hatte, die dann kurz darauf von Paddy Goes To Holyhead, Subway to Sally und einigen Lokalgrößen abgelöst wurden.

    Die „Stimmenverteilung“ ist bei mir ein bisschen mehr Jungs, aber vor allem, weil eben viel Metal dabei ist, und der weniger romantisch/sexuelle Konnotationen in den Texten hat als poppigere Genres. Das ist mir aber erst kürzlich aufgefallen.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 25. September 2014 um 9:48 Uhr

    Ach, auf die Texte habe ich damals kaum geachtet bzw. vieles auch noch gar nicht verstanden.
    Metal habe ich nie gehört, weder Ende der 90er noch später. Ist eine der wenigen Musikrichtungen, die mir überhaupt nichts sagen.
    Sachen, die mir heute peinlich sind bzw. ganz einfach nicht mehr gefallen, habe ich in der Zeit auch gemocht, ich sage nur Blümchen *im Boden versink*. Scooter mochte ein Freund von mir, da lachen wir heute beide drüber.

  3. 3 Carmilla DeWinter 26. September 2014 um 22:03 Uhr

    Zugegeben, ich hatte wahrscheinlich mit vierzehn mehr Englisch getankt als du. Und ich bin ein recht textbasierter Mensch, deswegen kann ich auch schlecht Musik ertragen, die eigentlich ganz nett ist, aber doofe/sexistische/sonstwie meinen Einspruch herausfordernde Texte hat, deutsch wie englisch. Ob’s nun „Last Christmas“ oder die radiotauglichen Hymnen von Unheilig sind.
    Texte in Sprachen, die ich nicht kenne, sind da ein Bonus, weil ich dann nicht merke, was die Sänger*innen für einen Flachsinn verzapfen. Deswegen fand ich die „Von den Elben“-Scheibe von Faun auch so grauslig: Auf Neuhochdeutsch übersetzt sind einige Musikstücke für mich auf ewig entzaubert worden.

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 27. September 2014 um 8:40 Uhr

    Dass du mit 14 mehr Englisch konntest als ich mit 11, ist wahrscheinlich.
    Ich kann gar nicht so pauschal sagen, wie wichtig mir bei Songs der Text ist. Ich höre ja viel in Sprachen, die ich gar nicht (Chinesisch, Finnisch etc.) oder kaum (Russisch) verstehe, da geht es dann ohnehin an mir vorbei. Bei Fabrizio de André (it.) und Nino Ferrer (frz., manchmal it.) höre ich sehr auf die Texte, da sie oft sehr poetisch bzw. lustig sind. Dann gibt es auch wieder Songs, wo ich den Text verstehe, aber darüber hinweg höre, weil mich die Melodie mehr fesselt. Und bei manchen Liedern finde ich den Text doof, ignoriere das aber einfach, weil mir eben die Melodie gefällt. Ist jedes Mal anders.

  5. 5 Gerd D. 24. Januar 2015 um 15:28 Uhr

    Ach, Blümchen gemocht zu haben ist doch gar nicht so peinlich.
    So wie ich mich an die Neunziger erinnere – während der ich oft noch in irgendwelche Diskos mitgeschleppt wurde – war Blümchen eine richtiggehende Wohltat für die Ohren, im Technogedöns jener Tage.

  6. 6 Fiammetta de Bornelh 24. Januar 2015 um 16:23 Uhr

    „Piep piep, kleiner Satellit“ ist nicht peinlich? Na ja…
    An Diskobesuche war für mich damals aus Gründen des Alters noch gar nicht zu denken, mit Musik kam ich über das Radio oder über Viva in Kontakt.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


eins × = zwei