Wasser der Saale, Wasser des Rheins

Ich war ja mal wieder richtig schnell… Schon einen Monat nach dem Startdatum von Die geliebten Schwestern habe ich mir den Film tatsächlich angeschaut. Ich wollte ihn eigentlich nur wegen Henriette Confurius und wegen Thüringen sehen, erwartete nicht viel und wurde positiv überrascht. Gescheite Filmrezensionen kann ich nicht schreiben (mir fehlt ganz einfach das Vokabular), aber das Bedürfnis, etwas dazu zu sagen, ist doch da. Also…
„Nur wegen Henriette Confurius“ (die in diesem Film die jüngere Schwester Charlotte spielt) muss ich gleich ein wenig ausführen. Ich habe den Film Mein erstes Wunder damals 2002, als er in die Kinos kam, geliebt und liebe ihn noch heute, es ist einer der wenigen Filme, die ich auf DVD besitze. Als ich zum ersten Mal einen Trailer für Die geliebten Schwestern sah, erkannte ich das zur jungen Frau gewordene Mädchen nicht wieder, rief aber, als ihr Name eingeblendet wurde, innerlich aus: Meine Güte, das ist doch Dole! Wie hübsch sie geworden ist! – So war ich denn auch gestern schon nach ein paar Minuten begeistert, als Charlotte so trotzig schaute, wie Dole damals vor 12 Jahren so gern geschaut hatte. Aber ich vergaß meine Erinnerungen an die Geschichte von damals relativ schnell, weil die jetzt über die Leinwand flimmernde mich in ihren Bann zog.
Der Film transportiert große Gefühle, ohne dabei übertrieben kitschig zu werden. Man fühlt mit allen drei jungen Leuten, die sich da zwischen der schnellfließenden Saale und den mit Feldblumen bestandenen Wiesen treffen und kann ihre Zuneigung füreinander nachvollziehen; dass Friedrich beide liebt, erscheint nicht merkwürdig und dass die Flussgöttinnen ihn teilen wollen, auch nicht. Überhaupt Flüsse: Die spielen in dieser Geschichte eine nicht unwichtige Rolle; nach einem unfreiwilligen Bad in der Saale kommen die drei Hauptfiguren sich erstmals körperlich näher, am Rheinfall von Schaffhausen leisten die jungen Schwestern einen heiligen Eid, den Rheinfall wird Caroline als unglückliche Flüchtende wiedersehen und er wird das einzige sein, an das sich der kleine Adolf von den geheimnisvollen ersten Jahren seines Lebens erinnert.
Einige Details sind mir (positiv) aufgefallen. Mir gefiel die Idee, dass die verschiedenen Personen die Texte ihrer Briefe teilweise direkt in die Kamera sprechen; die Szene gegen Ende, an der die beiden Damen an Schillers Bett sitzen, erinnert an jene andere, Jahre früher spielende, in der er ebenfalls krank im Bett liegt und ihnen das erste Mal explizit sagt, dass er sie beide liebt. Und das arme Geschirr, das auf dem Boden zu Bruch geht, geschleudert von denjenigen, die gemeinsam aus ihm hätten trinken sollen…
Von Jena, Weimar und Rudolstadt hätte ich gern ein wenig mehr gesehen, aber vieles sieht wohl einfach nicht mehr aus wie damals – das heutige Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität ist bspw. erst etwas über hundert Jahre alt, da konnte der junge Fritz seine Antrittsvorlesung noch nicht halten. Dass man am Ende das Schillerhaus in Weimar in seinem heutigen Rahmen sieht, fand ich eine schöne Idee. Die Passagen über die sich entwickelnde Technik des Buchdrucks waren interessant für mich – ob historisch alles korrekt war, kann ich nicht beurteilen, hoffen wir es einfach. Apropos Historie: Hat man damals Briefe tatsächlich so verschickt, sie gefaltet, versiegelt, vorn draufgeschrieben „An Herrn/Frau xyz in der Stadt soundso“ und es kam an?
Neben all den erhabenen Gefühlen und all der Tragik gibt es an einigen Stellen auch etwas zu lachen. Dass die Mutter mit ihren Töchtern Französisch spricht, damit die Dienstboten es nicht verstehen (und damit, wie sie glaubt, Monsieur Schiller es nicht versteht) ist irgendwie süß und die Stelle, an der alles mit Fernrohren u.ä. bewaffnet am Fenster steht, weil Goethe und Schiller sich am Flussufer unterhalten, ist sogar urkomisch. Und der Dialekt, den die einfacheren Leute teilweise sprechen…
Falls sich jemand eine ausführliche Inhaltsangabe erhofft hat: Ist schon von jemand anderem erledigt worden, schaut mal hier. Die Stimmung, die der Film verbreitet, ist nicht leicht zu beschreiben – schaut ihn euch einfach selbst an.


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