Von Wales bis Korsika

Ein Freund schickte mir vor einiger Zeit einen Link zu einem Lied, mit dessen Hilfe dier geneigte Zuhörer_in lernen soll, einen komplizierten walisischen Ortsnamen auszusprechen. Ich habe es nicht gelernt, aber das Lied gefiel mir und inspirierte mich zu meinem heutigen Post, der Liedern in europäischen Minderheitensprachen gewidmet sein soll.
Beginnen wir geographisch in der Nähe (OK, in meiner Nähe) und mit einem im Gegensatz zum soeben genannten Song ganz einfachen Titel. Bala bala bala hieß die auf Sorbisch gesungene offizielle Hymne der letzten Europeada. Da diese nicht jeder_m ein Begriff sein wird, kurze Erläuterung: Die Europeada ist die Fußballmeisterschaft der sprachlichen Minderheiten Europas, die 2008 erstmals und 2012 zum zweiten Mal in zeitlicher Nähe zur großen Fußball-EM stattfand. Gastgebende Region war 2012 die Lausitz, wo sorbisch gesprochen wird. Ich mag das fröhliche Lied und da ja in diesen Tagen die Fußball-WM 2014 zu Ende geht, finde ich es momentan auch passend.
Und schon sind wir bei den romanischen Sprachen, bei denen ich mich naturgemäß einfach am besten auskenne. Beginnen wir mit etwas Ruhigem: O ciucciarella ist ein korsisches Wiegenlied. Es gab auf YouTube früher eine von Tino Rossi (vielleicht dem prominentesten Korsen neben Napoleon ;) ) gesungene Version, die mir sehr gefiel, aber die hier verlinkte findet auch Gnade vor meinen Ohren.
Meine Lieblingsminderheitensprache (was für ein langes Wort, aber der walisische Ortsname ist noch viiieel länger :) ) ist das Okzitanische und mein Problem ist, dass ich keine in dieser Sprache singende Band finde, die mir wirklich gefällt. Ganz gut finde ich Parla patois vom Massilia Sound System. Der Text muntert dazu auf, die eigene Sprache selbstbewusst zu verwenden (ich verstehe von dem, was die Herren da singen, kaum etwas, zumal sie Provenzalisch singen und meine mageren Sprachkenntnisse languedokisch sind, aber hier gibt es den Text auch nochmal zum Mitlesen und da kann ich besser folgen).
So viel zum Thema auf dem französischen Territorium lebende Minderheiten. Ob tschellufjek wohl bretonische Bands kennt…?
In Italien sind die drei Mädels der Gruppe Ganes zuhause. Sie singen auf Ladinisch, das zusammen mit dem Bündnerromanischen (Graubünden, Schweiz) und dem Friaulischen (Friaul, Italien) zu den rätoromanischen Sprachen gehört. Hier sind sie in Aktion zu hören und zu sehen – ich habe genau dieses Video ausgewählt, weil man unter „Info“ sowohl den Originaltext als auch die deutsche Übersetzung nachlesen kann. Wenn ich die Sprache nur höre, habe ich so gut wie keine Chance und auch beim Lesen verstehe ich nicht gerade sehr viel. Die rätoromanischen Sprachen sind wohl zusammen mit dem Rumänischen von allen romanischen die für mich schwierigsten. Aber egal, Ganes sind super, auf YouTube gibt es noch einiges mehr von ihnen und es lohnt sich wirklich, sich das reinzuziehen. Dieser präzise mehrstimmige Gesang und die gute Laune, die sie bei Live-Auftritten verbreiten – ich könnte glatt ins Schwärmen geraten. ;)
Ich hoffe, euch ein wenig bereichert zu haben!


8 Antworten auf „Von Wales bis Korsika“


  1. 1 tschellufjek 12. Juli 2014 um 22:13 Uhr

    Auf solche Musiktipps habe ich gewartet! Vielen Dank.
    Das korsische Wiegenlied fand ich besonders schön, sowohl von der Melodie als auch vom Sprachklang her. Rätoromanisch habe ich bisher nur einmal in einer schweizer Gletscherbahn gehört. Habe es aber nicht so schön in Erinnerung wie den Gesang von Ganes.
    Wie kommst du denn an languedokische Sprachkenntnisse? :)
    Bezüglich bretonischer Bands: Natürlich kenne ich welche!!!
    Das bekannteste bretonische Lied wurde vor nicht allzu langer Zeit von Nolwenn Leroy gecovert und nennt sich „Tri Martolod“ (=drei Matrosen). Die schönste Version ist die von dem bretonischen Altmeister Alan Stivell (http://www.youtube.com/watch?v=PRpNVMjnDmY). Eine modernere Form der bretonischen Musik wird von den Ramoneurs de Menhirs verkörpert, die zumindest in der Region sehr bekannt sind. Hier findest du ihre Internetseite: http://www.ramoneursdemenhirs.fr/. Die Band nimmt traditionelle Klänge der bretonischen Musik auf und gibt ihr dabei einen modernen und schnelleren Beat, so wie in diesem Lied: http://www.youtube.com/watch?v=n6pJ4PriGzQ.
    Und schließlich wäre da noch meine Lieblingsband: Matmatah. Eine Band aus Brest, welche in der zweiten Hälfte der Neunziger und zu Beginn des neuen Jahrtausends national bekannt unterwegs war. Sie singen zwar fast ausschließlich auf Französisch, lassen allerdings bretonische Melodien in ihre Rockmusik einfließen, was ihrer Musik einen sehr interessanten speziellen Sound gibt. In diesem Song singen sie über ein populäres Viertel der Stadt Brest, Lambézellec: http://www.youtube.com/watch?v=n6pJ4PriGzQ. Achte hierbei auf ihre Art und Weise zu singen. Mein Lieblingslied ist übrigens „La fille du chat noir“.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 13. Juli 2014 um 9:13 Uhr

    Mercés plan für die Links, ich werde mich weiterbilden.
    Zum Thema Languedokisch: Ich habe mich im Studium mit dem Altokzitanischen beschäftigt (der Name de Bornelh kommt nicht von ungefähr – in meinem Text „Kleider aus Klang“ erkläre ich das alles genauer) und wollte dann auch die moderne Form der Sprache kennenlernen. Also bin ich 2009 zu einem Sprachkurs in ein Dorf nördlich von Toulouse gefahren, habe zumindest ein bisschen was gelernt und was da unterrichtet wurde, war eben Languedokisch, d.h. eine Untervarietät davon, in der es nur eine Affrikata gibt, [ts]. Es hieß damals, der heutige Standard beruhe auf dem Languedokischen, aber ich stoße doch öfter auf andere Dialekte, z.B. das Provenzalisch des Massilia Sound System. Vielfalt ist ja eigentlich super, verwirrt einen aber auch.

  3. 3 tschellufjek 13. Juli 2014 um 15:22 Uhr

    Ich möchte nun schon seit 3 Jahren die bretonische Sprache lernen, aber jedes Mal, wenn ich hier bin, finden entweder gar keine Kurse statt oder nur sehr teure Kurse, deren Termine mir nicht passen. Habe aber jetzt erfahren, dass jeder an der Universität von Brest (ich schätze mal, dass dies auch für die Unis von Vannes, Lorient und Rennes gilt) in jedem Semester kostenlos bretonische Sprachkurse besuchen kann. Ich hoffe, dass ich dieses Angebot in den kommenden Jahren in Anspruch nehmen kann! Und wenn es dich zu den keltischen Sprachen hin verschlägt, dann weißt du jetzt, wo du das passende Angebot findest ;) Der Uni-Kurs wäre übrigens, meines Wissens nach, kostenlos!

  4. 4 tschellufjek 17. Juli 2014 um 21:50 Uhr

    Hier die Hymne der Bretagne mit Liedtext im Video: http://www.youtube.com/watch?v=cT34lBdVgls&list=PL3252950A4E9D446B&index=4

  5. 5 Fiammetta de Bornelh 18. Juli 2014 um 8:39 Uhr

    Dieses Video kann ich mir leider von Deutschland aus nicht anschauen, aber ich habe eine andere Version der bretonischen Hymne gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=yLIbkO9Qm3Y Klingt irgendwie nach Norden und Meer. Die Sprache ist für mich völlig fremd; ich hatte im Studium zwar ein wenig Keltisches, aber es war eben wenig und sagte mir auch nicht viel.
    Hier ist die okzitanische Hymne, die ich damals auch gelernt habe: https://www.youtube.com/watch?v=8YTkzUOG2ao (Die Version ist mir ein wenig zu weichgespült, aber dafür ist der Text dabei).
    „La fille du chat noir“ gefällt mir übrigens gut, das fetzt. :)

  6. 6 tschellufjek 18. Juli 2014 um 11:47 Uhr

    Das Okzitanische ähnelt eher den anderen romanischen Sprachen als der französischen Sprache. Das liegt vermutlich daran, dass der Einfluss der Franken im Süden eher gering bis gar nicht vorhanden war, oder? Das Nordfranzösische hat sich dann ja erst ab dem 16. Jahrhundert peu à peu durchgesetzt. Schade, dass der frz Staat den Minderheitensprachen auf seinem Territorium so feindselig gegenübersteht.

    Ja, das Gitarrenspiel und der abgehackte Gesang machen das Lied echt flott :)

  7. 7 Fiammetta de Bornelh 18. Juli 2014 um 13:03 Uhr

    Das Okzitanische und das Katalanische sind Zwillingsschwestern, bei mittelalterlichen Texten kann man manchmal gar nicht sagen, welche der beiden man gerade vor sich hat.
    Ja, das Französische hat fränkisches Superstrat abbekommen und das Okzitanische irgendein anderes, habe ich vergessen. Und das Französische hat generell ein paar Besonderheiten, die es von den anderen romanischen Sprachen unterscheiden, ich sage nur Diphthongierung von geschlossenem [e] und [o] sowie von [a]. Alle anderen lassen soweit ich weiß nur das offene [e] und [o] diphthongieren und die Entwicklung geht auch nicht so weit wie im Frz. (Solche Dinge wurden mir im Kurs „Histoire de la langue“ in Lyon eingepeitscht!)
    Und ja, die minderheitenfeindliche Politik in Frankreich hat viel Schaden angerichtet. Jetzt rudern sie langsam zurück, aber teilweise ist es schon zu spät.

  8. 8 tschellufjek 18. Juli 2014 um 20:12 Uhr

    Die zwei Linguistikkurse, die ich hatte, fand ich tierisch ätzend. Das lag aber auch an dem schlechten Lehrpersonal. An für sich finde ich die Sprachwissenschaft nicht uninteressant. Meine Lieblingsdisziplin wird sie dennoch nie werden und ich muss gestehen, dass ich fast alles, was ich gelernt hatte, vergessen habe. Daher danke ich dir für das bisschen Alltagslinguistik, das du zwischendurch auf deinem Blog deinen Leser_innen präsentierst!

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