parole, parole, parole…

Wenn ich diesen alten italienischen Titel schon zitiere, kann ich auch gleich auf eine, wie ich finde, sehr schöne neuere Version verlinken – also, klick.
Was ich aber eigentlich wollte: wieder ein paar schöne Wörter vorstellen, die ich in letzter Zeit entdeckt habe.
Wie ich in meinem letzten Post erwähnte, habe ich gerade wieder einen Band mit Erzählungen von Irène Némirovsky gelesen und wie ich ebenfalls erwähnte, werden in den ersten beiden Geschichten junge Mädchen von ihren jeweiligen Freunden versetzt bzw. befürchten, versetzt worden zu sein. Wie man das auf Französisch nennt, wusste ich vorher nicht und weiß es jetzt: poser un lapin à quelqu‘un. Woher der Hase? Das konnte ich bisher nicht herausfinden.
In irgendeiner anderen Geschichte kam ein Wort vor, das mir sofort verständlich war, das ich aber irgendwie süß finde: endimanché, „sonntäglich gekleidet“, wörtlich „eingesonntagt“. :)
Etymologisch auf eine falsche Fährte geführt hat mich das Verb quémander, das „bitten, betteln“ bedeutet. Ich hätte an eine Kreuzung aus quérir und demander gedacht, aber laut Petit Robert leitet es sich vom altfranzösischen caïmand, „Bettler“, her. Im Greimas konnte ich dieses Wort nicht finden und daher nicht sagen, woher es seinerseits kommt, die Spur endet hier.
Und dann lese ich ja ab und zu auch italienische Bücher…. in einem solchen stieß ich auf frangiflutti, „flutbrechend“. Das Wort kann auch als Substantiv verwendet werden und „Flutbrecher“ bedeuten, in meinem Text war es aber ein Adjektiv. Es gefällt mir irgendwie, weil es das kraftvolle lateinische frangere fortsetzt, das im Italienischen als Verb eher selten ist (für „brechen, zerbrechen“ wird in der Regel rompere oder spezzare verwendet.)
Beim Lesen fremdsprachlicher Werke genau hinzuschauen und ab und zu ein (etymologisches) Wörterbuch zu konsultieren kann sich lohnen, möglicherweise erwarten einen ein paar süße Beeren.


4 Antworten auf „parole, parole, parole…“


  1. 1 Carmilla DeWinter 04. Juli 2014 um 20:32 Uhr

    Hmm. Hübsche Wörter, obwohl ich die Sprachen dazu nicht oder nur ein bisschen kenne.
    In diesem Zusammenhange: Das neu gelernte englische Wort war „lugubrious“ – traurig, düster, kummervoll, schwermütig, wehmütig. (Ich weiß, warum ich lieber Englisch schreibe als daraus übersetze …) Hat nach meinem 1998er Pons immerhin einen von fünf Häufigkeitssternen, ist mir aber in einer geschätzten halben bis ganzen Milliarde gelesenen englischen Wörten noch nie begegnet.

  2. 2 Trippmadam 04. Juli 2014 um 21:46 Uhr

    Ich habe gerade einmal mein altfranzösisches Wörterbuch konsultiert: zu „caïmander“ heißt es lapidar, dass die Etymologie unbekannt sei.

  3. 3 tschellufjek 05. Juli 2014 um 10:04 Uhr

    Meine Kollegen waren sehr erstaunt als ich den hier auf deiner Seite gelernten Satz „poser un lapin à qn“ von mir gegeben habe :) Solche Schmankerl als Ausländer_in vom Besten zu geben, schlägt stets ein wie eine Bombe. Danke dir!!

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 05. Juli 2014 um 10:18 Uhr

    @ Carmilla: Ha, das Wort kommt mir bekannt vor – im Italienischen gibt es das Adjektiv „lugubre“, bedeutet laut Paravia „finster, düster, schaurig“. Meiner Meinung nach geht die Bedeutung ein wenig Richtung „makaber“, so wurde es mal in einem Roman verwendet (eine Mutter hat ihre Tocher Naomi Diana genannt und möchte sie nach dem Tod von Prinzessin Diana nur noch mit Naomi ansprechen, da sie Diana als „lugubre“ empfindet).
    Jetzt ist meine etymologische Neugier geweckt… Holt die Wörterbücher raus. :)
    Lateinisch lugubris: zur Trauer gehörig, trauernd / unheilvoll; das Verb lugeo bedeutet „in Trauer sein“.
    Im Französischen gibt es lugubre als Adjektiv, bedeutet laut Petit Robert „auf Trauer hindeutend / düster, traurig machend.“ Da es erst ab 1300 belegt ist (und ich es im Greimas gar nicht finde), würde ich schätzen, dass das Wörtchen direkt aus dem Lateinischen und nicht aus dem Französischen ins Englische gelangt ist.

    @ Madam: Welches WB für Altfranzösisch verwenden Sie? Der Greimas ist sicherlich nicht allwissend, aber handlich und erschwinglich, daher habe ich ihn hier.

    @ tschellufjek: Hihi. ;) Leute verblüffen macht doch immer wieder Spaß.

    Euch beide, die ich zuletzt ansprach, musste ich übrigens wieder aus der Spam-Abteilung fischen – durch Schaden wird man klug, ich habe daran gedacht, mal hineinzuschauen.

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