Archiv für Juli 2014

Magali, Cécile und die alltägliche Diskriminierung

Als Mademoiselle Fiammetta jünger war, wollte sie Literaturübersetzerin werden. Sie unternahm ein paar Versuche in diese Richtung, die aber nicht von Erfolg gekrönt waren, so dass sie heute viel von ihrer Motivation auf diesem Gebiet verloren hat und sich auf ihre Tätigkeit als Fachübersetzerin konzentriert.
In der virtuellen Schublade liegt aber ein bisschen was, u.a. die angefangene Übersetzung eines französischen Romans, Magali, Yourcenar et moi von Éliane Girard (Paris 2003). Ich hatte damals Pläne damit, habe ihn auch einem deutschen queeren Verlag angeboten, die wollten ihn aber nicht und auch ich verlor dann irgendwie das Interesse bzw. den Glauben an das Projekt. So großartig ist der Roman auch wieder nicht, ich war nicht mehr ausreichend von ihm überzeugt, um ihn anderweitig anpreisen zu können. Einige Passagen gefallen mir aber noch heute und im Grunde ist es schade, dass sie deutschsprachigen Leser_innen für immer unbekannt bleiben werden. Also dachte ich mir, dass ich ja mal ein Stückchen veröffentlichen kann und das tue ich heute. (mehr…)

Ein Gleichnis

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit jemandem, wir kamen auf das Thema Asexualität zu sprechen und er sagte, meine Orientierung sei doch ein großer Nachteil für mich, da sie meine Chancen, eine Beziehung führen zu können, so stark mindere. Irgendwie schien es ihn zu wundern, dass ich nicht permanent mit verzagter Miene herumlaufe, sondern gelassen in die Zukunft sehe.
Warum bin ich nicht unglücklich, obwohl ich das der Meinung gewisser Leute nach offenbar sein sollte? (mehr…)

Lästern auf Französisch

Bei meinem letzten Besuch der Bibliothek fiel mein Blick auf einen Band mit Erzählungen (Contes) von Alfred de Musset. Den Autor kannte ich bis dahin so gut wie gar nicht – die berühmte Histoire d‘un merle blanc hatte ich irgendwann gelesen, ebenso ein paar Gedichte (ich erinnere mich dunkel an einen Mond, der über einem Kirchturm steht, so dass er wie ein Punkt auf einem i wirkt).
Nun habe ich das Buch durch, die Geschichten waren nicht schlecht und aus einer möchte ich ein wenig zitieren, einige Stellen waren wirklich lustig.
Die Geschichte selbst, Le Secret de Javotte, ist eher tragisch – am Ende verliert ein junger Mann im Duell sein Leben; wäre er weniger auf seine Ehre bedacht gewesen, hätte er sich (und vor allem seinem Bruder und seiner Mutter, die ihn sehr lieben) das Ganze ersparen können. Einige Passagen sind jedoch reizend. (mehr…)

Andersrum

Ich habe heute und vorgestern etwas getan, das ich seit Jahren nicht mehr gemacht hatte: Vom Deutschen in eine andere Sprache (in diesem Falle Französisch) übersetzt.
An der Uni hatten wir entsprechende Kurse, es wurde uns damals aber gesagt, dass wir das wahrscheinlich nach dem Studium nie wieder würden machen müssen. Es war ein Romanistikstudium, das ohnehin nicht dazu gedacht war, künftige Übersetzer_innen auszubilden und dass Menschen in eine andere als ihre Muttersprache übersetzen ist in Deutschland ohnehin weniger üblich. Soweit ich es mitbekommen habe, werden Übersetzer_innen in Italien darauf vorbereitet, auch in ihre (meistens zwei) studierten Fremdsprachen zu übersetzen, die Ergebnisse lassen aber oft zu wünschen übrig.
In der internationalen Übersetzer_innen-Community löst die Frage „Auch in die Fremdsprache übersetzen – ja oder nein?“ immer wieder Glaubenskriege aus. (mehr…)

Von Wales bis Korsika

Ein Freund schickte mir vor einiger Zeit einen Link zu einem Lied, mit dessen Hilfe dier geneigte Zuhörer_in lernen soll, einen komplizierten walisischen Ortsnamen auszusprechen. Ich habe es nicht gelernt, aber das Lied gefiel mir und inspirierte mich zu meinem heutigen Post, der Liedern in europäischen Minderheitensprachen gewidmet sein soll. (mehr…)