Was ist das denn für eine Flagge?

Oder: Die Abenteuer der asexuellen Fußgruppe auf dem Berliner CSD (mit Bildchen).
Auch in diesem Jahr wollten wir wieder in der Hauptstadt auf die Straße gehen und da der uns vertraute transgeniale CSD nicht stattfand und ich von den anderen möglichen Alternativen zu spät erfuhr (für alle Nichtberliner_innen: Es ging dieses Jahr wirklich drunter und drüber), hatte ich uns beim „großen“ angemeldet, der vom Ku‘damm zur Siegessäule pilgern würde.
Lustigerweise bekommen gerade diejenigen, die selbst mitlaufen oder -fahren, von den anderen Gruppen am wenigsten mit, ich kann also über den Gesamtcharakter der Aktion gar nicht viel sagen (werde mir selbst noch Fotogalerien anschauen). Vor und hinter uns waren Kraftfahrzeuge, die Musik mit kräftigen Bässen absonderten, was mich am Start ziemlich nervte, beim Laufen nachher aber gar nicht mehr so schlecht war. Die Stimmung habe ich als sehr fröhlich empfunden und von so vielen Augen angeguckt und so vielen Kameras fotografiert zu werden war irgendwie aufregend, stellenweise fühlte ich mich wie beim Festival von Cannes oder sonstwo. Mehr Aufmerksamkeit für unsere Orientierung wünschen wir Asexuellen uns oft und gestern haben wir sie bekommen, eindeutig.
Wiederum hatten wir uns im Vergleich zum Vorjahr vergrößert, unsere Gruppe war sechseinhalb Personen stark (die halbe Person konnte nicht die gesamte Strecke mitlaufen), wir hatten eine Fahne zum Schwenken, zwei Schilder und mehrere Kilo Flyer. Diese waren viel schneller alle als gedacht – irgendwie waren die verteilenden Hände sehr fleißig bzw. die entgegennehmenden Hände sehr begierig… Über unser Schild mit der Aufschrift „10 von 10 Asexuellen haben lieber Kuchen als Sex“ haben sich viele Leute kaputtgelacht, der Spruch scheint sehr witzig zu sein. Gelacht haben einige Menschen auch über den Begriff Asexualität an sich bzw. über die Tatsache, dass sie da gerade neben der asexuellen Gruppe herliefen, sie konnten es gar nicht fassen. Ein paar Typen taten aus Spaß so, als hätten sie Angst, sich „anzustecken“. Wir haben einfach mitgelacht.
Auch als wir gar nicht mehr vollzählig waren und nur noch um die Siegessäule herumliefen, fiel die große Fahne (d.h. die beiden großen Fahnen, ich trug nämlich eine wie ein Kleidungsstück, s.u.) den Menschen ins Auge, wir wurden immer wieder gefragt, was das denn für eine sei. Einigen reichte die kurze Auskunft „das ist die Fahne der Asexuellen“, andere wollten ein wenig mehr wissen. Schade, dass wir keine Flyer mehr hatten…
Der schlimmste Guss kam zum Glück erst, als wir uns schon auf dem Heimweg befanden, aber es war doch etwas kühl – und windig, das merkt man ganz deutlich, wenn man 50×50 cm großes Schild an einer dünnen Stange hält (zum Glück hatten wir es supergründlich festgemacht).
So, nun aber die versprochenen Fotos. Auch wenn einige einverstanden gewesen wären, ihr Gesicht zu zeigen, habe ich alle unkenntlich gemacht, auf diesem Blog gibt’s keine konkreten Personen.

Carmillas Kostüm (und ihre elegante Haltung – so hat sie sich im Grunde die ganze Zeit bewegt)

Meine Flaggentoga (es sah aus wie eine Kreuzung aus römischem Kaiser und Superman)

Unsere Flatterflagge

Carmillas Frisur (meine Marie-Antoinette-Sprüche waren einfach nur Neid)

Unsere Gruppe

Und da man die Aufschrift auf dem großen Schild auf dem Bild wirklich schlecht erkennt (und, wie böse Zungen behaupten, nicht nur auf dem Bild ;) ), hier nochmal ein Extrafoto von ihm:

Viele Grüße an alle Mitlatscher_innen! War super, dass ihr dabei wart, zumal angesichts des nicht optimalen Wetters.


8 Antworten auf „Was ist das denn für eine Flagge?“


  1. 1 Jürgen 23. Juni 2014 um 12:19 Uhr

    Danke für den Bericht und die Fotos :-) Toll, dass ihr mitgelaufen seid! Wie fandest du die Resonanz im Vergleich zum tCSD im letzten Jahr?

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 23. Juni 2014 um 17:29 Uhr

    Unterschiede zum tcsd? Nun… Das Ganze war einfach größer, sowohl auf Teilnehmer_innen- als auch auf Zuschauer_innenseite. Da der große CSD seit etlichen Jahren für schrille Kostüme bekannt ist, standen sehr viele Leute mit Kameras da und auch wir wurden wie erwähnt sehr oft fotografiert. Auf dem tcsd wurde natürlich auch ein wenig geknipst, aber nicht in diesem Ausmaß.
    Und dieses Jahr hatten wir ja erstmals eine Fahne (bzw. zwei) dabei und die gab oftmals den Anstoß für Fragen, weil sie einfach so stark ins Auge fiel.
    Vielleicht waren es beim tcsd ein wenig mehr Leute, die von Asexualität schon gehört hatten, vorgestern schien die Sache allen neu zu sein. Richtig negative Reaktionen gab es aber nicht, die Leute waren gleichgültig bis neugierig.

  3. 3 Carmilla DeWinter 26. Juni 2014 um 12:55 Uhr

    Dankeschön! Werde gleich weiter verlinken.

    Elegant mag die Haltung sein, beweist aber wieder mal, dass ich an meinen Fingerchen noch arbeiten muss.

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 26. Juni 2014 um 15:21 Uhr

    Ich finde dich graziös bis in die Fingerspitzen ;) , verstehe aber natürlich nichts von den Feinheiten.

  5. 5 Silke 27. Juni 2015 um 3:36 Uhr

    Ich möchte in diesem Jahr gerne mitgehen, weiß aber nicht, wo ich das Grüppchen der Asexuellen finden kann!
    Einfach auf gut Glück traue ich mich nicht. Ich war noch nie auf dem CSD.

  6. 6 Fiammetta de Bornelh 27. Juni 2015 um 7:30 Uhr

    Wir treffen uns heute um 12 Uhr am S-Bahnhof Savignyplatz, Ausgang Bleibtreustraße, in der kleinen Vorhalle. Sind bisher fünf Personen.

  7. 7 Der Ivan 19. September 2015 um 21:36 Uhr

    Hoj, der „Ivan“ ist auch asexuell.
    Ich bin übrigens der Kerl, der überall schreibt „Ivan war hier“

    Eigentlich heiße ich Yaroslav und bin aus Russland

    Nächstes Mal, ich bin auch dabei Genossen.

  8. 8 Fiammetta de Bornelh 20. September 2015 um 9:38 Uhr

    Wir freuen uns immer über Verstärkung.
    Nächstes Jahr wird der Berliner CSD später als gewohnt stattfinden, am 23. Juli. Ich sage rechtzeitig Bescheid. :)

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