Same same, but different?

In der aktuellen Ausgabe des vom Bisexuellen Netzwerk herausgegebenen Journals Bijou (das ich, seit ich vor Jahren einmal einen Artikel beisteuerte, stets erhalte) findet sich ein von Thomas Östreicher geführtes Interview mit Jürgen Domian, dem Moderator der nach ihm benannten berühmten Sendung. Ich habe sie persönlich nie gehört oder gesehen und wusste bisher auch nichts über Domian selbst; durch die Lektüre des Interviews habe ich erfahren, dass der mittlerweile 54-Jährige sich als bisexuell bezeichnet und seit vielen Jahren offen zu seiner Orientierung bekennt.
Das Interview war für mich sowohl ganz allgemein als auch in meiner Eigenschaft als (biromantische) Asexuelle interessant zu lesen. Im Folgenden einige Auszüge mit Kommentar…
Relativ am Anfang bin ich auf den folgenden Abschnitt gestoßen:
Früher gab es nur Heterosexualität und Homosexualität – wenn überhaupt. […] [Es war schwierig], die eigene Identität zu sehen und die Frage zu beantworten: Wer bin ich eigentlich? Denn man bekam ja damals in der Literatur, in Filmen, im Theater nur diese beiden Modelle vorgeführt: Es gibt Heterosexuelle und am Rande die Homosexuellen. Mehr gibt es nicht.
Liebe hier lesenden asexuellen Menschen, kommt euch das bekannt vor?
Ins Auge gefallen ist mir auch der folgende Satz, gegen Ende:
[…] Mit dem Verstecken geht die Haltung einher, dass es etwas Versteckenswertes gibt. (Domian wünscht sich mehr offen bisexuelle Prominente und überhaupt offen bisexuelle Menschen, damit Vorurteile abgebaut werden können und die Orientierung irgendwann als ganz alltäglich gilt.) Diese Aussage gibt mir einen zusätzlichen Motivationsschub für den vor der Tür stehenden CSD, an dem ich gemeinsam mit einigen anderen Asexuellen teilnehmen werde.
Mit was für Vorurteilen Bisexuelle zu kämpfen haben? Nun, zum Beispiel:
[…] dass man einem Bisexuellen immer unterstellt, er sei promisk, einfach weil er bisexuell ist. Was für ein Unfug! (Domian berichtet, dass er im Wechsel Beziehungen mit Männern und mit Frauen hatte).
Ein weiteres Problem:
Sich selbst als bisexuell Bezeichnende werden [in der Schwulenszene] als Feiglinge stigmatisiert – du traust dich ja nur nicht zu sagen, dass du schwul bist“. […]
Das erinnert mich irgendwie an heteroromantische Asexuelle, die sich selbst als queer fühlen/bezeichnen und von z.B. Homosexuellen zu hören bekommen, sie seien doch straight und in der queeren Szene sei kein Platz für sie. Und bisexuell=promisk, hélas, das ist ein Vorurteil, das auch biromantischen Asexuellen manchmal das Leben schwer macht… a und bi, das geht irgendwie nicht, denn bi sind doch die Leute, die mit jedem und jeder Sex haben wollen. (Und ich persönlich kann mich an mehr als eine Gelegenheit erinnern, bei der ich einem Mann erzählte, ich sei asexuell und könne mich in Männer und Frauen verlieben und mein männliches Gegenüber dann dachte, ich sei homosexuell und wolle das nur nicht zugeben oder wisse es noch nicht. Wenn ich dann noch erzähle, dass mich Frauen rein ästhetisch mehr ansprechen, dass ich nie für einen männlichen Schauspieler, wohl aber für diverse SchauspielerINNEN geschwärmt habe, ist die Verwirrung perfekt, dann wird mir nahegelegt, doch einmal mit einer Frau zu schlafen, dann würde ich schon merken, dass ich das eigentlich will. GRRRRR.)
Ups, da ist ein wenig Dampf aus meinem persönlichen Kessel entwichen. – Fiammetta empfindet also gegenüber keinem Geschlecht sexuelle, gegenüber Männern und Frauen romantische und gegenüber Frauen ästhetische Anziehung. Was Monsieur Domian am Schluss sagt, legt nahe, dass auch er zwischen verschiedenen Arten von Anziehung unterscheidet, auch wenn er das nicht explizit so ausdrückt.
[…] Bei mir ist die Differenzierung so ausgefallen, dass mich Frauen sexuell sehr interessieren, ich mich aber nicht mehr in eine Frau verlieben könnte.
[Interviewer:] Das heißt, Sie unterscheiden für sich zwischen Offenheit für eine Liebe und sexuellem Begehren?
[Domian:] Genau. […]

Klingt für mich doch stark nach homoromantisch und bisexuell und untermauert meine Vermutung, dass (auch nicht asexuelle) Menschen, deren romantische nicht identisch mit ihrer sexuellen Orientierung ist, gar nicht so selten sind.
Das vollständige Interview scheint vorläufig nur in der gedruckten Version des Journals verfügbar zu sein, hier findet sich in dem Moment, in dem ich dies schreibe, nur eine Vorschau.
Herr Domian, falls Sie dies lesen: Ich danke Ihnen für Ihr Statement!


1 Antwort auf „Same same, but different?“


  1. 1 Carmilla DeWinter 26. Juni 2014 um 12:50 Uhr

    Da sagt er tatsächlich ein paar sehr kluge Sachen. Vor allem das mit dem Verstecken. Wer hat schon Lust, sich ohne Not in Grund und Boden zu schämen?

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