Zweig in Zubrowka

Angelockt vom vielversprechenden Trailer habe ich mir gestern Grand Budapest Hotel angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Nun hatte ich ein paar Tage zuvor auf irgendeinem Blog eine Kritik gelesen, in der u.a. kurz auf die Inspiration durch Stefan Zweigs Werke eingegangen wurde. Heute habe ich mich nach eben diesem Text dumm und dämlich gesucht, ihn aber nicht mehr gefunden. Da ich dort keinen Kommentar hinterlassen kann, widme ich der Sache einfach selbst einen Beitrag.
An Stefan Zweig hat mich vor allem die Tatsache erinnert, dass ein älterer Mensch seine Geschichte erzählt und dieses Erzählen den Rahmen bildet. In zahlreichen Novellen des österreichischen Autors ist das ebenfalls so – mündlich erzählt wird in der „Sommernovellette“, in „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ und außerdem im Roman „Ungeduld des Herzens“; in „Verwirrung der Gefühle“ bringt ein Mann ein lange gehütetes Geheimnis zu Papier, in „Brief einer Unbekannten“ wird wie der Titel schon verrät ein langer Brief geschrieben etc.
Der fiktive Staat Zubrowka wirkt natürlich habsburgisch und erinnert dadurch an Zweigs „Welt von Gestern.“ Die Personen- und Ortsnamen sind deutsch, slawisch oder ungarisch (bei den deutschen Namen haben die Kinozuschauer mehrfach laut losgelacht). Das Hotel als Ausgangspunkt der Handlung und die Figur des „Lobby-Boy“ lassen einen (oder zumindest mich) zunächst an Thomas Manns Felix Krull denken, der in einem vornehmen Pariser Haus anfangs den Lift und später bei Tisch bedient. In einem noblen Hotel spielt jedoch auch ein großer Teil von Zweigs Roman „Rausch der Verwandlung“, hier erfährt das Landei Christine, wie Mann_Frau von Welt so lebt (und kommt auf den Geschmack). Und so wie die Nazis die Welt zerstörten, die Stefan Zweig gekannt und geliebt hatte, setzt auch hier die brutale „ZZ“ den heiteren Zeiten ein Ende.
Ansonsten kann ich über den Film im Grunde gar nichts sagen, das nicht bereits vielfach gesagt wurde. Die Kulissen sind beeindruckend – so viele Details, so viel zu entdecken. Tilda Swinton als alte Oma ist zum Schreien. Am witzigsten fand ich die Stelle, an der die Knastbrüder sich mit winzigen Werkzeugchen einen Tunnel graben (und ihre Flucht über ihre schlafenden Wärter hinweg ist auch urkomisch).
Noch nicht gesehen? Dann nichts wie auf ins Kino – noch läuft er.


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