Wachsen in deutschen Gärten sephardische Rosen (oder doch nur Rittersporn)?

Heute in der Rubrik „Hitlisten“: Die lustigsten und die traurigsten Lieder, die ich kenne.
Wir beginnen mit den traurigen und zwar im Jahre 1996. Nein, das Lied ist natürlich wesentlich älter, aber ich entdeckte es im zarten Alter von 11 Jahren (auf einem Tonband bei meinem Vater, der einiges an interessanter, älterer Musik besaß, sich aber oft nicht an die Namen der Interpreten erinnerte und fast nie Listen geführt hatte, so dass man in seiner Sammlung im Trüben fischen musste). Die Rede ist von „In meinem Garten“ von Reinhard Mey, das ich damals sehr ergreifend fand und noch heute finde. Der Sänger hat das Lied im Übrigen auch unter dem Titel „Dans mon jardin“ aufgenommen, wie gewohnt in perfektem Französisch, wie ich vor einigen Jahren erfuhr. Ich höre mir das Stück auf YouTube gerade noch einmal an – der Text ist dem deutschen sehr ähnlich, berührt mich aber nicht so wie in meiner Muttersprache.
Daran, dass er „ausländisch“ ist, kann es nicht liegen, denn einen Kloß in der Kehle beschert hat mir auch schon Mercedes Sosa und zwar mit „Alfonsina y el mar“. Hier wird die (mir völlig unbekannte) Dichterin Alfonsina Storni besungen, die sich (im Meer) das Leben nahm. Mittlerweile, da sowohl die Sängerin als auch der Komponist (Ariel Ramírez) gestorben sind, trägt das Lied erst recht einen Trauerflor.
Noch einmal Spanisch und noch einmal stirbt jemand: In „Komo la Roza“ von Yasmin Levy betrauert eine Familie den frühen Tod einer Tochter (diesmal an einer Krankheit). „Wie eine Rose im Garten, deren Blüte sich noch nicht geöffnet hat, ist eine junge Frau in der Stunde ihres Todes…“ Fand ich geradezu herzzereißend, als ich es das erste Mal hörte.
Jetzt sitzt ihr alle vor dem Computer und blast Trübsal? Das soll nicht sein – kommen wir zum lustigen Teil. Ebenfalls Teil meiner Kindheitserinnerungen sind Schobert und Black, das Duo, das sich dem „höheren Blödsinn“ verschrieben hatte. Ich habe als kleines Mädchen den „Beutelgesang“ geliebt und stehe dazu. :) Die hier verlinkte Version enthält eine ausführliche Vorrede und unterscheidet sich leicht von der Aufnahme auf dem väterlichen Band, aber ich sitze trotzdem hier und lache mich schief (vielleicht sogar deswegen, weil ich noch nicht alle Sprüche kenne).
Als nicht mehr ganz so kleines Mädchen war ich Austauschstudentin in Frankreich, hörte abends gern einen Radiosender, der ältere Stücke spielte und stieß auf Nino Ferrer, den ich von Anfang an sehr witzig fand. Äußerst komisch sind vor allem die Lieder „Oh ! Hé ! Hein ! Bon !“ (in dem er darüber singt, dass er ständig alles verliert) und „Mirza“ (in dem er seinen Hund sucht). Zu empfehlen sind aber auch noch viele andere Stücke von ihm, „Les cornichons“ und „Madame Robert“ und…
Ebenfalls Französisch und zum Schmunzeln (dabei noch wesentlich älter als die Stücke von Nino Ferrer) ist „Boum“ von Charles Trenet. Wie macht kaputtes Geschirr? Genau, fric-fric-frac!
Sollen wir daraus jetzt schließen, dass spanische Lieder eher traurig und französische eher lustig sind? Na, ich denke, das wäre doch etwas voreilig.


5 Antworten auf „Wachsen in deutschen Gärten sephardische Rosen (oder doch nur Rittersporn)?“


  1. 1 Carmilla DeWinter 17. März 2014 um 0:42 Uhr

    Ein Lied, bei dem ich immer heulen muss, ist „Travelin‘ Soldier“ von den Dixie Chicks.

    Für den Humor ist zumeist meine oberflächliche Kenntnis der Ärzte zuständig. Über die „Leichenhalle“ freue ich mich genauso wie „Goldenes Handwerk“, das die (Un)Tugenden von Schlagzeugern darstellt.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 17. März 2014 um 9:07 Uhr

    Ach ja, an das „Weil ich Schlagzeuger bin“ konnte ich mich dunkel erinnern. Wusste nicht mehr, dass der Text so lustig ist. Schlagzeuger scheinen in Rockbands das zu sein, was Bratschenspieler im Orchester sind. :)
    Das Lied von den Dixie Chicks finde ich persönlich nicht sooo arg traurig, aber der Refrain hat eine schöne Melodie.

  3. 3 Gerd D. 21. Dezember 2014 um 18:52 Uhr

    Wow, lauter tolle Lieder die ich noch nicht kannte.
    Reinhard Mey habe ich in meiner Jugend viel gehört, aber „In meinem Garten“ ist mir neu.

    Yasmin Levy scheint keine typisch Spanische Künstlerin, da klingen für mein Ohr stark Orientalische Züge an.

    „Travelin‘ Soldier“ ist schon ein tränenreißer, schöne tragische Liebesgeschichte eben. Hab ganz vergessen was für wunderbare Country Musik die Dixie Chicks machen.

  4. 4 Fiammetta de Bornelh 21. Dezember 2014 um 19:21 Uhr

    Hi. Wir kennen uns doch aus dem AVEN-Forum, oder?
    Yasmin Levy ist keine Spanierin, sondern eine in Israel geborene Sephardin, deren Musik stark vom Flamenco beeinflusst ist. Der sephardischen Musik habe ich einen eigenen Artikel gewidmet, der mehr Beispiele enthält, er heißt „die Stadt so fern und die Tür verschlossen.“

  5. 5 Gerd D. 22. Dezember 2014 um 17:10 Uhr

    „Hi. Wir kennen uns doch aus dem AVEN-Forum, oder?“
    Schuldig im Sinne der Anklage. :)

    Die Sephardisten sollten mir etwas sagen… aber da zeigt sich wohl wieder mein Historisches desinteresse… werde ich mal googeln müssen.

    „Der sephardischen Musik habe ich einen eigenen Artikel gewidmet, der mehr Beispiele enthält, er heißt „die Stadt so fern und die Tür verschlossen.““

    Muss ich mir ansehen – wenn das alles so in die Richtung klingt könnte das ganz auf meiner Linie liegen.

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