Aufgewärmt schmeckt manchmal besser

Schlechte Coverversionen von Liedern kennen wir alle zur Genüge und wahrscheinlich hat jeder Mensch da seine persönlichen Hasskandidaten – ich ertrage z.B. Dieter Thomas Kuhns Version von „Über den Wolken“ nicht. Es gibt aber auch Cover, die mindestens genauso gut wie das Original sind und ein paar davon möchte ich heute vorstellen.
Ein typischer Fall, in dem die Coverversion das Original bei Weitem überflügelt, ist für mich „Fields of Gold“. Ich kannte das Lied von Sting längst und es hatte mich nie sonderlich beeindruckt, als ich eines Tages die Version von Eva Cassidy hörte. Die bringt Potenzial ans Tageslicht, von dem ich nicht ahnte, dass der Song es besaß.
„Dreams“ von den Cranberries mochte ich immer und dann hörte ich das Lied eines Tages auf …Chinesisch! (Kantonesisch). Gesungen wird es von Faye Wong und ich liebe ihre Version. Kann allerdings auch daran liegen, dass ich sie sofort mit dem Film verbinde, aus dessen Soundtrack sie stammt, nämlich „Chunking Express“ von Wong Kar-Wai. Das verlinkte Video zeigt Szenen aus dem Film und falls jetzt jemand Lust bekommt, ihn sich anzuschauen, kann ich nur sagen: Nur zu, es lohnt sich.
Auf etwas dünnes Eis wage ich mich wahrscheinlich mit meinem nächsten Tipp. „Who wants to live forever“ von Queen ist ein natürlich ein Klassiker, das möchte ich gar nicht abstreiten. In den 90er Jahren wurde das Lied von Dune gecovert, einer Band, die damals für recht – ja wie nennt man das – elektronische?* Titel bekannt war und heute vergessen sein dürfte, ich habe jedenfalls seit Ewigkeiten nichts mehr von ihr gehört. Ihre Coverversion des Songs von Queen kann ich jedoch nicht vergessen und ja, sie gefällt mir im Grunde besser als das Original. Die Stimme der Sängerin empfinde ich heute als etwas zu flach, aber die instrumentale Ebene ist großartig.
Lassen wir die englischsprachigen Originale hinter uns… jetzt werde ich wohl auch auf das Original verlinken müssen, da ich es nicht als allgemein bekannt voraussetzen kann. Hier hätten wir also „Michelangelo Antonioni“, gesungen auf Italienisch von Caetano Veloso aus Brasilien. Als ich eben dieses Lied auf YouTube suchte, stieß ich auf eine Version von einer ganz unbekannten Sängerin, die mich so fasziniert, dass ich sie mir seitdem schon oft angehört habe. Die Stimme passt meiner Meinung nach perfekt zum Lied.
Und nun noch eine Art Bonustrack… Ich finde es kurios, in wie vielen Sprachen es Versionen von „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel gibt (wobei das Original meiner Meinung nach unerreicht ist). Da hätten wir also Jiddisch, Tschechisch und Arabisch (Libanon). Der jiddische Text orientiert sich sehr eng am französischen Original, die anderen beiden Sprachen verstehe ich nicht. Hat jemand noch mehr? Ich finde, Maria Tănase hätte eine rumänische Version singen können, hat sie aber offenbar nicht getan. War vielleicht zu knapp, da das Lied von 1959 ist und sie schon 1963 starb.
Und da es sowieso immer mehr abirrt (war von mir nicht so geplant, ehrlich, ich dachte, dies würde ein eher kurzer Artikel werden): Ich finde, Françoise Atlan (vgl. meinen Artikel über sephardische Musik) sollte „Una luna“ von Etta Scollo singen, würde bestimmt super klingen. Die Sprache dürfte kein großes Problem darstellen; wer auf Spanisch singen kann, kann es auch auf Italienisch. ;)

* = Inzwischen (Ende März) bin ich schlauer – offenbar nennt man diese Musikrichtung Eurodance.


2 Antworten auf „Aufgewärmt schmeckt manchmal besser“


  1. 1 Carmilla DeWinter 09. Februar 2014 um 22:53 Uhr

    Salaam, leider kann ich mit meinen reichlich begrenzten Kenntnissen der arabischen Sprache bezüglich „ne me quitte pas“ nicht weiterhelfen.

    Vielen Dank aber für die Links, die sind jedenfalls ein Grund, mal meine Cranberries wieder rauszukramen.

  2. 2 Fiammetta de Bornelh 10. Februar 2014 um 8:04 Uhr

    Yeah, die Cranberries fetzen! :)
    Ich habe mir vor ein paar Monaten die CD „Stars – The Best of 1992-2002″ geholt, die ist toll. Sind Stücke drauf, die ich von früher kannte, und solche, die mir neu waren.

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